Die Abtreibungspille Mifegyne®

Die Abtreibungspille Mifegyne®

Ablauf, Wirkung & weitere Informationen zur Abtreibung mit Tabletten

Eine ungeplante Schwangerschaft kann dazu führen, dass das Leben einer Frau erst mal Kopf steht. Die Folge ist ein echter innerer Konflikt: „Kommt eine Abtreibung für mich infrage?“

Eine mögliche Methode ist die medikamentöse Abtreibung mit Tabletten. Häufig treten in diesem Zusammenhang Begriffe wie die sogenannte Abtreibungspille, Mifegyne® oder Pille auf. Doch was ist eigentlich mit diesen Begriffen gemeint? Bis zu welcher Woche kann man mit Tabletten abtreiben? Welche Nebenwirkungen gibt es? Und welche Bedeutung hat so ein Eingriff für mich?

 

Themenübersicht

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Abtreibung durch Tabletten

Neben den operativen Abtreibungsmethoden gibt es den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch mit Tabletten. Man spricht dabei auch von chemischer oder hormoneller Abtreibung. Bei dieser Methode wird ein Schwangerschaftsabbruch (Abgang des Embryos) durch das Einnehmen von Medikamenten herbeigeführt.

Die Abtreibungspille darf in Deutschland nur unter ärztlicher Aufsicht und Kontrolle eingenommen werden.

 

Bis/ab wann kann man die Abtreibungspillen nehmen?

Wie lange – also bis zu welcher Woche, welchem Tag und welchem Monat – man die Abtreibungspille nehmen kann, ist von Land zu Land unterschiedlich. Im Artikel Bis wann kann man abtreiben? findest Du genauere Informationen dazu. Dort kannst Du Dir berechnen lassen, wie lange in Deinem Fall eine Abtreibung mit Pille oder durch eine Operation noch möglich ist.

Hingegen gibt es bei der Frage, ab wann man die Abtreibungspille einnehmen kann, keine untere Grenze. Jedoch muss eine Schwangerschaft zuvor ärztlich bestätigt worden sein.

 

Welche Tabletten werden zur Abtreibung benutzt?

Bei der Abtreibung durch Tabletten kommen neben Mifegyne® (Wirkstoff Mifepriston) auch Prostaglandin Tabletten zum Einsatz. Häufig wird hier der synthetisch hergestellte Prostaglandin-Abkömmling Cytotec (Wirkstoff Misoprostol) verwendet. Auch vor einer operativen Abtreibung durch Absaugung muss eine Frau teilweise ein Medikament einnehmen (Prostaglandine), das den Muttermund vorab weich macht.

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Abtreibung mit Pille?

Das Wort Pille ist in diesem Zusammenhang ein umgangssprachlicher Ausdruck für Abtreibungspille.

Wichtig: Bei der Pille, die bei einem Schwangerschaftsabbruch zum Einsatz kommt, handelt es sich um einen anderen Wirkstoff als bei der Antibabypille oder der Pille danach.


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Was ist die Abtreibungspille Mifegyne® und wie wirkt sie?

Mifegyne® ist eine bestimmte Sorte der Abtreibungspille. Insgesamt wurden im Jahr 2019 in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 25 Prozent aller Schwangerschaftsabbrüche mit Mifegyne® vorgenommen.

 

Wirkung der Mifegyne®

  • Das Medikament enthält den Wirkstoff Mifepriston. Mifepriston blockiert die Wirkung des Hormons Progesteron, welches für die Erhaltung der Schwangerschaft unentbehrlich ist.
     
  • Mifepriston täuscht dem Körper der schwangeren Frau vor, dass sie nicht mehr schwanger sei.
     
  • Innerhalb von ca. 48 Stunden öffnet sich der Muttermund, und der dort verfestigte Schleimpfropf lockert sich.
     
  • Die Vorstufe der Plazenta (Mutterkuchen) mit den Chorionzotten bildet sich schon in den allerersten Wochen der Schwangerschaft. Sie sorgt für den Hin- und Hertransport von Nährstoffen und Stoffwechselprodukten zwischen mütterlichem und kindlichem Kreislauf. Die Gebärmutterschleimhaut mit den Chorionzotten löst sich nun mit der Einnahme von Mifegyne® von der Gebärmutterwand ab, der Embryo verliert seinen Halt und stirbt ab.
     
  • In sehr wenigen Fällen (etwa drei Prozent) wirkt Mifegyne® schnell. Die Blutungen setzen dann zu diesem Zeitpunkt schon ein und Embryo und Plazentagewebe werden mit ausgestoßen.

Allein Mifegyne® führt jedoch in den meisten Fällen nicht zu einer Ausstoßung des Embryos. Deshalb wird zwei bis drei Tage später vom Arzt noch das sogenannte Prostaglandin, ein Wehen auslösendes Hormon, verabreicht.

 

Nebenwirkungen von Mifegyne®

Eine Abtreibung mit Mifegyne® kann neben den einsetzenden Blutungen etwa folgende verschiedene Nebenwirkungen haben:

  • Unterleibsschmerzen
  • Kreislaufprobleme mit Zittern und Hitzeempfinden
  • Übelkeit bis zu Erbrechen und Durchfall
  • stärkere Blutungen


Bei manchen Frauen wird wegen der starken Blutung eine Ausschabung zur Blutungs-Stillung oder auch eine Bluttransfusion nötig. Aus diesem Grund darf der medikamentöse Abbruch nur in Arztpraxen durchgeführt werden, die über eine notfallmedizinische Einrichtung verfügen.

