Vaterschaftsanerkennung

Vaterschaftsanerkennung
zuletzt aktualisiert: 22.10.2020

Wer gilt als Vater des Kindes und wie kann die Vaterschaft anerkannt werden?

Wann ist eine Vaterschaftsanerkennung notwendig und welche Folgen hat sie? Was, wenn der leibliche Vater die Vaterschaft nicht anerkennen will? Oder wenn Du als Mutter nicht möchtest, dass er als Vater anerkennt wird – er aber schon? Antworten darauf findest Du in diesem Artikel.

 

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Wann muss ich die Vaterschaft anerkennen lassen?

Eine Vaterschaftsanerkennung ist notwendig/sinnvoll, wenn…

  • Du als schwangere Frau mit dem biologischen Vater des Kindes nicht verheiratet bist,
  • Du aber möchtest, dass er als Vater bekannt ist – mit allen Rechten und Pflichten.

Eine Vaterschaftsanerkennung ist nicht notwendig, wenn…

  • Du mit dem biologischen Vater des Kindes verheiratet bist, weil Dein Ehemann automatisch als Vater gilt.
  • Du nicht möchtest, dass der Vater des Kindes bekannt ist.

Wenn Du Dich fragst, ob Du den Vater des Kindes überhaupt angeben möchtest, interessiert Dich vielleicht dieser Artikel: Muss ich den Vater meines Kindes angeben?


Wer gilt als Vater des Kindes?

Nach deutschem Gesetz gibt es zwei verschiedene Definitionen von Vaterschaft. Diese erklären, warum manchmal eine Vaterschaftsanerkennung notwendig und sinnvoll ist und manchmal nicht:

  1. Der biologische Vater: Das ist der Mann, der das Kind gezeugt hat.

  2. Der gesetzliche Vater: Wenn die Frau verheiratet ist, gilt ihr Ehemann automatisch als Vater des Kindes. Auch wenn er das Kind nicht gezeugt hat, wird er in die Geburtsurkunde als Vater eingetragen. Wenn die Frau nicht verheiratet ist, ist eine Anerkennung der Vaterschaft notwendig, damit Vater und Kind ihre Rechte Pflichten füreinander wahrnehmen können. 

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Welche Folgen hat eine Vaterschaftsanerkennung?

Durch die Anerkennung der Vaterschaft entstehen für das Kind bestimmte Ansprüche dem Vater gegenüber:

  • Unterhalt
  • Erbanspruch und Familienversicherung
  • Recht auf Umgang mit dem Vater

Unterhalt

Vater und Kind sind füreinander unterhaltspflichtig. Das heißt, dass der Vater Unterhalt für das Kind zahlen muss. Die Unterhaltspflicht dauert bis zur Volljährigkeit des Kindes, bzw. solange es in Ausbildung ist und noch im Haushalt der Eltern lebt.

Auch das Kind kann dem Vater gegenüber unterhaltspflichtig werden, sobald es volljährig ist.

Erbanspruch und Familienversicherung

Durch die Vaterschaftsanerkennung ist das Kind seinem Vater gegenüber erbberechtigt und kann im Todesfall Waisenrente erhalten. Außerdem ist eine Familienversicherung über den Vater möglich.

Umgangsrecht

Das Kind hat ein Recht auf Umgang mit seinem Vater – also mit dem Mann, dessen Vaterschaft anerkannt wurde.

Die Vaterschaftserklärung an sich hat jedoch keine unmittelbaren Folgen für das Sorgerecht. Wenn die Eltern sich das Sorgerecht für das Kind teilen möchten, dann müssen sie noch zusätzlich eine gemeinsame Sorgerechtserklärung abgeben. Im Artikel Sorge- und Umgangsrecht findest Du nähere Informationen über die Unterscheidung zwischen Umgang und Sorge.

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Wie funktioniert eine Vaterschaftsanerkennung?

Die Vaterschaft kann entweder vor oder nach der Geburt des Kindes anerkannt werden. Sie muss freiwillig erfolgen und in öffentlicher Form beurkundet werden. Diese Beurkundungen sind beim Standesamt, beim Jugendamt, beim Amtsgericht oder bei einem Notar möglich. Vater und Mutter müssen persönlich dort hingehen.

Ist einer der Elternteile selber noch minderjährig, müssen die gesetzlichen Vertreter (in der Regel die eigenen Eltern, also die Großeltern des Kindes) der Vaterschaftsanerkennung zustimmen und diese beurkunden lassen.

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Er will die Vaterschaft nicht anerkennen

Wenn der biologische Vater des Kindes die Vaterschaft nicht anerkennen will, kann sie gerichtlich festgestellt werden. Du kannst als Mutter in diesem Fall vor dem zuständigen Familiengericht im Namen des Kindes Klage auf Vaterschaftsfeststellung erheben.

Warum im Namen des Kindes? – Weil bei der Vaterschaftsanerkennung nach dem Wunsch des Gesetzgebers immer das Wohl des Kindes im Fokus steht. Das Kind hat ein Recht darauf, seine Abstammung zu kennen und Kontakt zu seinem Vater zu haben.

 

Wie wird die Vaterschaft festgestellt?

Die Vaterschaft wird meistens durch ein serologisches Gutachten festgestellt, das ist ein Vaterschaftstest durch die Untersuchung bestimmter Blutbestandteile. Eine andere Möglichkeit ist eine DNA-Analyse. Ein heimlicher Vaterschaftstest (der ohne Wissen des Vaters durchgeführt wurde) ist als Beweismittel nicht zulässig.

