Warum bin ich so hin- und hergerissen? 

Warum bin ich so hin- und hergerissen? 
zuletzt aktualisiert: 26.11.2020

Abtreiben oder das Kind behalten? – Wenn Herz und Verstand miteinander ringen

Gestern noch warst Du fest davon überzeugt, dass Du das Kind bekommen willst und dass Du das schaffen kannst. Heute kullern einfach so die Tränen, Du zweifelst an der Entscheidung von gestern, und die Angst baut sich immer größer vor Dir auf… Kommt Dir das bekannt vor? Wir erklären in diesem Artikel, warum es vielen Frauen so und ähnlich ergeht, und verraten, was Dir jetzt helfen kann.

Unsere Tipp:

 

Was Hormone in uns auslösen können...

Wenn man es selbst noch nicht erlebt hat, ahnt man kaum, welch großen Einfluss Hormone auf Gefühle und Gedanken einer Frau haben können. Doch wer sich einmal wirklich im (Schwangerschafts-)Hormon-Chaos befand, kann es bestätigen: Hormone haben einen Einfluss – auf unsere Gefühle, unser Denken und unseren Organismus.

Am Anfang der Schwangerschaft bereitet sich der ganze weibliche Körper auf eine neue Aufgabe vor: Eine Umgebung bereitzustellen, in der sich das Kind bestmöglich entwickeln kann. Ab jetzt rüsten die Hormone auf, um vieles im Körper umzubauen. Diese enorme körperliche Veränderung geht auch an der Psyche und der emotionalen Verfassung einer Frau nicht ganz spurlos vorüber: Da gibt es Momente, in denen sie voller Hoffnung, Zuversicht und Vorfreude in die Zukunft sehen kann. Aber es gibt auch solche Momente, in denen Zweifel hochkommen, die von Traurigkeit und Sorge geprägt sind…

So anstrengend diese Wechselhaftigkeit auch ist: Letztlich ist sie ein Zeichen dafür, dass Dein Körper seiner Aufgabe gut nachkommt. Vielleicht kann dieses Wissen Dir und auch Deinem Umfeld helfen, sich immer wieder daran zu erinnern, warum die Welt zeitweise gar so grau und trostlos aussieht oder die Tränen viel häufiger fließen, als Du es normal von Dir kennst. Es bedeutet nicht unbedingt, dass wirklich alles so aussichtslos ist, wie es scheint!

Auch musst Du nicht befürchten, dass Du immer mehr „hysterische“ Züge annimmst. Vielmehr gehört all das bei vielen Frauen gewissermaßen so zur Schwangerschaft mit dazu wie die Stacheln zu einer Rose. Die sind nicht unbedingt angenehm – aber sie nehmen der Rose auch nichts von ihrer Schönheit.

 

Herz und Verstand

Neben den rein körperlichen, biologischen Vorgängen spielt auch noch eine andere Dimension eine große Rolle, wenn Frauen sich schwer damit tun, eine Entscheidung für oder gegen das Kind zu treffen. Es geht um ein inneres Ringen zwischen Herz und Verstand.

 

1. Unser Verstand

Unser Verstand ist eine wunderbare Sache! Er ermöglicht es uns, Dinge zu planen, Gefahren abzuwägen, alle rationalen Belange des Lebens zu bearbeiten und zu lösen. Die Stimme unseres Verstandes ist eigentlich ein ständiger Begleiter; wir hören sie in aller Regel recht laut und deutlich.

Meistens bauen die Schlussfolgerungen unseres Verstandes auf zwei Säulen auf:

  • Auf die Vergangenheit, also auf unsere bisherigen Erfahrungen
  • und auf die Gegenwart, also die momentanen Umstände oder Informationen, die wir aufnehmen.

Auf Basis dieser Aspekte bewertet unser Verstand dann die Gegenwart und die vermeintliche Zukunft.

Die Herausforderung: Es gibt Dinge im Leben, die können nicht geplant oder mit einberechnet werden – zum Beispiel eine überraschende Schwangerschaft, und wie sich das Leben unter diesen neuen Vorzeichen entwickelt. So erleben viele Frauen, dass bei einer ungeplanten Schwangerschaft der Verstand angesichts dieser unerwarteten Wendung des Lebens schnell viele Gegen-Argumente findet, die oft vor allem von Angst vor dem Ungewissen geprägt sind.

Da kann es manchmal helfen, die rationalen Sorgen aufzuschreiben und behutsam und geduldig nach Lösungen zu suchen. Denn wenn man manche Sorge konkretisiert und in Worte fasst, verliert sie etwas von ihrer lähmenden Macht. So können dann auch die anderen Teile des Inneren zur Sprache kommen, und der Verstand kann seiner eigentlichen Aufgabe nachkommen: Verschiedene Aspekte zu beleuchten, Gefahren zu erkennen und Lösungen zu suchen.

 

2. Unser Herz

Nun gibt es aber noch eine andere Instanz in uns: Unser Herz. Es ist unser Innerstes, unser Wesenskern.

Unser Herz kann man als den treuesten Begleiter bezeichnen, den wir Menschen im Leben haben. Selbst, wenn wir schon alt sind und der Verstand sich langsam umhüllt – unser Herz bleibt, und damit unsere Fähigkeit zu lieben und zu hoffen. Man könnte auch sagen, dass unser Herz der innere Kompass ist. Ein Wegweiser, der immer die Richtung anzeigt, die sich mit unseren innersten Überzeugungen und unseren Werten deckt.

