Wie funktioniert die medikamentöse Abtreibung?

Die medikamentöse Abtreibung („Abtreibungspille“) funktioniert in drei Schritten:

1. Tag: Zu Beginn wird die Blutgruppe der Frau festgestellt. Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, falls es im Laufe der Abtreibung zu starken Blutungen kommen sollte. Anschließend muss die Schwangere drei Tabletten einnehmen, die je 200 Milligramm Mifepriston enthalten. Mindestens zwei Stunden nach Verabreichung des Mittels wird sie ärztlich überwacht. Nach dieser Beobachtungsphase erfolgt die Entlassung nach Hause.

Innerhalb von ca. 48 Stunden öffnet sich der Muttermund und der dort verfestigte Schleim lockert sich. Die Gebärmutterschleimhaut mit den Chorionzotten, die den Embryo mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgen, löst sich mit der Einnahme von Mifegyne. Der Embryo wird auf diese Weise ausgehungert. In sehr wenigen Fällen (drei Prozent) setzen die Blutungen jetzt schon ein, Embryo und Plazentagewebe werden mit ausgestoßen.

Zwei bis drei Tage später: Allein Mifepriston führt jedoch in den meisten Fällen nicht zu einer Ausstoßung des Embryos. Deshalb wird zwei bis drei Tage später vom Arzt das Prostaglandin, ein Wehen auslösendes Hormon, verabreicht. Dieses bewirkt, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und eine Blutung einsetzt. Während der nächsten sechs Stunden wird die Frau sorgfältig überwacht. Innerhalb von zirka zwei Stunden nach Verabreichung des Wehenmittels setzen Blutungen ein und der Embryo wird ausgestoßen. Manche Frauen berichten von menstruationsartigen Schmerzen, andere erleben diesen Vorgang als sehr dramatisch und berichten von wehenartigen Unterbauchkrämpfen. Ungefähr ein Viertel der Frauen benötigt ein Schmerzmittel. Sollten die Blutungen nach drei Stunden noch nicht eingesetzt haben, wird ein weiteres mal Prostaglandin verabreicht.

8. bis 14. Tag: Sieben bis dreizehn Tage nach Verabreichung des Wehenmittels ist eine Nachuntersuchung erforderlich. Mittels Ultraschall oder laborchemischer Methoden wird festgestellt, ob der Embryo und das Plazentagewebe mit den Chorionzotten tatsächlich vollständig ausgestoßen wurde. Andernfalls wird in manchen Fällen eine zweite Medikamenteneinnahme oder eine Ausschabung/Absaugung durchgeführt.