 

Unterstützung bei der Vaterschaftsfeststellung

Als Mutter des Kindes kannst Du Dich für die Vaterschaftsklage an das Jugendamt wenden und dort rechtlichen Beistand anfordern. Der Beistand ist eine Person vom Jugendamt, die sich für die Rechte des Kindes einsetzt und Dich bei der Vaterschaftsfeststellung unterstützt.

Dieser Beistand setzt sich meist zeitnah mit dem biologischen Vater des Kindes in Verbindung, nachdem Du den Namen des Vaters mitgeteilt hast. Wenn der Aufenthalt des Vaters nicht bekannt ist, wird der Beistand zunächst seinen Aufenthaltsort ermitteln.

Falls der Vater auch auf Anfrage des Jugendamtes die Vaterschaft nicht freiwillig anerkennen möchte, kann der Beistand selbst vor dem zuständigen Familiengericht im Namen des Kindes Klage auf Vaterschaftsfeststellung erheben. In diesem gerichtlichen Verfahren wird das Kind dann von ihm vertreten.

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Vaterschaftsanerkennung: Gegen den Willen der Mutter möglich?

Nach §1595 BGB muss die Mutter grundsätzlich in die Vaterschaftsanerkennung einwilligen.

Der biologische Vater des Kindes kann jedoch ebenfalls Klage auf Vaterschaftsfeststellung beim Familiengericht erheben. Solange es noch keinen gesetzlichen Vater gibt, besteht für diese Klage keine Frist. Beweismittel ist wiederum ein Abstammungsgutachten (umgangssprachlich meist als Vaterschaftstest bezeichnet), welches vom Gericht angeordnet wird, sofern es nicht bereits vorhanden ist.

Wenn in diesem Prozess die Vaterschaft gerichtlich festgestellt wird, gilt der biologische Vater auch als gesetzlicher Vater – mit allen Rechten und Pflichten.

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Verheiratet und schwanger von einer Affäre – Vaterschaft regeln

Wenn Du als Mutter des Kindes zum Zeitpunkt der Geburt verheiratet bist, ist zunächst Dein Ehemann als Vater im gesetzlichen Sinne. Das gilt auch, wenn das Kind von einem anderen Mann ist.

 

Kann der Ehemann die Vaterschaft anfechten?

Falls der Ehemann berechtigte Zweifel daran hat, der biologische Vater des Kindes zu sein, kann er die Vaterschaft anfechten.

Allerdings muss er das innerhalb von zwei Jahren tun. Diese zweijährige Frist beginnt mit dem Moment, in dem der gesetzliche Vater den ersten begründeten Zweifel an seiner Vaterschaft hat (z.B. wenn er erfährt, dass seine Frau fremdgegangen ist). Lässt er diese Frist verstreichen, hat er keine Möglichkeit mehr, die Vaterschaft anzufechten.

Für die Klage beim Familiengericht benötigt er stichhaltige Beweise (z.B. den Beweis, dass er zum Zeugungszeitpunkt keinen sexuellen Verkehr mit seiner Frau hatte), sonst wird seine Klage abgewiesen. Wird die Klage zugelassen, ordnet das Gericht die Erstellung eines Abstammungsgutachtens an. Dadurch wird die Vaterschaft festgestellt.

 

Kann der biologische Vater die Vaterschaft einfordern?

Vielleicht möchte der biologische Vater des Kindes selbst als gesetzlicher Vater anerkannt werden. Was dann?

Eine Vaterschaft kann generell nicht anerkannt werden, wenn bereits eine Vaterschaft besteht. In diesem Fall heißt das konkret: Der biologische Vater kann seine Vaterschaft nicht anerkennen lassen, weil der (zum Zeitpunkt der Geburt) mit der Mutter verheiratete Mann bereits als der gesetzliche Vater des Kindes gilt.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann der biologische Vater die Vaterschaft aber dennoch anfechten:

  1. Das Kind hat zu dem gesetzlichen Vater keine sozial-familiäre Bindung* oder die Mutter und der gesetzliche Vater des Kindes leben in Scheidung.

  2. Der biologische Vater muss versichern können, dass er zum Zeugungszeitpunkt mit der Mutter Geschlechtsverkehr hatte.

  3. Für die Anfechtungsklage gilt eine Frist von zwei Jahren ab der Geburt des Kindes oder von dem Moment an, in dem der Kläger die berechtigte Vermutung hat, der biologische Vater des Kindes zu sein. Nach Ablauf der Frist ist keine Anfechtung mehr möglich.

* Sozial-familiäre Bindung bedeutet, dass der gesetzliche Vater tatsächlich Verantwortung für das Kind trägt. Davon geht man aus, wenn er mit der Mutter des Kindes verheiratet ist oder schon seit längerer Zeit in einem Haushalt mit dem Kind zusammenlebt. Liegt diese Bindung vor, ist zum Schutz des Kindes keine Anfechtung möglich. Denn dann geht man davon aus, dass das Kind in einer intakten Familie lebt, und das soll nicht gefährdet werden. Gleiches gilt, wenn der gesetzliche Vater bereits verstorben ist, das Kind aber bis zu dessen Tod eine sozial-familiäre Bindung zu ihm hatte.

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Schwanger und die Beziehung ist kompliziert

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