Schwanger und Drogen: Gibt es Hoffnung?

Caro* wird an der Pforte klingeln und sagen, dass sie schwanger ist. Sie wird all ihren Mut zusammen nehmen und sagen, dass sie unbedingt hier bleiben muss, weil sonst ihr Baby stirbt. Sie will ihr Baby retten, aber vorher will sie sich einen letzten „Traum verpassen“. Caro zieht fester am Gürtel. Heroin schießt durch die Nadel in Caros Blutkreislauf. Sie kauert sich in die stabile Seitenlage und legt die zweite Spritze in Reichweite. Dann denkt sie an ihr Baby und an ihr Ziel – die Notaufnahme.

Die ärztliche Behandlung von drogenabhängigen schwangeren Frauen hängt von ihrer Sucht ab. Die Schwangere sollte gegenüber ihrem Arzt unbedingt mit offenen Karten spielen. Denn oft liegen kombinierte Abhängigkeiten vor – etwa nach Heroin, Beruhigungsmitteln, Nikotin und Alkohol. Ein Arzt kann entscheiden, welche Stoffe sofort abgesetzt, welche durch andere ersetzt oder welche gar kontrolliert weiter genommen werden sollten.

Allgemein gilt: Während der Schwangerschaft sollte man komplett auf Drogen verzichten, da der Blutkreislauf des Kindes an den der Mutter angeschlossen ist. Sowohl illegale Drogen als auch legale Genussmittel wie Alkohol und Tabak schaden dem Embryo. Die Schäden sind weitaus gravierender als für den erwachsenen Organismus, da sich der kindliche Organismus im Mutterleib erst entwickelt und ausprägt.

Egal ob legale Suchtstoffe oder verbotene Substanzen wie Cannabis, Ecstasy, Amphetamine, Kokain oder Crack eingenommen werden: Wer die Absicht hat, schwanger zu werden, oder wer von seiner Schwangerschaft erfährt, sollte den Drogenkonsum sofort einstellen und im Falle einer Abhängigkeit dringend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Bei einer Abhängigkeit von Opiaten wie Heroin untersuchen Ärzte von Fall zu Fall, ob das abrupte Absetzen der Droge („kalter Entzug“) dem Embryo womöglich mehr schadet als eine kontrollierte weitere Einnahme. Oft wird daher ein Umstieg auf einen heroinähnlichen Ersatzstoff, sogenannte Substitutionsmedikamente, empfohlen.

Fragen zum Thema oder Beratung erwünscht? Hier geht es zur Pro Femina-Beratung für Schwangere in Not.

 

„Ich habe aber nicht gewusst, dass ich schwanger bin. Was ist nun mit meinem Kind?“

Häufig erreichen die Pro Femina-Beraterinnen Anfragen von Frauen, die zu spät bemerkt haben, dass sie schwanger sind: Frauen, die in den Wochen vor ihrem positiven Schwangerschaftstest ohne Bedenken Alkohol und Tabak oder illegale Substanzen konsumiert haben, und nun in großer Sorge um die Gesundheit ihres Kindes sind.

In der Regel können die Beraterinnen Entwarnung geben und die Schwangere über das Alles-oder-Nichts-Prinzip in den ersten Schwangerschaftswochen aufklären:

Bevor sich die Eizelle in die Gebärmutter eingenistet hat, also in den ersten Tagen einer Schwangerschaft, wird der Embryo noch nicht über den Blutkreislauf der Mutter versorgt. In dieser Zeit kann es aus verschiedenen Gründen sein, dass die befruchtete Eizelle sich nicht weiter teilt und abgeht – oftmals auch verbunden mit einer kleinen Blutung. Geht die befruchtete Eizelle aber nicht ab, so heißt das, dass auch eine eventuelle Zellschädigung repariert werden konnte. Dieses Alles-oder-nichts-Prinzip gilt in den ersten 14 Tagen.

Fragen zum Thema oder Beratung erwünscht? Hier geht es zur Pro Femina-Beratung für Schwangere in Not.

 

Wie schädlich sind folgende Drogen und Genussmittel für den Embryo?