Über alles Weitere klärt der Arzt beim jeweiligen Vorgespräch auf.


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Wie funktioniert eine Abtreibung durch die Abtreibungspille Mifegyne®?

 

Vor dem Eingriff

Zu Beginn wird die Blutgruppe der Frau festgestellt. Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, falls es im Laufe der Abtreibung zu starken Blutungen kommen sollte und eine Bluttransfusion nötig werden sollte.

 

Ablauf des Schwangerschaftsabbruchs mit Abtreibungspille

  • Zunächst muss die schwangere Frau drei Tabletten Mifegyne® einnehmen, die je 200 Milligramm Mifepriston enthalten. Mindestens zwei Stunden nach Verabreichung des Mittels wird sie ärztlich überwacht. Nach dieser Beobachtungsphase erfolgt die Entlassung nach Hause.
     
  • Zwei bis drei Tage später: Allein Mifegyne® führt jedoch in den meisten Fällen nicht zu einer Ausstoßung des Embryos. Die Abtreibung mit Mifegyne® schließt auch die Gabe von einem weiteren, im Handel üblicherweise als Cytotec® bezeichneten, Medikament mit dem Wirkstoff Misoprostol ein. Dieses wird zwei bis drei Tage später im weiteren Verlauf der Abtreibung vom Arzt verabreicht.
     
  • Misoprostol ist ein künstlich hergestelltes Prostaglandin, das Wehen auslöst. Dieses Prostaglandin bewirkt bei einer Abtreibung, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und eine Blutung einsetzt. Während der nächsten sechs Stunden muss die Frau sorgfältig überwacht werden.
     
  • Innerhalb von etwa zwei Stunden nach Verabreichung des Wehenmittels setzen Blutungen ein, und der Embryo wird ausgestoßen. Sollten die Blutungen nach drei Stunden noch nicht eingesetzt haben, muss ein weiteres Mal Prostaglandin verabreicht werden.

(Früher kam gelegentlich auch Cergem® mit dem Wirkstoff Gemeprost für einen Schwangerschaftsabbruch zum Einsatz. Da es jedoch deutlich mehr Nebenwirkungen als Misoprostol hat und teurer ist, wird es heute kaum noch angewendet.)

 

Nach dem Eingriff 

Sieben bis dreizehn Tage nach Verabreichung des Wehenmittels ist eine Nachuntersuchung erforderlich. Mittels Ultraschall oder laborchemischer Methoden wird festgestellt, ob der Embryo und das Plazentagewebe mit den Chorionzotten tatsächlich vollständig ausgestoßen wurden.

Falls das nicht der Fall ist, kann eine zweite Medikamenteneinnahme oder eine Ausschabung notwendig werden, wodurch auch weitere Kosten entstehen.

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Schonend oder belastend? – mögliche Risiken

Auf den ersten Blick erscheint eine Abtreibung mit Tablette als schonender und weniger belastend für die Frau – immerhin wäre die Alternative eine Operation. Dennoch gibt es eine Reihe von Faktoren, die beachtet werden sollten:

 

Mögliche körperliche belastende Faktoren

Eine Abtreibung mit der Abtreibungspille Mifegyne® und Prostaglandin ist körperlich herausfordernd:

  • Diese chemische Methode des Schwangerschaftsabbruchs ist ein nicht unerheblicher Eingriff in den Hormonhaushalt der Frau.
     
  • Eine Abtreibung mit Tabletten kann zum Teil sehr starke krampfartige Unterbauchschmerzen auslösen und dauert länger als ein operativer Eingriff.
     
  • Bis zu 12 Tagen danach kann es noch zu leichten bis starken vaginalen Blutungen kommen.

 

Mögliche psychische belastende Faktoren

Zudem berichten Frauen immer wieder von der hohen psychischen Belastung, die sie dabei durchlebt haben:

  • Die Frau muss die Tabletten selbst einnehmen und leitet damit den Vorgang der Abtreibung aktiv ein.
     
  • So manche Frau ist nach der Einnahme der ersten Tabletten immer noch hin- und hergerissen und ringt weiter, ob sie den Schritt der Abtreibung wirklich gehen will. Dann stellt sich die Frage, ob es schon zu spät ist, das Kind doch noch lebend zu bekommen.
     
  • Viele Frauen empfinden es als eine besondere Belastung, dass sie sozusagen „live“ dabei sind und ganz bewusst erleben, wie über mehrere Tage hinweg die Abtreibung ihren Lauf nimmt.

Falls Dich genauere Erfahrungsberichte zum Thema interessieren, kannst Du in unserem Forum weiterlesen.

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Wie kann es für mich weitergehen?

Womöglich bist Du selbst schwanger und empfindest die Situation momentan als sehr belastend – wie viele andere Frauen auch. Vielleicht kam die Schwangerschaft überraschend und zu einem für Dich ungünstigen Zeitpunkt. Womöglich spricht sich Dein Partner gegen dieses Kind aus. Vielleicht hast Du schon mehrere Kinder und weißt nicht, wie Du einem weiteren gerecht werden kannst?


Gerne kannst Du Dich mit all Deinen Fragen, Zweifeln und Ängsten bei uns Beraterinnen melden. Wir können – wenn Du das magst – gemeinsam mit Dir überlegen, welche verschiedenen Optionen es für Dich geben könnte und stehen Dir in dieser schweren Zeit sehr gerne mit Rat und Tat bei.

Unser Tipp: Mach den Abtreibungstest!

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