Schwanger – er will das Kind nicht

Schwanger – er will das Kind nicht
zuletzt aktualisiert: 26.11.2020

4 Gründe, warum viele Männer so reagieren, und Tipps, wie Du als Frau damit umgehen kannst

 

Schwanger, aber der Mann will das Kind nicht – er will, dass ich abtreibe.

Aus unserer Beratungserfahrung mit zuletzt über 15.000 beratenen Frauen pro Jahr wissen wir, dass etwa 30 Prozent aller Frauen, die über eine Abtreibung nachdenken, dies tun, weil sie vom Partner beziehungsweise Vater des Kindes zu Beginn der Schwangerschaft nicht genügend Unterstützung oder sogar Druck in Richtung einer Abtreibung erfahren.

Warum reagieren viele Männer so? Wird seine Haltung so ablehnend bleiben? Und wie kannst Du als Frau mit dieser Situation umgehen?

Unser Tipp: ⚖️ "Abtreiben – ja oder nein?" – zum Abtreibungstest

 

Schwanger, aber er will das Kind nicht

Vermutlich hattet Ihr die Schwangerschaft nicht geplant, und das kann zunächst einmal beide in Schock versetzen: Dich und ihn.

Eigentlich bräuchten die meisten Frauen, wenn sie unerwartet schwanger sind, vor allem Stabilität und Zuversicht von ihrem Partner. Sie würden sich wünschen, dass er sie in den Arm nimmt und sagt: „Wir schaffen das“. Doch viele Männer reagieren in einer solchen Situation zunächst ablehnend und mitunter sehr heftig.

Womöglich sagt Dein Freund/Mann/der Vater des Kindes, dass er zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Kind will. Immer wieder berichten Frauen, dass im Streit sogar solche Sätze fallen: „Du musst Dich entscheiden – ich oder das Kind“, oder: „Wenn Du Dich für dieses Kind entscheidest, bin ich weg“.

Diese Vorstellung, ein Kind eventuell ohne Unterstützung des Partners zu bekommen, macht den meisten Frauen – verständlicherweise – Angst. So große Angst, dass kaum noch Raum für eine „freie Entscheidung“ zu bleiben scheint.

 

Es tut weh – aber Du bist nicht alleine mit dieser Situation!

Solche oder ähnliche ablehnende Reaktionen des Partners können ganz tief schmerzen… Auf einmal wird vieles, was bisher eine Gewissheit oder zumindest ein Traum oder Plan war, in Frage gestellt. Und das in einer Situation, in der an sich schon so vieles unsicher ist.

Viele Frauen haben dann den Eindruck, ihr Partner wäre auf einmal ein anderer Mann als der, in den sie sich verliebt haben und mit dem sie eine so schöne und erfüllte Zeit verbracht haben.

Vielleicht kann Dir ein erster Trost sein: Dein Partner ist nicht der Einzige, der so reagiert. Es liegt also nicht an Dir und auch nicht unbedingt daran, dass er „der Falsche“ sein könnte! Vielmehr erleben sehr viele Frauen so etwas; denn es ist sozusagen eine „typische“ männliche Verhaltensweise. Aber: Was bewegt ihn wohl dazu?

 

Partner will die Abtreibung – 4 Gründe, wieso Männer so reagieren

Manchmal kann ein Perspektivwechsel dabei helfen, dieses „Phänomen“ zu verstehen. Nicht, um die Reaktion des Mannes gutzuheißen. Aber doch, um zumindest ein wenig nachvollziehen zu können, weshalb er so reagiert. Wir haben für Dich vier Gründe zusammengestellt, warum viele Männer so reagieren.

1. Erste Schockstarre


Die meisten Männer sind von einer unerwarteten und ungeplanten Schwangerschaft mindestens genauso überrascht wie ihre Partnerin. Sie brauchen erst einmal Zeit, um die Nachricht sacken zu lassen.

2. Körperliche Unterschiede


Während Du als Frau womöglich schon sehr früh körperlich spürst, dass da etwas anders ist (Übelkeit, Müdigkeit, Emotionalität, usw.), bleibt für Männer eine Schwangerschaft zunächst einmal eher abstrakt und wenig greifbar. Sie bemerken an sich selbst ja keine Veränderung. Zudem werden Frauen in dieser Zeit schon aufgrund der Hormone, die sie auf Schwangerschaft einstellen, vorbereitet. Auch das bleibt bei den Männern aus und kann das unterschiedliche Empfinden ein Stück weit begründen.

