Schwanger und überfordert? – 5 Dinge, die jetzt helfen können

Eine Schwangerschaft bedeutet unglaublich viel: Da ist die große körperliche Umstellung für mehrere Monate. Dann ist da aber auch die langfristige Perspektive, was ein Kind alles ändern würde. Schnell können sich deshalb gerade zu Beginn einer Schwangerschaft Zweifel ausbreiten, ob man dem allem gewachsen ist. Die Schwangerschaft abzubrechen wird zur denkbaren Option. Gut ist es in jedem Fall, zu wissen, was alles gegen Überforderung in der Schwangerschaft getan werden kann.

1. Emotionale Unterstützung ist Trumpf!

Ein weit verbreitetes Vorurteil über schwangere Frauen lautet: "Die haben es ja so gewollt, sonst hätten sie verhütet. Jetzt müssen sie auch alleine schauen, wie sie zurechtkommen!" Wahrscheinlich würde keiner so reden, der selbst einmal (ungewollt) schwanger war. Denn es gibt wohl keine Schwangerschaft, in der sich nicht immer wieder das Gefühl der Überforderung einstellt.

Gut ist es da, wenn man Menschen um sich weiß, die einem emotionalen Halt geben. Menschen, bei denen man sich auch nicht schämen muss, Dinge auszusprechen wie "Ich kann mich gerade gar nicht über die Schwangerschaft freuen" oder "Ich frage mich ernsthaft, ob ich nicht besser abtreiben soll".

Diese emotionale Unterstützung finden viele schwangere Frauen bei Freunden und in der Familie. Doch je ernster sich eine Frau im Schwangerschaftskonflikt befindet, desto anstregender können Ratschläge aus dem privaten Umfeld auch werden. Eine unabhängige Sicht kann da die Pro Femina-Schwangerschaftskonfliktberatung anbieten. Diese ist kostenlos und richtet sich zeitlich und in der Art der Beratung (E-Mail, Telefon, persönlich) ganz nach den Wünschen der Schwangeren. Emotionale Unterstützung kann man sich als Schwangere aber auch im Austausch mit anderen Frauen holen, zum Beispiel in einem Forum für schwangere Frauen

 

2. Sich fallen lassen?!?

Gerade das fällt vielen Schwangeren schwer: Sich fallen lassen. Denn sie haben Angst, dass nichts beziehungsweise niemand sie auffängt, wenn sie das jetzt tun. Dabei könnte man vielleicht schon Hilfe gebrauchen:

Beim Ausfüllen von Anträgen und bei Terminen auf dem Amt. Beim Umzug, der aufgrund der Schwangerschaft nun fällig wird. Dadurch, dass sich jemand als künftige Leih-Oma zur Verfügung stellt. Oder dadurch, dass jemand als Gesprächspartner bereit steht, mit dem man bei einer Tasse Tee oder Kaffee mal in Ruhe über die neuen Herausforderungen reden kann.

Die Pro Femina-Beratung kann auf ein bundesweites Helfernetzwerk zurückgreifen, in dem Menschen ein Netz bilden, das schwangere Frauen auffängt. Wenn Sie selbst in einer solchen Situation sind und Hilfe suchen, können Sie sich hier melden.

 

3. Geduld mit sich selbst lernen

Eine Schwangerschaft, sei sie geplant oder nicht, erfordert in jedem Fall Geduld mit sich selbst und den äußeren Umständen. Da ist zum Beispiel die Geduld, die unglaubliche Nachricht "sacken zu lassen". Die Geduld mit sich, die richtige Entscheidung zu treffen, wenn man sich im Schwangerschaftskonflikt befindet.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Geduld mit sich selbst hinsichtlich der Vorfreude auf das Baby: Viel mehr Frauen als allgemein bekannt tun sich gerade hierin schwer – selbst solche, die vorher eigentlich unbedingt schwanger werden wollten. Und diese Blockade kann gerade damit zu tun haben, dass man sich eigentlich freuen, dass man gerade nichts falsch machen will. Dort, wo Vorfreude sein sollte, ist gewissermaßen Aufregung – manchmal aber auch Sorge. Dann zum Beispiel, wenn man zu einem Zeitpunkt schwanger wurde, der ganz und gar unpassend scheint.

