Schwanger trotz Spirale

Schwanger trotz Spirale
Geschrieben von: Jeanette, Psychologin · zuletzt aktualisiert: 18.11.2020

Wieso kann man trotz Spirale schwanger werden? 

Die Spirale gilt als sicheres Verhütungsmittel. Dennoch ist eine Schwangerschaft trotz Spirale nicht ausgeschlossen. Warum eine Frau auch mit Spirale schwanger werden kann, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist und was Du tun kannst, wenn Du Dich selbst in einer solchen Situation wiederfindest, liest Du hier.

Tipps für Dich:

 

Wahrscheinlichkeit

Grundsätzlich kann man bei der Verwendung aller Arten der Spirale trotzdem schwanger werden. Wir werden nachfolgend auf die Ursachen und die Wahrscheinlichkeit bei folgenden Formen der Spirale eingehen:

  • Kupferspirale
  • Kupferkette (Handelsname Gynefix®)
  • Kupferball
  • Goldspirale
  • Hormonspirale (Handelsnamen Mirena® , Jaydess® und Kyleena®).

Als Maß für die Wahrscheinlichkeit, trotzdem schwanger zu werden, verwenden wir den Pearl-Index. Raymund Pearl, der den Begriff geprägt hat, war ein amerikanischer Biologe. Mit dem Pearl-Index wird gemessen, wie viele Frauen trotzdem schwanger werden, obwohl sie zwölf Monate lang mit einer bestimmten Methode verhütet haben.

 

Schwanger trotz Kupferspirale

Der Pearl-Index liegt bei der Kupferspirale bei ca. 0,3 bis 0,8. Das heißt: Von 1000 Frauen, die die eine Kupferspirale verwenden, werden drei bis acht innerhalb eines Jahres trotzdem schwanger.

 

Schwanger mit Kupferkette

Für die Kupferkette liegt der Pearl-Index bei 0,1 bis 0,5. Von 1000 Frauen, die mit einer Kupferkette verhüten, werden eine bis fünf trotzdem schwanger.

 

Schwanger mit Kupferball

Für den Kupferball gibt es bislang keine abgeschlossenen Studien zur Sicherheit. Es wird von einem ähnlichen Pearl Index wie bei der Kupferspirale bzw. -kette ausgegangen. Laut Herstellerangaben liegt der Pearl-Index bei 0,5 bis 0,7. Das bedeutet von 1000 Frauen werden fünf bis sieben Frauen trotz Kupferball schwanger.

 

Hormonspirale und trotzdem schwanger

Der Pearl-Index für die Hormonspirale beträgt 0,16. Das bedeutet, von 1000 Frauen werden ein bis zwei Frauen auch mit einer Hormonspirale schwanger.

 

Schwanger trotz Goldspirale

Hier beträgt der Pearl-Index 0,3 - 0,7. Von 1000 Frauen, die mit einer Goldspirale verhüten, werden demnach drei bis sieben trotzdem schwanger.

 

Ursachen – 4 mögliche Gründe

Wir stellen Dir hier 4 mögliche Gründe für eine Schwangerschaft trotz Spirale vor.

 

1. Die Spirale war zu lange in der Gebärmutter

In der Regel und je nach Modell kann eine Kupferspirale bis zu drei oder zehn Jahren in der Gebärmutter bleiben. Anschließend ist der Vorrat an Kupfer-Ionen aufgebraucht, die sowohl auf die Spermien als auch die Schleimhaut in der Gebärmutter einen Einfluss haben und dadurch eine Schwangerschaft verhindern.

Das gilt auch für die Kupferkette und den Kupferball, die jeweils bis zu fünf Jahren in der Gebärmutter bleiben und wirken können.

Die Hormonspirale kann, je nach Modell, drei bis fünf Jahre in der Gebärmutter bleiben. Nach dieser Zeit ist das künstliche Sexualhormon Gestagen aufgebraucht, durch das sowohl die Spermien als auch die Gebärmutterschleimhaut beeinflusst werden.

