Schwanger trotz Sterilisation

Schwanger trotz Sterilisation
zuletzt aktualisiert: 02.10.2020

Kann man trotz Sterilisation schwanger werden?

Eine Sterilisation (sowohl beim Mann als auch bei der Frau) gilt im Allgemeinen als eine der sichersten Verhütungsmethoden überhaupt. Dennoch kommt es immer zu Schwangerschaften trotz Sterilisation.

Wieso kann man trotz Sterilisation schwanger werden und wie häufig kommt es vor? Und wie kann es weitergehen, wenn Du selbst schwanger bist trotz Sterilisation? Das wollen wir in diesem Artikel erklären.

 

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Schwanger trotz Sterilisation – Wahrscheinlichkeit und Ursachen

Sowohl nach einer Sterilisation des Mannes als auch bei der Frau kann es im Nachhinein dennoch zu einer Schwangerschaft kommen. Hier ein Überblick über die Wahrscheinlichkeit und mögliche Gründe:

 

Sterilisation des Mannes

Sterilisation der Frau

Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft

Pearl-Index: 0,1 – 0,15
(1-2 von tausend Frauen 
in einem Jahr)

Pearl-Index: 0,2 – 0,3
(2-3 von tausend Frauen 
in einem Jahr)

Gründe für eine Schwangerschaft

  • Operationsfehler
  • Verbliebene Spermien in der ersten Zeit nach der OP
  • Rekanaliserung: Zusammenwachsen der Samenleiter
  • Operationsfehler
  • Unsichere Methode
  • Rekanalisierung: Zusammenwachsen der Eileiter

 

Schwanger trotz Sterilisation des Mannes

Bei der Sterilisation des Mannes liegt der Pearl-Index (ein Maß für die Sicherheit von Verhütungsmethoden) bei ca. 0,1-0,15. Das bedeutet, dass eine bis zwei von 1.000 Frauen, die ein Jahr lang mittels Vasektomie verhüten, trotzdem schwanger werden.

Auch nach einer Sterilisation des Mannes, die ja seine Unfruchtbarkeit zur Folge haben soll, kann es also zu einer Schwangerschaft kommen.

Mögliche Gründe:

  • Ein möglicher Grund kann sein, dass es bei der Operation zu Komplikationen kommt oder dass unbemerkt etwas schief läuft.
     
  • Die Spermien, die zum Zeitpunkt des Eingriffs bereits in der Samenblase oder im Samenleiter waren, können noch einige Wochen bis Monate nach der Vasektomie in der Samenflüssigkeit vorhanden und befruchtungsfähig sein. Ob die Sterilisation erfolgreich war, wird deshalb durch regelmäßige Ejakulatproben geprüft. Wird dies nicht bedacht, kann es zu einer Schwangerschaft kommen.
     
  • Selten, aber doch immer wieder, regenerieren sich die durchtrennten Samenleiter in den ersten Monaten nach der Vasektomie und wachsen wieder von selbst zusammen. Dies nennt man Rekanalisierung. Deshalb werden häufig ein bis zwei Nachkontrollen gemacht. Sehr selten geschieht eine Rekanalisierung noch Jahre nach dem Eingriff, sodass der Mann wieder zeugungsfähig ist. Deshalb kann es in einzelnen Fällen trotz erfolgreicher Sterilisation durch eine Vasektomie zu einer Schwangerschaft nach Jahren kommen.

 

Schwanger trotz Sterilisation des Frau

Der Pearl-Index liegt bei der Sterilisation der Frau mit 0,2 - 0,3 leicht höher als bei der Vasektomie. Das bedeutet, zwei bis drei von 1.000 Frauen werden trotz Durchtrennung oder Verödung ihrer Eileiter schwanger.

Mögliche Gründe:

  • Auch hier kann es bei der Operation zu Komplikationen kommen.
     
  • Zudem kann die Wahl der operativen Sterilisationsmethode einen Unterschied machen. Denn die Durchtrennung oder das Veröden der Eileiter sind grundsätzlich zuverlässiger als das Abklemmen mit einem Clip.
     
  • Selten, aber immer wieder, verbinden sich die Gebärmutter und der Eierstock über neue Wege. Dies nennt man ebenfalls Rekanalisierung. Sie kommt häufiger bei jüngeren als bei älteren Frauen vor.

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Bin ich schwanger trotz Sterilistation?

Möglicherweise bist Du momentan verunsichert: Eigentlich bist Du selbst oder Dein Partner sterilisiert und die Möglichkeit einer Schwangerschaft war für Dich somit völlig ausgeschlossen. Doch nun vermutest oder bemerkst Du Anzeichen einer Schwangerschaft an Dir.

Nun ist es ratsam, erst einmal tief durchzuatmen. Falls Deine Periode bereits überfällig sein sollte, muss das noch kein sicheres Anzeichen für eine Schwangerschaft sein. Denn der Zyklus einer Frau, der oft trotz Eileitersterilisation erhalten bleibt, ist sehr sensibel, sodass auch äußere Faktoren (Stress, Diät, Fernreise, Infekt oder& Medikamente) Verzögerungen auslösen können.

Es kann auch sein, dass es zwar zu einer Schwangerschaft gekommen, diese jedoch nicht intakt ist. Denn kommt es trotz Sterilisation der Frau zu einer Befruchtung einer Eizelle, ist das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft erhöht. Auch ist es möglich, dass es zu einer Bauchhöhlenschwangerschaft gekommen ist. Das solltest du schnellstmöglich bei einem Arzt abklären lassen.