Bei manchen Frauen stellt sich so etwas wie Vorfreude aufs Baby erst nach der Hälfte der Schwangerschaft ein. Diese Zeit sollte man sich unbedingt geben. Und: Oftmals sind es gerade ausgesprochen verantwortungsbewusste Schwangere, die sich schwer tun mit der unbeschwerten Vorfreude auf das Kind. Dieses Verantwortungsbewusstsein ist aber letztendlich eine Eigenschaft, die eine Frau als gute Mutter ausweist.

Ebenfalls nicht immer einfach ist die Geduld hinsichtlich des Sich-gewachsen-Fühlens: Das Kind darf neun Monate wachsen, ehe es zur Welt kommt. Ist es auf der Welt, so wächst es mindestens 15 oder 16 Jahre immer noch weiter. Gestehe ich dem Kind diese Zeit zum Wachsen zu? Und gestehe ich es auch mir selbst zu, dass ich genau wie das Kind an dieser Aufgabe "mitwachsen" darf?

 

4. Die "Worst case-Frage" stellen

Was ist derzeit meine größte Sorge in Bezug auf meine Schwangerschaft, und was wäre das Gegenteil dieser Sorge? Diese "Worst case-Frage" kann helfen, in die richtige Richtung zu gehen, wenne es darum geht, sich Hilfe zu holen.

Wenn das Worst case-Szenario zum Beispiel ist, dass das Baby ohne Vater aufwachsen würde (weil es in der Beziehung kriselt), könnte eine Paarberatung vielleicht helfen, dieses Risiko zu verringern. Wenn die größte Sorge ist, dass die anderen Kinder zu kurz kommen, wenn man jetzt noch eines bekommt, kann man sich bei der Hilfesuche auf eine intelligente Betreuungsstruktur fokussieren – zum Beispiel auf eine solche, in der für jedes Kind auch ganz bewusst "Mama-Zeiten" einplant sind.

Es gibt einen lustigen Postkarten-Spruch: "Ich habe viele Lösungen, suche aber noch das passende Problem!" Leider durchleben schwangere Frauen oft eher das Gegenteil. Aber etwas wahres sagt dieser Spruch schon aus: Es gibt oft viel mehr Möglichkeiten, die aktuellen Herausforderungen aktiv anzugehen, als man denkt. Und wenn man einmal selbst "den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht", kann man sich Rat holen. Die Pro Femina-Beraterinnen sind gerne für Sie da!

 

5. Sich finanziell absichern

"Das ist es ja gerade! Ich wollte mich zunächst finanziell absichern – und dann erst ein Kind!" So mag es einigen ungewollt schwangeren Frauen durch den Kopf gehen, wenn sie diesen Ratschlag lesen. Das eigentlich romantische Bild von den Vögeln, die zuerst ein Nest bauen und dann Junge hineinsetzen, kann unter diesen Umständen wie ein erhobener Zeigefinger wirken. Doch mit Zurechtweisungen und Vorwürfen ist keiner Schwangeren geholfen.

Man kann diesen Punkt aber auch anders verstehen – nämlich so, dass man sich als schwangere Frau fragt: "Wie kann ich für mich und mein Kind unter den Umständen, wie sie JETZT nun einmal sind, am besten sorgen?" Und hier gibt es tatsächlich in der Regel viel mehr Möglichkeiten, als viele Schwangere wissen:

Zum einen gibt es verschiedene staatliche Hilfen, die eine soziale Absicherung gewährleisten sollen. Zum anderen gibt es aber auch private Initativen, die im Bedarfsfall über die gesetzlichen Ansprüche hinaus gerne helfen – etwa durch eine Aufstockung zum gesetzlichen Elterngeld dazu oder durch das Gewähren zinsloser Darlehen.

Hinter solchen Hilfsangeboten stehen Stifter oder Spender, denen es am Herzen liegt, dass keine Schwangere sich aus finanziellen Gründen zu einer Abtreibung gezwungen sieht. Das Finanzielle ist bei Ihrer Schwangerschaft das Hauptproblem? Gerne können Sie sich zu Ihrer finanziellen Situation kostenfrei bei Pro Femina beraten lassen.

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