 

2. Hormon- oder Kupferspirale (bzw. Kupferkette) verrutscht

Durch Rückholfäden, die bis in die Scheide hineinragen, kann der Sitz der Spirale kontrolliert werden. Sind die Fäden z.B. nicht mehr zu spüren, kann es sein, dass die Spirale in den Gebärmutterhals hochgerutscht ist. Wenn die Rückholfäden länger sind als gewöhnlich, kann die Spirale nach unten gerutscht sein.

Das Risiko, dass die Kupferspirale verrutscht, liegt bei ein bis drei Prozent. Etwa alle sechs Monate kontrolliert deshalb der Frauenarzt in der Regel die Lage der Spirale mit einer Ultraschalluntersuchung. Wenn die Spirale nicht mehr richtig sitzt, kann es zu einer Schwangerschaft kommen.

 

3. Mit der Menstruation ausgestoßen

Tatsächlich können Hormon- und Kupferspiralen (ebenso Kupferketten oder Kupferbälle) mit der Menstruation auch ganz ausgestoßen werden, ohne dass man es merkt.

Die Wahrscheinlichkeit dafür ist besonders in den ersten Monaten hoch, nachdem die Spirale eingesetzt wurde: Bei 0,5 bis zehn Prozent der Frauen – besonders jungen Frauen – geschieht das. Wurde die Spirale nach der Geburt eingesetzt, ist die Wahrscheinlichkeit noch einmal höher: Zwölf bis 31 Prozent der Frauen verlieren die Spirale, ohne das zu bemerken.

Sind die Rückholfädchen nicht mehr zu spüren oder ist die Menstruation plötzlich stärker als sonst, können das Anzeichen dafür sein, dass die Spirale ausgestoßen wurde.

 

4. Materialfehler und Größe

Durch Materialfehler kann eine Spirale brechen, sodass sie nicht mehr richtig in der Gebärmutter liegt.

Zudem muss der Arzt die richtige Größe der Spirale auswählen. Dazu stellt er die Größe, Form und Lage der Gebärmutter fest. Wird die falsche Spiralen-Größe ausgewählt, kann es ebenfalls dazu kommen, dass die Spirale nicht richtig sitzt.

 

Bin ich schwanger trotz Spirale?

„Wie bemerkt man eine mögliche Schwangerschaft trotz Spirale? Welche Schwangerschaftsanzeichen kann es trotz Spirale geben?“ Vielleicht stellst Du Dir momentan genau diese Fragen. Womöglich ist Deine Periode trotz Spirale überfällig?

Nun ist es ratsam, in Ruhe zunächst zu überlegen, was Dich vermuten lässt, schwanger zu sein.

  • 🤢 Spürst Du bereits typische Anzeichen einer Schwangerschaft trotz Spirale? Es kann Dich vielleicht entlasten, dass auch typische Schwangerschaftssymptome wie Übelkeit oder ein Ziehen im Bauch nicht zwingend bedeuten, dass Du tatsächlich schwanger bist.

     
  • 🩸Bleibt Deine Periode gerade aus, obwohl sie zuvor regelmäßig kam? Auch das muss noch kein sicheres Anzeichen für eine Schwangerschaft sein. Denn die Hormonspirale greift in den Zyklus ein, sodass die Blutungen unregelmäßig werden oder ganz ausbleiben können. Außerdem ist der weibliche Zyklus sensibel und auch Faktoren wie z.B. Stress oder Medikamente können einen Einfluss haben.

     
  • 🤒 Eileiterschwangerschaft? Es ist auch möglich, dass es zu einer Schwangerschaft gekommen ist, sie aber nicht intakt ist. Denn die Wahrscheinlichkeit für eine Eileiterschwangerschaft ist mit der Spirale, besonders der Hormonspirale, höher als ohne. Schmierblutungen und Schmerzen im Unterleib könnten Hinweise darauf sein, dass es trotz Spirale zu einer Eileiterschwangerschaft gekommen ist. Schnellst­mög­lich solltest Du das beim Arzt abklären lassen.

