Kriminologische Indikation

Kriminologische Indikation
zuletzt aktualisiert: 26.11.2020

Schwangerschaftsabbruch bei Vergewaltigung

Eine Abtreibung ist in Deutschland rechtswidrig, aber unter bestimmten Voraussetzungen (den so genannten Indikationen) legal, bleibt also straffrei. Neben der sozialen und der medizinischen Indikation gibt es auch die kriminologische Indikation. Diese greift, wenn die Schwangerschaft durch eine Gewalttat entstanden ist.

Hier findest Du Informationen zu den rechtlichen Gegebenheiten bei einem Schwangerschaftsabbruch bei Vergewaltigung.

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Was ist die kriminologische Indikation?

Die kriminologische Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch greift, wenn eine Schwangerschaft bei einer sexuellen Straftat entstanden ist. Dadurch ist die Abtreibung straffrei möglich (§ 218 a Abs. 3 StGB). Zu solchen Straftaten zählen sexueller Missbrauch an Kindern, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung ( §§176 – 178 StGB).

Im Gesetzestext (§ 218a Absatz 3 StGB) heißt es zur kriminologischen Indikation wörtlich:

„Die Voraussetzungen des Absatzes 2 gelten bei einem Schwangerschaftsabbruch, der mit Einwilligung der Schwangeren von einem Arzt vorgenommen wird, auch als erfüllt, wenn nach ärztlicher Erkenntnis an der Schwangeren eine rechtswidrige Tat nach den §§ 176 bis 178 des Strafgesetzbuches begangen worden ist, dringende Gründe für die Annahme sprechen, dass die Schwangerschaft auf der Tat beruht, und seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind.“

 

Voraussetzungen für eine kriminologische Indikation zur Abtreibung

Damit die kriminologische Indikation greift, müssen nach § 218a Absatz 3 StGB folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die schwangere Frau muss in den Eingriff einwilligen.
     
  • Die Abtreibung muss von einem Arzt durchgeführt werden.
     
  • Nach ärztlicher Erkenntnis muss an der Frau ein Sexualdelikt begangen worden sein. Zudem müssen dringende Gründe dafür sprechen, dass es dadurch zu der Schwangerschaft gekommen ist. Die Frau muss die Straftat im weiteren Verlauf jedoch nicht zur Anzeige bringen.
     
  • Es dürfen nicht mehr als zwölf Wochen seit der Empfängnis vergangen sein.

Jeder in Deutschland zugelassene Arzt ist befugt, die kriminologische Indikation zu bestätigen. Ein Gespräch mit der schwangeren Frau und die Untersuchung reichen aus, um die kriminologische Indikation festzustellen.

Das Beratungsgespräch und ein Beratungsschein, die im Normalfall für eine Abtreibung erforderlich sind, sind bei der kriminologischen Indikation nicht notwendig.

 

Schwanger durch Vergewaltigung – wenn Du selbst betroffen bist

Eine Vergewaltigung ist wohl der massivste und verletzendste Eingriff in den Körper und das Innerste einer Frau, den man sich denken kann. Von außen kann man nur erahnen, welchen Schmerz eine solche Tat auslöst.

In dieser Situation kann es guttun, sich Unterstützung und einen professionellen Ansprechpartner von außen zu suchen. Für viele Frauen ist es in dieser Zeit hilfreich, jemanden zum Reden und Zuhören zu haben; jemand, der einfach da ist.

Sehr gern kannst Du Dich an uns Beraterinnen wenden – wir sind gerne für Dich da, wenn Du das möchtest.

 

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