PND: Diagnose positiv – und jetzt?

PND: Diagnose positiv – und jetzt?

Die Schwangere trägt ihr Kind unter dem Herzen und hat vielleicht schon eine Beziehung zu ihm aufgebaut. Die Diagnose stellt plötzlich alles in Frage und die Eltern werden in große Unsicherheit getrieben. Meist sieht man in diesen ersten Momenten gar nicht alle Aspekte einer Fehlbildung oder möglichen Behinderung. Man kann sich nicht wirklich vorstellen, was die festgestellte Krankheit für das tägliche Leben bedeutet.

Ruth (36): „Ich konnte die Enscheidung auf Leben und Tod nicht treffen“

„In der 22. Schwangerschaftswoche erfuhr ich, dass mein Embryo einen Hydrocephallus, einen Wasserkopf, hat“, sagt Mias Mutter Ruth (36). „Die Ärzte sagten, sie würde die Geburt nicht überleben. Und falls doch, nur schwerstbehindert.“ Noch immer muss Ruth weinen, wenn sie daran denkt, wie sie sich damals entscheiden musste. Zwischen einer Abtreibung und einem Leben mit einem körperlich und geistig behinderten Kind. „Zuerst wollte ich den Schwangerschaftsabbruch. Dann aber spürte ich mein Kind immer wieder strampeln. Als wollte Mia mir sagen: ‚Mama, ich lebe, wir schaffen das schon!'“ Damals machte Ruth eine „Pro“ und „Contra“-Liste. Unter „Pro“ stand nicht viel. Bloß dieses Strampeln. Mit einem Pränatalmediziner kämpfte die Mutter um das kleine Leben. Zweimal pro Woche ließ sie ihr Baby „punktieren“. Dabei sticht der Arzt mit einer 15 Zentimeter langen Nadel durch die Bauchdecke der Mutter und saugt Hirnwasser aus dem Schädel des Kindes. Das verringert den Druck. In der 34. Woche holten die Ärzte Mia per Kaiserschnitt. 48 Zentimeter, 2685 Gramm – die Hälfte davon wog der Kopf. Mia aber war stabil und die Ärzte wagten die erste von sieben Operationen, die sie bis heute leben lassen: Ein sogenannter „Shunt“ leitet überschüssige Flüssigkeit, die durch verstopfte Ablaufkanäle nicht ablaufen kann, vom Gehirn in den Bauchbereich. Heute ist Mia geistig so fit wie ihre Altersgenossen, körperlich ist sie noch auf dem Stand einer Dreijährigen, hat Probleme mit der Feinmotorik. Mias Eltern wissen, dass sich die lebensbedrohende Prognose der Ärztin immer noch erfüllen kann. Ruth: „Immer wenn sie mal blass oder zu still ist, kommt die Angst.“ Aber ein Leben in Angst ist ihr immer noch lieber als ein Leben ohne ihre Mia.

Erschienen in: BILD-Bundesausgabe vom 19. Februar 2016, S.8. 

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