3. Überforderung: „Wie soll ich dem gerecht werden?“


Gleichzeitig fühlen sich viele Männer von einer unerwarteten Schwangerschaft überfordert. Oft ist da die Angst, der Verantwortung als Vater nicht gerecht werden zu können; die Sorge, wie es finanziell funktionieren soll; Zweifel, ob die Beziehung diese Belastung aushält; … an und für sich sind das ja eigentlich fürsorgliche Gedanken!

4. Männliche Rationalität


Oft gehen Männer vor allem mit dem Verstand an Herausforderungen heran. Gerade diese rationale Denkweise zeichnet viele Männer aus und ist häufig sehr hilfreich. Aus diesem „männlichen Blickwinkel" heraus liegt der Impuls nahe, eine Abtreibung wäre doch eine schnelle und einfache Lösung für diese Situation…



Doch oft spürt eine Frau, dass es nicht so einfach ist, sondern dass diese Entscheidung das ganze Wesen betrifft – Körper, Herz, Psyche, Verstand – und auch einen bleibenden Einfluss auf die Beziehung selbst haben wird. Und so kann das Gefühl entstehen, nicht verstanden oder gar zurückgewiesen und alleine gelassen zu sein.

 

Grund zur Hoffnung: Meistens bleibt es nicht bei der männlichen Ablehnung

Ein ein sehr berechtigter Hoffnungsschimmer im Schmerz über die ablehnende Reaktion des Partners:

Diese ablehnende Reaktion hat in den allermeisten Fällen nicht das letzte Wort!

Die meisten Männer brauchen länger Zeit als Frauen, um die Nachricht ganz und gar zu erfassen. Sie benötigen Zeit, um sich damit auseinanderzusetzen und für sich selbst Lösungen und Wege zu finden, um mit der neuen Situation umzugehen. Oft muss sogar die gesetzliche Frist, in der die andere Option – eine Abtreibung – möglich ist, vorübergehen, bevor ein Mann sich innerlich darauf einstellen kann, dass sich jetzt definitiv etwas verändern wird.

Ein „Überlebensmechanismus“ und eine Art, diese Zeit der Veränderung zu überstehen, kann für manche Männer der Rückzug sein.

Doch wenn einige Tage, Wochen oder manchmal sogar Monate vergangen sind, stehen die meisten Männer doch zu ihrer Verantwortung – und werden am Ende zu stolzen und glücklichen Vätern. Es hört sich ein wenig wie ein Wunder an, und es ist, wenn man in der konkreten Konfliktsituation steckt, kaum zu glauben, und doch spricht die Erfahrung unzähliger Frauen, etwa aus der Pro Femina-Beratung, für sich!

 

So kannst Du mit dieser Situation umgehen – 5 Tipps

Was kannst Du jetzt tun, wenn Dein Partner ablehnend und verletzend auf die unerwartete Schwangerschaft reagiert hat?

 

1. Deinen Kurs halten

Rechenschaft für Deine Entscheidungen schuldest Du vor allem Dir selbst – nicht jemand anderem. Du wirst die Folgen Deiner Entscheidung so nah spüren wie kein anderer – so oder so. Besonders jetzt darfst Du ganz bewusst in Dich selbst hinein hören. Damit Du eine Entscheidung treffen kannst, die sich mit Deinen innersten Überzeugungen deckt.



Eine Entscheidung „ihm zuliebe“ und gegen Dein eigenes Herz könnte sich auf Dich, Dein weiteres Leben und auch auf Eure Partnerschaft schmerzhaft oder belastend auswirken.

Kurs halten, bis Dein Partner nachkommt – wenn sich dieser Gedanke für Dich gut anfühlt, wollen wir Dich ermutigen, ihn zu gehen. Denn: Die Chancen dafür stehen hoch! So mancher zunächst ablehnender Mann ist zu einem stolzen und liebevollen Vater geworden und seiner Frau heute dankbar dafür, dass sie stark war und mutig voranging, als er es noch nicht konnte…

 

2. Dir selbst etwas Gutes tun

Gerade im Schmerz und im Durcheinander der Gefühle und Gedanken solltest Du gut zu Dir selbst sein. Du kannst zum Beispiel etwas tun, was Dich entspannt, Dich zur Ruhe kommen lässt und Dir Kraft gibt! Das kann ein ausgiebiger Spaziergang an der frischen Luft sein; ein warmes Bad; ein Treffen mit einer guten Freundin; Zeit an Deinem Lieblingsplatz; …

So kannst Du etwas Abstand zum inneren Aufruhr gewinnen und vielleicht hören, was Dein eigenes Herz zu der Schwangerschaft zu sagen hat. Und Du kannst Kraft schöpfen für die nächsten Schritte.

