Flugreise in der Schwangerschaft: Geht das?

„Aber wir haben die Reise doch schon gebucht!“ Das ist einer von vielen Gründen, warum ein Baby für Mona* jetzt gerade nicht zu passen scheint. Viele Sorgen lassen die junge schwangere Frau pessimistisch in die Zukunft blicken. Im Heidelberger Beratungszentrum von Pro Femina kann sie in Ruhe ihre Gedanken ausbreiten. Das Reise-Thema ist in unserer Beratung gar nicht so selten. Mona will nächste Woche nach Paris, in zwei Monaten nach Australien, nächstes Jahr nach Peru und Bolivien, und später auch noch nach Nepal. Geht das schwanger? Ist das möglich mit einem kleinen Baby?

Schwanger unterwegs – Worauf ist zu achten?

„Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein knapper Anschlussflug, so dass man schwanger durch den ganzen Flughafen hetzen muss“, sagt Steffi* und lacht. Sie erinnert sich noch gut, wie man sich als Schwangere auf Reisen fühlt. Die 29-Jährige ist inzwischen Mutter einer einjährigen Tochter. Noch im sechsten Monat ihrer Schwangerschaft ist sie durch Schottland gewandert. Manche der geplanten Routen wurden ihr mit Babybauch zu anstrengend und sie musste etwas kürzer treten, aber es war ein schöner Urlaub. Als Steffi schwanger war, wollte sie nur dorthin reisen, wo sie sich auskennt und wohlfühlt. „Asien oder Südamerika wäre damals nicht so meins gewesen“, sagt sie.

 

Schwangere Frauen können jedoch auch entlegenere Ziele ansteuern, wenn sie ein paar Dinge beachten, sind sich Frauenärzte einig. Hier die wichtigsten Empfehlungen für Schwangere mit Fernweh:

 

  • Wenn die Schwangerschaft stabil ist, sind auch LangstreckenflĂĽge kein Problem. Häufig sorgen sich Schwangere, ob der Kabinendruck im Flugzeug oder die erhöhte Strahlung fĂĽr das Kind gefährlich sein könnten. Ă„rzte geben Entwarnung, empfehlen jedoch ausreichend Bewegung, Beingymnastik und StĂĽtzstrĂĽmpfe, um Thrombosen vorzubeugen. Wegen der trockenen Luft in der Kabine sollte man viel trinken.

 

  • Voraussetzung fĂĽr eine Reise ist eine komplikationsfreie Schwangerschaft und ein stabiles Wohlempfinden der Mutter. Der Mutterpass ist immer griffbereit.

 

  • Zwischen dem vierten und siebten Monat der Schwangerschaft ist die gĂĽnstigste Zeit zum Verreisen. Die sensible Phase im ersten Trimester und auch die MorgenĂĽbelkeit sind vorĂĽber. Die Schwangere fĂĽhlt sich meist fit und hat in vielen Fällen sogar Lust auf Bewegung. Gegen Ende des siebten Monats wird der Bauch größer und RĂĽckenschmerzen sowie Kurzatmigkeit können zunehmen. Längere Reisen und FlĂĽge vor der zwölften Schwangerschaftswoche sollten in jedem Fall mit einem Arzt besprochen werden.

 

  • Da der Mutterschutz sechs Wochen vor der Geburt beginnt und die Hochschwangere keinen Urlaub einreichen muss, wollen viele werdende Eltern noch einmal zu zweit in den Urlaub fliegen. Den Fall einer frĂĽhen Geburt sollte man dann in die Planung einbeziehen und klären, wo vor Ort die nächste Klinik und ein Gynäkologe zu erreichen sind, und ob ausreichender Versicherungsschutz fĂĽr einen RĂĽcktransport besteht.

 

  • Die erforderlichen Impfungen und Medikamente fĂĽr die Reise-Apotheke hängen stark vom Urlaubsziel ab. Beim Hausarzt erfährt man, welche Impfungen auch Schwangere noch erhalten können, und welche Infektionsrisiken bei Reisen in tropische und subtropische Länder zu bedenken sind.

 

  • Egal ob Indien oder Italien – Hygiene ist in der Schwangerschaft besonders groĂźgeschrieben und ebenso die Vorsicht bei Speisen und Getränken. Auf Nummer sicher geht man mit Getränken aus Dosen oder Flaschen mit Schraubverschluss. In Restaurants sollte sich eine Schwangere an durchgekochte und durchgebratene Speisen halten und auf Salate, Obst, Wurstaufschnitt und Speiseeis verzichten.

 

 

  • Jede Schwangerschaft ist anders. Deshalb ist es ratsam, den behandelnden Frauenarzt frĂĽhzeitig in die Reisepläne einzubeziehen.

 

Das sind Steffis Tipps fĂĽr schwangere Weltenbummlerinnen:

„Wenn man den Mutterpass beim Einchecken vorzeigt, sind die Airlines sehr zuvorkommend. Man bekommt einen Sitz am Gang, damit man jederzeit auf Toilette und viel aufstehen kann. Oft geben sie einem auch den großen Sitz mit viel Beinfreiheit. Bei den meisten Fluggesellschaften darf man ab der 36. Woche nicht mehr fliegen, nicht weil es gefährlich ist, sondern weil sie keine ungeplante Zwischenlandung oder gar eine Entbindung in der Luft wollen. Das sollte man nachfragen, bevor man einen Flug bucht. Abhängig vom Reiseziel sollte der Impfstatus passen und als Schwangere sollte man beim Essen kritisch sein, damit man sich zum Beispiel nicht mit Listerien infiziert, wenn man nur flüchtig gewaschenen Salat isst.“

Für Steffi und ihre kleine Familie steht übrigens schon die nächste Reise an: Es geht nach Kreta, und Steffis Tochter wird mit 14 Monaten das erste Mal fliegen.

 

*Namen und Beratungsfälle sind Erfahrungen aus unserem Beratungsalltag nachempfunden. Es handelt sich um fiktive Personen in beispielhaften Situationen.  

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