Künstliche Verhütung

Wenn eine Schwangerschaft gerade nicht geplant ist, greifen die meisten Frauen zu Verhütungsmitteln. Die sollen sicher stellen, dass man auch ohne Kinderwunsch Sex haben kann. Generell gilt aber: Kein Verhütungsmittel bietet in dieser Hinsicht 100-prozentige Sicherheit. Ganz ausschließen kann man eine Schwangerschaft bei keiner Methode. Viele Methoden bieten aber trotzdem eine hohe Wahrscheinlichkeit, nicht schwanger zu werden.
 
Die Sicherheit einer Verhütungsmethode wird mit Hilfe des sogenannten Pearl-Index gemessen. Hat ein Verhütungsmittel beispielsweise einen Pearl-Index von 4, so bedeutet das: Im Durchschnitt werden vier von 100 Frauen pro Jahr schwanger, die dieses Mittel benutzen und sexuell aktiv sind. Je höher der Pearl-Index also ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, trotz Verhütung schwanger zu werden. 
 

Hormonelle Verhütungsmethoden

Der Zyklus der Frau wird über die körpereigenen Hormone gesteuert. Hormonelle Verhütungsmethoden setzen hier an. Sie verhindern beispielsweise den Eisprung der Frau oder verändern den Schleim im Gebärmutterhals so, dass die Spermien es schwer haben, zur Eizelle zu gelangen. In jedem Fall soll entweder die Befruchtung der Eizelle oder ihre Einnistung verhindert werden.

 

Die „Pille“ (Pearl-Index: unter 1)

Die sogenannte Antibabypille ist das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel in Deutschland. Sie ist mit einem Pearl-Index von unter 1 sehr "sicher". Seit ihrem Aufkommen in den 1960er-Jahren hat sie die Art, wie die Gesellschaft über Sex und Verhütung denkt, radikal geändert. Doch wie funktioniert sie eigentlich? Als sogenanntes Kombinationspräparat wirkt die klassische Antibabypille mit Hilfe zweier Hormone: Östrogen und Gestagen. Im Verbund sorgen die für ganz verschiedene Phänomene, die eine Schwangerschaft verhindern sollen: Der Eisprung bleibt aus, die Gebärmutterschleimhaut baut sich nicht mehr auf – und der Schleim am Muttermund wird für die Spermien quasi undurchdringbar. Die Zusammensetzung der „Pille“ sorgt also für eine hohe Verlässlichkeit in der Empfängnisverhütung, sie hat aber auch einige Nebenwirkungen. Das Risiko einer Thrombose – also eines Blutgerinnsels – erhöht sich, ebenso das Risiko an bestimmten Krebsarten zu erkranken – und viele Frauen klagen über ihre sinkende Lust auf Sex.

 

Die „Minipille“ (Pearl-Index: unter 3)

Die klassische Antibabypille schreckt mit ihrer Hormonmischung manche Frauen ab, die sich aber andererseits dennoch eine "zuverlässige" Verhütung wünschen. Die sogenannte „Minipille“ wirkt sanfter. Sie enthält nicht Östrogen und Gestagen zusammen, sondern nur das Hormon Levonorgestrel. Einen Eisprung kann die Minipille zwar nicht verhindern, sie verhindert die Befruchtung aber meist trotzdem, indem sie – ähnlich wie die Antibabypille – den Schleim im Gebärmutterhals verdickt und den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut verhindert. Die Minipille gehört mit einem Pearl-Index von unter 3 zu den relativ sicheren Verhütungsmitteln. Die Frau sollte die Minipille aber strikt jeden Tag zur gleichen Zeit einnehmen, weil hier Unregelmäßigkeiten zu einer deutlichen Abnahme der Wirkung führen können. Die Nebenwirkungen sind geringer als bei der klassischen Antibabypille, mit Brustschmerzen, Leberschäden, depressiven Verstimmungen und sexueller Unlust aber durchaus vorhanden.