Im Herzen sitzt auch unser Gewissen, das jedes unserer Vorhaben und Handlungen mit den verinnerlichten Grundsätzen abgleicht. Das ist es, was langfristig Erfüllung schenkt: Wenn man seinem Herzen folgen kann…

Die Herausforderung: Unser Herz ist leider nicht immer so gut vernehmbar wie die Stimme des Verstandes. Denn das Herz spricht oft mit einer sehr zarten, nicht aufdringlichen Stimme, die erst mit der Zeit lauter wird. Immer wieder wird diese leise Stimme von der „vorlauteren“, schnellen Stimme des Verstandes übertönt. Um das Herz zu hören, kann es helfen, zur Ruhe zu kommen, sich zu entspannen, sich etwas Gutes zu tun und zu innerem Frieden zu finden.

 

3. Im Einklang miteinander

Lässt Du Dich auf das Wechselspiel zwischen Herz und Verstand ein, so wirst Du vermutlich immer wieder vom einen in das andere kippen: Von den rationalen Argumenten in die des Herzens und umgekehrt.

Daher ist es ratsam, sich Zeit zu geben, bis sich dieses „Hin und Her“ beruhigt und eingependelt hat. Für eine gereifte und gute Entscheidung schaffen wir es dann im Idealfall, Herz und Verstand in Einklang zu bringen.

Das bedeutet, wir schlagen einen Weg ein, der sich mit unseren Überzeugungen und Wertvorstellungen deckt und der somit unserem ganzen Wesen gerecht wird (auch dem Herzen). Wir sind uns aber auch der Hürden dieses Weges bewusst und suchen nach guten Lösungen dafür (von Seiten des Verstandes).

Man könnte sagen, der Verstand unterstützt das Herz und ebnet ihm den Weg, das Herz aber gibt dem Verstand die nötige Kraft und den Antrieb, um sich den Problemen und möglichen Lösungen überhaupt zuzuwenden. Wenn Du auch auf der Suche nach einem solchen Weg bist und gerade nicht recht weißt, wie der aussehen könnte, dann besprich Deine Gedanken gerne mit einer von uns erfahrenen Beraterinnen!

 

Unheimlich und anziehend: Veränderung

Eine Schwangerschaft hat das Potenzial, sehr vieles im Leben auf den Kopf zu stellen, zu verändern und überraschend weiterzuentwickeln:
So mancher Plan muss geändert, nach hinten verschoben oder vielleicht sogar erst einmal gestrichen werden, neue Türen tun sich auf. Und auf einmal duellieren sich

  • die Bereitschaft, das alles zu verändern (möglicherweise die verlockende Frage, was dadurch vielleicht auch besser werden könnte)
  • mit der Macht der Gewohnheit und dem GefĂĽhl, dass doch alles ganz okay ist, wie es jetzt gerade ist: Das GefĂĽhlschaos ist perfekt.

Veränderung macht vielen (nicht allen!) Menschen erst einmal Angst. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“ – da ist tatsächlich etwas Wahres dran! Gerade eine plötzliche Veränderung wie eine unerwartete Schwangerschaft ist dem „Gewohnheitstier Mensch“ erst einmal nicht so ganz geheuer.

Gleichzeitig löst die Aussicht auf Veränderung aber vielleicht auch Neugier aus. "Was könnte anders werden? Wie wäre es wohl, wenn mein Kind zum ersten Mal „Mama“ sagt? Wie würde es aussehen? Junge oder Mädchen?" Durch solche Zukunftsträume kann die Vorfreude durchaus auch (vorübergehend) wachsen…

 

Was kann ich jetzt für mich tun? – 4 Tipps

Hormone, Herz, Verstand, die Veränderung... Nun ist Dir vielleicht etwas schlüssiger, warum Du so sehr mit Dir ringst und Dich dadurch richtiggehend innerlich zerrissen fühlst. Viele Frauen vor Dir haben schon ähnliche Erfahrungen gemacht. Wie kannst Du mit diesem Wissen weitermachen und nach und nach herausfinden, welcher Weg der richtige für Dich ist?

 

1. Zeit als ein SchlĂĽssel

All unsere Beratungserfahrung bei Pro Femina zeigt, dass Zeit ein ganz wesentlicher Schlüssel dafür ist, den eigenen Weg zu finden. Es ist ratsam, sich selbst Zeit zu geben, um in eine innere Stabilität und Ruhe zurückzufinden. Das kann eine Weile dauern und braucht vielleicht einiges an Geduld mit Dir selbst. Was Dir jetzt vielleicht wie ein Zögern oder Zaudern vorkommt, ist in Wirklichkeit eine sehr kluge Vorsicht und Achtsamkeit mit Dir selbst.

 

2. Zur Ruhe kommen dĂĽrfen

Jeder Frau in dieser Situation möchte man ja eigentlich wünschen, dass sie eine so wichtige Entscheidung nicht aus Unsicherheit und einer ständig wechselnden Gemütslage treffen „muss“. Vielmehr hilft dabei erfahrungsgemäß Ruhe, inneren Frieden und ein Stück Gelassenheit.

 

3. Was ist mir wirklich wichtig?

Vielleicht kannst Du diese Zeit auch nutzen, um Dir klar zu werden, was Dir als Frau im Leben wirklich wichtig ist: Wie würde eine Frau handeln, die Du bewundern würdest? Auf welche Entscheidung könntest Du in Zukunft einmal stolz sein?

 

4. Unser Angebot fĂĽr Dich

Gerne kannst Du Dich an uns Beraterinnen wenden, um Dich mit einer außenstehenden und erfahrenen Person auszutauschen, die Zeit für Dich hat und die Dir in dem Auf und Ab und Hin und Her verlässlich zur Seite steht!

 

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