 

3 Tipps für Dich:

  1. Wir würden Dir wünschen, dass Du nun erst einmal etwas zur Ruhe kommen und Dich sammeln kannst. Denn selbst wenn sich eine Schwangerschaft tatsächlich bestätigen sollte, hast Du noch Zeit, um einen kleinen Schritt vor den anderen zu setzen.

     
  2. Mach gern den Online-Schwangerschaftstest! Eine Beraterin schätzt individuell Deine Befürchtungen und Symptome ein und Du erhältst zeitnah eine schriftliche Rückmeldung. Wenn Du möchtest, kannst Du dann auch schnell und unkompliziert mit einer Beraterin in Kontakt treten und Deine Fragen, Sorgen und Ängste besprechen.

     
  3. Du kannst auch trotz Spirale einen normalen Urin-Schwangerschaftstest machen und Dir dadurch erste Gewissheit verschaffen! Im Artikel „Wie funktioniert ein Schwangerschaftstest?“ findest Du Infos darüber, wann und wie Du ihn korrekt machen kannst.

 

Ungeplant schwanger trotz Spirale – was nun?

Vielleicht hast Du jahrelang problemlos mit der Spirale verhütet und mit der Nachricht einer Schwangerschaft überhaupt nicht gerechnet. Der Schock kann im ersten Moment tief sitzen und einen Sturm an Gedanken, Fragen, Gefühlen aufkommen lassen.

Wir haben 4 Tipps für Dich, wie Du mit der Situation umgehen kannst und was nächste Schritte sein könnten.

 

1. 👩‍⚕️ Zum Arzt gehen und die Spirale entfernen lassen.

Die Spirale sollte bei einer Schwangerschaft so schnell wie möglich vom Arzt entfernt werden, wenn sie noch in dir ist. Ansonsten kann es zu Komplikationen kommen – es können dadurch Infektionen entstehen. Außerdem können die Hormone dem Kind schaden und das Risiko für Fehlgeburten ist erhöht.

Egal, ob Du Dich am Ende also für das Kind entscheidest oder nicht: Es ist ratsam, die Spirale ziehen zu lassen.

Wichtig: Solltest Du nach dem Entfernen der Spirale das Kind behalten, ist das Risiko für Fehlbildungen bei Deinem Kind im Vergleich zu einer Schwangerschaft ohne Spirale nicht erhöht!

 

2. 🕰 Zeit für Dich und Deine Entscheidung

Bis sich die Nachricht einer ungeplanten Schwangerschaft gesetzt hat, braucht es erfahrungsgemäß einiges an Zeit. Es ist ratsam, den inneren Sturm erst einmal wieder zur Ruhe kommen zu lassen und die Gedanken und Gefühle zu ordnen. So kannst Du Schritt für Schritt herausfinden, welcher Weg Deinem Herzen entspricht.

 

3. 👤 Austausch mit anderen betroffenen Frauen

Mit all Deinen Sorgen und Ängsten bist Du nicht alleine. Immer wieder berichten uns Frauen von ihren Erfahrungen und Sorgen, trotz der Spirale schwanger zu sein.

In unserem Forum kannst Du nachlesen, wie es anderen Frauen ergangen ist, die ebenfalls ungeplant schwanger geworden sind. Vielleicht würde es Dir auch helfen mit anderen Frauen in Kontakt zu kommen und über Deine Sorgen und Ängste zu schreiben?

 

4. 👩‍💻Begleitung durch eine Beraterin

Gerne kannst Du auch mit einer von uns erfahrenen Beraterinnen in Kontakt treten. Wir nehmen uns Zeit, um mit Dir gemeinsam nach guten Wegen zu suchen.

Folgende Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme hast Du:

 

Fakten über die Spirale

Hier haben wir einige interessante Fakten über die verschiedenen Arten der Spirale für Dich zusammengestellt!