Unsere Tipps für Dich:

  • Hier gehts zum Online-Schwangerschaftstest! Dadurch kannst Du schnell und einfach mit einer unser Expertinnen aus dem Beratungsteam in Kontakt treten. Von ihr bekommst Du eine kostenfreie und individuelle Einschätzung bezüglich Deiner Befürchtung und Symptome.
     
  • Mit Deinen momentanen Sorgen bist Du nicht alleine! Es gibt immer wieder Erfahrungsberichte, die von Sorgen und Ängsten, trotz Sterilisation schwanger zu sein, erzählen. In unserem Forum kannst Du z.B. den Fall von Bella88 nachlesen, die ebenfalls Angst hatte, trotz Sterilisation ungeplant schwanger zu sein. Gerne kannst Du hier auch selbst über alle Deine Sorgen und Ängste berichten und dadurch in Kontakt mit anderen Frauen kommen.

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Ungeplant schwanger trotz Sterilisation – was nun?

Wenn Du selbst trotz Sterilisation schwanger bist, hat Dir das vielleicht regelrecht den Boden unter den Füßen weggezogen. Immerhin hat eine Sterilisation etwas Endgültiges, sodass diese Schwangerschaft nun völlig ungeplant kommt. Womöglich bliebt die Schwangerschaft außerdem erst einmal unbemerkt, da es eine klassische „Verhütungspanne“, wie etwa beim Kondom, nicht gibt.

Unsere Tipps für Dich:

  1. Zeit zum Durchatmen! Nun ist es ratsam, Dir selbst Zeit zu schenken. In dieser unerwarteten Situation darfst Du nun erst einmal all Deine Gedanken und Gefühle ordnen. So kannst Du nach und nach herausfinden, welcher weitere Weg Dir und Deinem Inneren wirklich entspricht.
     
  2. Ein offenes Ohr: Um mit all Deinen Fragen und Gefühlen nicht alleine zu bleiben, kannst Du Dich sehr gerne an uns Beraterinnen wenden! Wir sind gerne für Dich da und unterstützen Dich, einen guten Weg für Dich zu finden. Zum Beispiel kannst Du den Abtreibungstest machen und bekommst darauf die individuelle Auswertung einer Beraterin.
     
  3. Wieso das alles? Vielleicht hilft Dir auch diese Frage weiter. Wozu stellt das Leben Dich so unvermutet in diese außergewöhnliche Situation? Worin könnte der Sinn dieses „Wunders“ bestehen, dass Du trotz Sterilisation nun schwanger bist?

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Fakten über Sterilisation

In Deutschland haben im Jahr 2018, laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), 3 Prozent der sexuell aktiven Erwachsenen mittels Sterilisation beim Mann verhütet und 2 Prozent mittels Sterilisation bei der Frau.

 

Sterilisation des Mannes

  • Für die Sterilisation eines Mannes – auch Vasektomie genannt –, werden die beiden Samenleiter im Hodensack durchtrennt und manchmal auch verkürzt. So können Spermien nicht mehr in die Samenflüssigkeit (Ejakulat) gelangen. Für die anschließende Verschließung der offenen Enden der Samenleiter gibt es unterschiedliche Methoden, z.B. Abbinden, Hitze, chemische Substanzen oder Titanclips.

     
  • Im Vergleich zur Sterilisation bei der Frau, die mit mehr Operationsrisiken verbunden ist, ist der Eingriff der Vasektomie beim Mann einfacher und schneller.

     
  • Hormone und Spermien werden weiterhin produziert und erhalten die Erektionsfähigkeit; sie müssen nun vom Körper abgebaut werden. 

     
  • Risiken: Durch eine Sterilisation kann es einerseits zu psychischen Belastungen des Mannes kommen. Bei 1 bis 2 Prozent der Männer treten außerdem körperliche Komplikationen auf wie Wundinfektionen, Blutergüsse oder Entzündung in den Nebenhoden. Als Spätfolgen können auch chronische Schmerzen (Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom) auftreten.

 

Sterilisation der Frau

  • Bei der Sterilisation einer Frau, auch Tuben- oder Eileitersterilisation genannt, werden die beiden Eileiter (Tuben) operativ abgeklemmt, durchtrennt oder es wird eine Länge von ca. einem Zentimeter mit Hitze verödet. Dadurch können Eizellen nicht mehr in die Gebärmutter gelangen und mit einer männlichen Samenzelle verschmelzen. Der Eingriff erfolgt durch eine Bauchspiegelung.

     
  • Nach der Sterilisation sollen die Eierstöcke weiterhin Hormone und Eizellen produzieren. Ein Eisprung findet demnach weiterhin statt. Die Eizellen müssen über die Schleimhäute des Eileiters an die Bauchhöhle abgegeben und dort abgebaut werden. Allerdings kann es durch den Eingriff zu einer Verschlechterung der Durchblutung der Eierstöcke kommen, wodurch in seltenen Fällen ihre Funktion, einschließlich der Hormonproduktion, beeinträchtigt werden kann.

     
  • Risiken: Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen oder sexuelle Unlust und Hitzewallungen können die Folge sein. Weitere körperliche Risiken und Komplikationen, die nach einer Eileitersterilisation bei Frauen auftreten können, sind z.B. Blutungen, Infektionen und Schädigungen innerer Organe. Auch kommt es nicht selten zu psychischen Folgen wie Depressionen oder Ängsten.

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