In einer schwierigen Situation: Anonyme Abtreibung

Anonyme Abtreibung

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Kann man abtreiben, ohne dass es jemand erfährt?

  • Bei einer Abtreibung stehen Ärzte und Beraterinnen unter einer besonderen Schweigepflicht.
  • Deswegen kann man theoretisch abtreiben, ohne dass es jemand aus dem Umfeld erfährt.
  • Viele Frauen empfinden es aber als besser, sich trotzdem jemandem anzuvertrauen. Du kannst Dich dazu auch an unsere Beraterinnen wenden.


Kann man heimlich abtreiben?

Die Frage nach einer heimlichen Abtreibung kann man von zwei Seiten aus betrachten: Die offizielle und die persönliche Seite.

Die offizielle Seite – Schweigepflicht

Einige „offizielle“ Personen werden in jedem Fall von der Abtreibung erfahren:

  • Dein behandelnde Frauenarzt, der die Schwangerschaft feststellt und eventuell nach der Abtreibung die Nachuntersuchungen vornimmt.
  • Wenn unter Umständen ein anderer Arzt die Abtreibung durchführt., erfährt es natürlich auch dieser.
  • Wenn Du Dich einer Beratungsstelle anvertraust.
  • Die Mitarbeiter der Krankenkasse, wenn es um die Abrechnung oder eine eventuelle Kostenübernahme geht.

🤐 Grundsätzlich unterliegen alle diese Personen aber der Schweigepflicht und dürfen ohne Dein Einverständnis keine Informationen an Dritte weitergeben (vgl. Artikel 321 StGB).

Zumindest von offizieller Seite ist also eine heimliche Abtreibung möglich, von der niemand im näheren Umfeld unmittelbar erfahren muss. Die betroffene Frau kann insofern selbst bestimmen, wer vom Schwangerschaftsabbruch erfahren soll und wer nicht.

Das private Umfeld – Geheimnis und Wahrheit

Ob es tatsächlich möglich ist, etwa vor dem Partner, den eigenen Kindern oder anderen engen Verwandten und Freunden eine Abtreibung zu verheimlichen, bleibt offen. Je nachdem, wie eng die Beziehungen sind, wird das engste Umfeld vermutlich zumindest erahnen, dass irgendetwas war – auch, wenn dabei vielleicht keiner an einen Schwangerschaftsabbruch denkt. Falls Du selbst aktuell schwanger bist und erwägst, niemanden bezüglich der Schwangerschaft ins Vertrauen zu ziehen, ist es ratsam, das in Deine Überlegungen miteinzubeziehen.

Zudem geht es darum, für Dich ehrlich abzuwägen, wie es für Dich wäre, wenn nur Du für Dich Dein stilles Geheimnis trägst. Das schwierige ist jedoch, dass es im Vorfeld nicht immer so absehbar ist, wie es später für einen sein wird. Solltest Du doch erahnen, dass Dich eine Abtreibung innerlich beschäftigen wird, bist Du es wert, diesen Sorgen Aufmerksamkeit zu schenken.

Anonymer Schwangerschaftsabbruch unter 18?

Vielleicht möchtest Du nicht, dass deine Eltern von der Schwangerschaft erfahren und suchst deshalb nach einer Möglichkeit für eine anonyme Abtreibung. Wenn Du minderjährig bist, könnte es sein, dass der Arzt das Einverständnis Deiner Eltern für eine Abtreibung verlangt.

Hier findest Du weitere Infos:

Kann man eine Abtreibung nachweisen?

Rein medizinisch gesehen ist eine Abtreibung nicht nachweisbar – es sei denn, die Gebärmutter wurde bei dem Eingriff verletzt. Gerade bei weit fortgeschrittener Schwangerschaft kann es nach dem Schwangerschaftsabbruch zu Verwachsungen und Verklebungen kommen.

In der ersten Zeit nach einer Abtreibung kann es jedoch weitere körperliche Auffälligkeiten geben:

  • In den Tagen nach dem Schwangerschaftsabbruch kann es zu Blutungen kommen.
  • Zwischen vier und sechs Wochen nach der Abtreibung ist das Schwangerschaftshormon (HCG) noch im Körper vorhanden und wird erst schrittweise abgebaut.
  • Bei manchen Frauen setzt außerdem die Periode nicht wie erwartet ein oder kann für eine gewisse Zeit auch ganz ausbleiben.

Abtreibung heimlich selber herbeiführen

Bei dem Gedanken, abzutreiben, ohne dass jemand etwas davon erfährt, kann die Überlegung naheliegen, den Schwangerschaftsabbruch heimlich selbst herbeizuführen – in der Hoffnung, dass es in diesem Fall wirklich niemand mitbekommen würde.

Achtung: Eigenabtreibungen sind gefährlich für die Gesundheit der Frau. Abtreibungen sollten ausschließlich durch einen Arzt vorgenommen werden, der die notwendigen medizinischen Kenntnisse hat, und über ausreichend Erfahrung verfügt. Das ist sogar gesetzlich festgeschrieben. Gerade Frauen, die überlegen, selbst und alleine heimlich abzutreiben, können in dieser eventuellen Notlage oft medizinisch nicht schnell genug versorgt werden.

Schwanger und niemand soll es erfahren – was nun?

Vermutlich denkst auch Du momentan darüber nach, ob es besser wäre, wenn niemand davon erfährt, dass Du schwanger bist. Vielleicht überlegst Du, anonym einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen, weil Dir die Reaktionen des Umfeldes auf die Schwangerschaft Angst machen. Wahrscheinlich ist die aktuelle Situation so oder so belastend für Dich.

Folgende drei Schritte könnten Dir jetzt helfen:

Schritt 1: 🕰

Wir würden Dir wünschen, dass Du Dir nun ausreichend Zeit nehmen kannst, um in der emotionalen und körperlichen Ausnahmesituation wieder in ein inneres Gleichgewicht zu finden.

Auf diesem festeren Stand kannst Du dann prüfen, welche Entscheidung sich mit Deinen Überzeugungen deckt – damit Du auch langfristig gesehen ganz im Einklang damit sein kannst.

Schritt 2: 👤

Vielleicht tut es Dir gut, Dich trotz Deiner Befürchtungen jemandem in Deinem Umfeld anzuvertrauen: einer lieben Freundin, Verwandten oder einer anderen Personen, die Dir beistehen könnte?

Vielleicht bringst Du den Mut auf, Dich Menschen zu öffnen, die Dir nahestehen. Oftmals sehen vier Augen mehr als zwei – gerade in dieser aufreibenden Situation, in der Du wahrscheinlich hin- und hergerissen bist.

Schritt 3: 👩‍💻

Wenn Du möchtest und Dir das vielleicht leichter fällt, kannst Du Dich auch jederzeit anonym und kostenfrei an die Beraterinnen von Pro Femina e.V. wenden.

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