Spätabtreibung: Ablauf

Spätabtreibung: Ablauf

 

 

Bei einer Spätabtreibung wird das Kind nach Verabreichung von Wehenmitteln (Prostaglandine) als Totgeburt zur Welt gebracht. Dieser künstlich herbeigeführte Geburtsvorgang dauert erfahrungsgemäß 10-24 Stunden.

Bis ca. zur 20. Schwangerschaftswoche stirbt das Kind während des künstlich begonnenen Geburtsvorgangs. Ist das Kind außerhalb des Mutterleibs überlebensfähig (ca. ab der 22. Schwangerschaftswoche), wird das Kind zuerst im Mutterleib getötet und dann geboren. Die Tötung erfolgt in der Regel durch eine Kaliuminjektion in das Herz des Kindes, welches dadurch zu schlagen aufhört.

Wenn eine Krankheit beim Kind nach der 12. Schwangerschaftswoche diagnostiziert wird, kann der Arzt feststellen, dass es für die Schwangere ein lebensgefährliches Risiko gibt, wenn sie die Schwangerschaft nicht beendet – z.B. schwerwiegende psychische Probleme. Zwischen ärztlicher Konsultation und Einleitung des Abbruchs ist bei der Spätabtreibung eine Bedenkzeit von 3 Tagen gesetzlich vorgeschrieben.

Eine Spätabtreibung birgt für die Schwangeren besondere psychische Risiken:

  1. Die emotionale Bindung zum heranwachsenden Kind steigt in der Regel im Laufe der Schwangerschaft. Dementsprechend wahrscheinlich ist es, dass sich im Anschluss an eine Spätabtreibung Trauer- und Verlustgefühle bei der Schwangeren einstellen.
  2. Bei der Spätabtreibung wird das Kind im Mutterleib getötet und anschließend auf natürlichem Wege tot geboren. Die Mutter muss aktiv an der Geburt des toten Kindes mitwirken. Die physische und psychische Belastung, die mit diesem Vorgang verbunden ist, kann für die Frau zum Trauma werden.
Besonders bekannt ist im deutschsprachigen Raum der Fall von Tim, einem Jungen mit Down-Syndrom, der seine eigene Spätabtreibung überlebte und jetzt bei einer Pflegefamilie wohnt:

Das schwere Erlebnis einer Spätabtreibung kommt auch bei dieser Schilderung gut zum Ausdruck:

„Als das Kind nach fast 22 Stunden endlich auf der Welt war, wickelte die Hebamme es vorsichtig in ein Tuch. Sie legte das Mädchen in ein Körbchen und gab es dem Vater. Alina hatte einen Flaum schwarzer Haare, und ihr Näschen sah aus wie das ihrer großen Schwester. Ihre Füße waren winzig, kaum drei Zentimeter lang. Heiko W. betrachtete seine Tochter, die in seinen beiden großen Händen Platz hatte. Die Hebamme notierte das Gewicht, 658 Gramm, und die Geburtsstunde: 14.45 Uhr. Dann nahm sie ein Stempelkissen und machte Abdrücke von Alinas Händen und Füßen. Sie klebte sie in eine Erinnerungskarte und schrieb dazu: ‚Ein Engel kam – und kehrte um.‘

Alina war tot. Sie starb während der Geburt und unter ärztlicher Aufsicht in einer süddeutschen Frauenklinik, nachdem ihre Mutter ein Wehen auslösendes Medikament bekommen hatte. Alina war in der 24. Woche, ein Alter, in dem Frühchen dank modernster Medizintechnik überleben könnten. Aber Alina wurde abgetrieben.“

– Aus: Spätabtreibung: „Es war doch schon ein Mensch“. Erschienen am 26. Oktober 2008 auf Stern.de

 

 

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