Abtreibungspille Mifegyne

Die medikamentöse Abtreibung („Abtreibungspille“)

Abtreibungspille Mifegyne

Der medikamentöse Abbruch durch Mifepriston-Tabletten

Eine medikamentöse Abtreibung ist eine Form der Abtreibung, die durch das Einnehmen von Tabletten mit dem Wirkstoff Mifepriston provoziert wird. In Deutschland wurden im Jahr 2010 laut Statistischem Bundesamt 17,3% aller Schwangerschaftsabbrüche medikamentös vorgenommen. Dabei wird fast immer das Präparat RU 486 verabreicht, das im Handel „Mifegyne“ heißt (14,6%).

Mit Mifegyne kann bis zur 9. Schwangerschaftswoche, gerechnet nach der letzten Monatsblutung, (63. Tag) abgetrieben werden. 

Es sind drei Schritte erforderlich:

Erster Tag: Zu Beginn wird die Blutgruppe der Frau festgestellt. Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, falls es im Laufe der Abtreibung zu starken Blutungen kommen sollte. Anschließend muss die Schwangere drei Tabletten einnehmen, die je 200 Milligramm Mifepriston enthalten. Mindestens zwei Stunden nach Verabreichung des Mittels wird sie ärztlich überwacht. Nach dieser Beobachtungsphase erfolgt die Entlassung nach Hause.

Mifepriston blockiert die Wirkung des Hormons Progesteron, welches für die Erhaltung der Schwangerschaft unentbehrlich ist. Nun täuscht dieser Wirkstoff also dem Körper der schwangeren Frau vor, dass sie nicht mehr schwanger sei. Innerhalb von ca. 48 Stunden öffnet sich der Muttermund und der dort verfestigte Schleim lockert sich. Die Vorstufe der Plazenta (Mutterkuchen) mit den Chorionzotten bildet sich schon in den allerersten Wochen der Schwangerschaft und übt ihre Funktion aus, nämlich dem Hin- und Hertransport von Nährstoffen und Stoffwechselprodukten zwischen mütterlichem und kindlichem Kreislauf. Die Gebärmutterschleimhaut mit den Chorionzotten löst sich nun mit der Einnahme von Mifegyne von der Gebärmutterwand ab, der Embryo verliert seinen Halt und stirbt ab. In sehr wenigen Fällen (drei Prozent) setzen die Blutungen jetzt schon ein und Embryo und Plazentagewebe werden mit ausgestoßen.

Zwei bis drei Tage später: Allein Mifegyne führt jedoch in den meisten Fällen nicht zu einer Ausstoßung des Embryos. Deshalb wird zwei bis drei Tage später vom Arzt das Prostaglandin, ein Wehen auslösendes Hormon, verabreicht. Dieses bewirkt, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und eine Blutung einsetzt. Während der nächsten sechs Stunden muss die Frau sorgfältig überwacht werden. Innerhalb von zirka zwei Stunden nach Verabreichung des Wehenmittels setzen Blutungen ein und der Embryo wird ausgestoßen. Manche Frauen berichten von menstruationsartigen Schmerzen, andere erleben diesen Vorgang als sehr dramatisch und berichten von wehenartigen Unterbauchkrämpfen. Ungefähr ein Viertel der Frauen benötigt ein Schmerzmittel. Sollten die Blutungen nach drei Stunden noch nicht eingesetzt haben, muss ein weiteres Mal Prostaglandin verabreicht werden.

8. bis 14. Tag: Sieben bis dreizehn Tage nach Verabreichung des Wehenmittels ist eine Nachuntersuchung erforderlich. Mittels Ultraschall oder laborchemischer Methoden wird festgestellt, ob der Embryo und das Plazentagewebe mit den Chorionzotten tatsächlich vollständig ausgestoßen wurde. Falls die Abtreibung nicht erfolgreich war, kann eine zweite Medikamenteneinnahme oder eine Ausschabung (oder Absaugung) notwendig werden.

Die „Abtreibungspille“ darf nicht verwechselt werden mit der „Pille danach“, die innerhalb von 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen wird, um einen Eisprung oder eine Einnistung der befruchteten Eizelle zu verhindern.

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