Alkohol-Konsum in der Schwangerschaft

Mutter und Kind haben denselben Blutkreislauf und nach dem Konsum von Bier, Wein oder Schnaps auch denselben Alkoholspiegel. Der embryonale Organismus baut Alkohol langsamer ab als ein ausgewachsener Mensch, weshalb der Alkoholspiegel beim Embryo länger erhöht ist und die schädliche Wirkung des Alkohols entsprechend länger anhält. Die Folge von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft können körperliche, neuronale und psychische Fehlentwicklungen und Entwicklungsstörungen sein. Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Alkohol in der Schwangerschaft.

 

Tabak-Konsum in der Schwangerschaft

Nikotin ist ein Nervengift, das den gesamten Organismus des ungeborenen Kindes angreift. Die neuronalen Schäden zeigen sich Studien zufolge in einer statistisch belegbaren Häufung von Früh- und Fehlgeburten, von vergleichsweise geringerem Geburtsgewicht sowie in einem erhöhten Risiko für schwere Erkrankungen während der Kindheit. Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Rauchen in der Schwangerschaft.

 

Cannabis in der Schwangerschaft

Im Gegensatz zum Alkohol- und Tabakkonsum sind gesundheitliche Auswirkungen des Cannabiskonsums auf den Embryo durch Studien nur unzureichend belegt. Dennoch sprechen folgende Punkte dafür, während der Schwangerschaft gänzlich auf Marihuana und andere Cannabisprodukte zu verzichten:

1. Dass es kaum Studien zur negativen Auswirkung von Cannabis auf Embryos gibt, heißt nicht, dass gesundheitliche Schäden ausgeschlossen werden können.

2. Illegal beschaffte Drogen sind häufig gestreckt, um den Profit der Zwischenhändler zu steigern. In Cannabis wird zum Beispiel häufig Blei nachgewiesen. Entstehende Bleidämpfe schädigen den Embryo.

3. Da Cannabis meist Tabak beigemischt wird, gelten dieselben Risiken wie beim Tabakkonsum. Beim Verbrennen von Cannabis entstehen eine ganze Reihe ähnliche und weiterer Giftstoffe wie beim normalen Rauchen.

4. Es ist naheliegend, dass gesundheitliche Risiken beim Rauchen von Joints, die für Erwachsene wahrscheinlich sind, erst recht das sich gerade erst entwickelnde Gehirn und das gesamte neuronale System des Embryos betreffen.

 

Schlaf- und Beruhigungsmittel in der Schwangerschaft

Wenn die Mutter regelmäßig zu Schlaftabletten greift, ist für den heranwachsenden Embryo die Versorgung mit den beruhigenden Substanzen oder Schlafmitteln normal. Er ist also in seiner Entwicklung auf die Verfügbarkeit dieser Stoffe ausgerichtet. Fallen nach der Geburt die Beruhigungsmittel weg, kann es zu teils heftigen Entzugserscheinungen kommen. Das Neugeborene zittert stark, erbricht sich, hat Durchfall oder erleidet epileptische Anfälle. Auch langfristige körperliche und geistige Schäden sind nicht auszuschließen. Unter ärztlicher Kontrolle können Ersatzmedikamente und Dosierungen jedoch so eingestellt werden, dass die Belastung für das Kind so gering wie möglich bleibt.

 

Schwanger und Drogen: Ja, es gibt Hoffnung!

Wir haben gesehen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, die gesundheitllichen Risiken für das ungeborene Baby geringer zu machen, wenn seine Mutter Drogen genommen hat oder nimmt. Die gute Botschaft ist also, dass es für schwangere Mütter, die in der Frühschwangerschaft oder darüber hinaus Drogen genommen haben oder sogar drogenabhängig sind, Hoffnung gibt. Eine gute Schwangerenberatung beziehungsweise Schwangerschaftskonfliktberatung nimmt diese Frauen mit ihren Problemen und Sorgen, aber auch mit ihren Träumen und Hoffnungen, genauso ernst wie jede andere Frau auch. Die Pro Femina-Beraterinnen sind gern für Sie da! 

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*Namen und Beratungsfälle sind Erfahrungen aus unserem Beratungsalltag nachempfunden. Es handelt sich um fiktive Personen in beispielhaften Situationen.

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