 

Kupferspirale

  • Die Kupferspirale wird direkt vom Gynäkologen in die Gebärmutterhöhle eingesetzt.
  • Liegt oder erfolgt etwas innerhalb der Gebärmutter, nennt man das intrauterin (Intra = innerhalb, Uterus = Gebärmutter). Deshalb wird die Spirale auch Intrauterinpessar genannt.
  • Von den Intrauterinpessaren wird die Kuperspirale am häufigsten verwendet.
  • Die Kuperspirale ist t-förmig und besteht neben einem Kupferdraht aus Plastik. Hormone enthält sie nicht. Der empfängnisverhütende Effekt kommt dadurch zustande, dass das Kupfer Ionen abgibt, die einen schädigenden Effekt auf die Spermien haben. Aber auch auf die Schleimhaut in der Gebärmutter und im Muttermund haben die Kupferionen Einfluss und verändern sie, sodass sich eine bereits befruchtete Eizelle nicht einnisten kann.
  • Die Lage der Spirale kann von der Frau selbst jederzeit mit Hilfe von Rückholfäden, die in die Scheide hineinragen, kontrolliert werden.


 

Kupferball

  • Weil auch der Kupferball direkt vom Frauenarzt in die Gebärmutterhöhle eingesetzt wird, nennt man ihn auch “Intrauterinball“.
  • Er zählt wie die Kupferspirale zur hormonfreien Verhütung.
  • Der Kupferball besteht aus einem Draht mit Kupferkügelchen, der von Kunststoff umgeben ist. Der Draht wird durch eine spezielle Einführungshilfe in die Gebärmutter eingelegt und nimmt in der Gebärmutter wieder seine ursprüngliche Form eines Balls an.
  • Die abgegebenen Kupfer-Ionen haben einen einschränkenden Effekt auf die Spermien und auch auf die Gebärmutterschleimhaut, sodass sich bereits befruchtete Eizellen nicht einnisten können.

 

Kupferkette

  • Die Kupferkette mit dem Handelsnamen Gynefix® besteht aus einem Nylonfaden, auf dem mehrere kleine Kupferröhrchen aufgezogen sind. Der Faden wird mit einer speziellen Einführungshilfe in der Muskulatur der Gebärmutterwand mit einem Knötchen befestigt, damit die Kupferkette in der Gebärmutter bleibt.
  • Die Wirkung erfolgt wie bei der Kupferspirale: Durch die von den Röhrchen abgegebenen Kupfer-Ionen wird die Befruchtungsfähigkeit der Spermien eingeschränkt. Auch die Schleimhaut in der Gebärmutter und im Muttermund ändert sich, sodass sich die Eizelle nicht einnisten kann, sollte es zu einer Befruchtung gekommen sein.

 

Goldspirale

Genau genommen ist die Goldspirale eine Kupferspirale, deren Kern jedoch aus Gold besteht. Während die Wirkung gleich wie bei der Kupferspirale ist, verhindert der Goldkern, dass der Kupferdraht vorzeitig abgenutzt wird. Dadurch wird sie länger haltbar.


Die Hormonspirale

  • Wie der Name bereits verrät, handelt es sich bei der Hormonspirale um ein hormonelles Verhütungsmittel. Sie wird auch Intrauterin-System genannt (Intra = innerhalb, Uterus = Gebärmutter).
  • Hormonspiralen sind t-förmig und bestehen aus einem Kunststoffkörper. Sie werden vom Gynäkologen in die Gebärmutter eingesetzt.
  • Die Intrauterin-Systeme enthalten das Hormon Gestagen, das täglich und in geringen Mengen in die Gebärmutter abgegeben wird. Dadurch kommt es zu einer Verdickung des Zervixschleims am Gebärmutterhals, wodurch Spermien nicht mehr hineingelangen sollen. Zusätzlich werden die Spermien in ihrer Bewegungs- und Befruchtungsfähigkeit gehemmt. Auch die Gebärmutterschleimhaut wird nur vermindert aufgebaut, sodass die Einnistung einer eventuell befruchteten Eizelle nicht möglich ist.

 

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