 

Die Dreimonatsspritze (Pearl-Index: unter 0,8)

Mit der sogenannten „Dreimonatsspritze“ werden alle drei Monate bestimmte Gestagene in den Arm-oder Gesäßmuskel der Frau injiziert. Diese Hormone werden über die gesamte Dauer kontinuierlich in den Stoffwechsel der Frau abgegeben und verhindern so den Eisprung der Frau. Diese Methode ist mit einem Pearl-Index von unter 0,8 sehr verlässlich, hat aber einige Nebenwirkungen. Denn die Menge an Hormonen, die mit einer Spritze verabreicht werden, ist ziemlich hoch. Es kann deshalb sein, dass die Frau nach dem Absetzen dieser Spritze viele Monate braucht, um wieder einen normalen Eisprung zu haben, denn der Eingriff in den Hormonhaushalt durch die Dreimontsspritze der Frau ist enorm. 
 
 

Mechanische Verhütungsmethoden

Die sogenannten mechanischen Methoden der Empfängnisverhütung hindern die Spermien daran, die Eizelle zu erreichen. Eine Befruchtung und damit eine Schwangerschaft kann somit in den allermeisten Fällen nicht stattfinden. 
 

Das Kondom (Pearl-Index: 2 bis 12)

Das Kondom ist ein Latexballon, der der Form des männlichen Penis nachempfunden ist. Es gehört zu den am häufigsten verwendeten Verhütungsmitteln, weil es nicht nur eine Empfängnis verhindern kann, sondern auch vor den meisten sexuell übertragbaren Krankheiten schützt. Der Gebrauch des Kondoms is aber nur bei der richtigen Anwendung hinsichtlich einer Empfängnisverhütung sachgerecht. Selten kommt es auch zu Rissen von Kondomen, die diese Wirkung dann verhindern können. Entsprechend ist der Pearl-Index des Kondoms mit 2 bis 12 – eben je nach der Richtigkeit des Gebrauchs – vergleichsweise hoch. 
 

Die Kupferspirale (Pearl-Index: 0,3 bis 0,8)

Die sogenannte Kupferspirale ist ein kleines Stäbchen aus Kunststoff, das mit Kupfer ummantelt ist. Es wird in die Gebärmutter der Frau eingesetzt. Dort sorgen die kontinuierlich austretenden Kupferionen dafür, dass der Gebärmutter- und Muttermundschleim verändert wird – und die Spermien so die Eizelle nicht befruchten können. Die genaue Wirkungsweise ist noch nicht erforscht. Mit einem Pearl-Index von 0,3 bis 0,8 gilt die Kupferspirale eine verlässliche Verhütungsmethode. Sie hat aber einige Nebenwirkungen. Die Regelschmerzen können weitaus intensiver ausfallen, und wenn die Frau trotz Spirale schwanger wird, ist die Chance weitaus höher, dass sich eine Eileiter-Schwangerschaft entwickelt. 
 

Diaphragma (Pearl-Index: 1 bis 20)

Das Diaphragma ist eine Kunststoff-Schale, die die Spermien daran hindern soll, zur Eizelle zu gelangen. Es wird von der Frau vor dem Geschlechtsverkehr eingeführt und schließt den Muttermund ab. Nur, wenn es auf die Anatomie der Frau angepasst wird, ist ein recht dichter Abschluss möglich. Weil sich der Muttermund aber nicht hundertprozentig verschließen lässt, wird das Diaphragma meist mit einem Spermizid kombiniert – also einem spermien-abtötenden Mittel, das in Gelform auf die Ränder des Diaphragmas angebracht werden muss. Nach dem Geschlechtsverkehr verbleibt das Diaphragma einige Stunden im Körper und kann erst entfernt werden, wenn alle Spermien abgestorben sind. Die Wirksamkeit dieser Methode ist schwierig einzuschätzen, weil der Gebrauch recht kompliziert ist und deshalb viele Fehler in der Anwendung auftreten können. Bei sachgerechtem Gebrauch ist das Diaphragma mit Spermizid eine ziemlich verlässliche Verhütungsmethode (Pearl-Index von 1), bei Fehlern in der Anwendung aber nicht (Pearl-Index bis zu 20). 
 
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