 

3. Dir und ihm Zeit lassen

Wie schon erwähnt, brauchen die meisten Männer in dieser Situation einfach Zeit. Es ist ratsam, ihm diese Zeit auch wirklich einzuräumen und gerade nicht zu viel von ihm zu erwarten – obwohl das Geduld abverlangt und vielleicht sehr schwerfällt. Doch es kann hilfreich sein, wenn Du ihm und auch Dir selbst Gelegenheit gibst, Euch mit der neuen Situation auseinanderzusetzen.

Womöglich braucht er jetzt auch einfach viel mehr Zeit für sich alleine oder mit seinem besten Freund. Du darfst das tun, was Dir Kraft gibt – und er sollte das tun dürfen, was ihm guttut. Immer mit dem Wissen im Hinterkopf, dass seine Reaktionen gerade auch seiner Angst und einer gewissen Überforderung entspringen.

 

4. Im Gespräch bleiben

In den ersten Tagen oder Wochen nach dem ersten Gespräch ist es sicherlich ratsam, ihm ein wenig Raum und Zeit zu lassen, so dass er sich etwas „fangen“ kann. Danach kann es allerdings für Euch beide hilfreich sein, immer wieder das Gespräch zu suchen.

Es ist gut, wenn Ihr ganz in Ruhe viel Zeit miteinander verbringen und sprechen könnt. Wenn Ihr schon Kinder habt, wäre es vielleicht hilfreich, einen Abend oder gar ein Wochenende zu finden, das nur Euch beiden gehört. Eine Zeit, in der die Kinder in vertrauenswürdigen Händen sind und Ihr bewusst die Zweisamkeit sucht, um in dieser existenziell wichtigen Frage weiter zu denken und Euch anzunähern.

Wenn Du es kannst, ist es vielleicht klug, selbst immer wieder „in emotionale Vorleistung“ zu gehen: Durch Liebe, durch Verständnis, durch Zärtlichkeit. Denn Liebe ist die stärkste Kraft gegen die laute Stimme der Ängste.

 

5. Die Ängste enttarnen


Ihr dürft miteinander über die Ängste sprechen, die in Euch aufsteigen. So lassen sie sich oft als etwas enttarnen, das gar nicht direkt mit der Schwangerschaft zu tun hat. Denn sehr häufig beleuchtet die aktuelle „Krise“ der Schwangerschaft ältere Risse und Unzufriedenheiten oder gar unerfüllte Sehnsüchte, die es schon weit vor dieser unerwarteten Nachricht in Eurer Partnerschaft gab.


 

Keine Unterstützung vom Partner in der Schwangerschaft – was nun?

Vielleicht hast Du Dich durch diesen Artikel gelesen und Dir gedacht: „Bei mir ist es zu spät – er ist weg.“ Manchmal wird die große Angst leider zur traurigen Realität: Er will die Trennung in der Schwangerschaft, vielleicht sogar auch wegen der Schwangerschaft. Auch dann kann Dir unsere Beratungserfahrung vielleicht Mut machen: In einer Trennung, die eine Kurzschlussreaktion aus Angst war, ist nicht immer das letzte Wort gesprochen…

Womöglich wart Ihr aber auch nie ein Paar – vielleicht war es ein One-Night-Stand, eine Freundschaft+, eine Affäre, … und er hat auf die große Nachricht dieser „ungeahnten  Konsequenz“ Eurer gemeinsamen Nacht mit Ablehnung und Druck reagiert. Gut möglich, dass Du Dir nun sehr alleingelassen vorkommst.

Auf jeden Fall kannst Du Dich mit dem, was Dich gerade umtreibt, was Dir Sorgen macht oder Fragen aufwirft, gerne an uns Beraterinnen wenden! Wir nehmen uns Zeit und sind gern für Dich da. 

 

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