Schwangerschaftsdepression

Schwangerschaftsdepression

1421580470 | Kjetil Kolbjornsrud | shutterstock.com

Wenn die Welt unter einem dunklen Schleier liegt
 

Du bist schwanger und kannst gerade gar keine Freude empfinden? Sehr vielen Frauen geht es zeitweise in der Schwangerschaft so – und das hat oft rein körperliche Ursachen!

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Anzeichen fĂŒr eine Schwangerschaftsdepression

Es gibt bestimmte Anzeichen, die auf eine Schwangerschaftsdepression hinweisen:

  • Du kannst gerade keine Freude mehr empfinden und kannst dich auch nicht beispielsweise mit Deinen Hobbys ablenken.‹
     
  • Du hast das BedĂŒrfnis, morgens am liebsten nur die Bettdecke ĂŒber den Kopf zu ziehen und den ganzen Tag liegen zu bleiben. ‹
     
  • Alles fĂ€llt Dir schwer, das Denken, die Konzentration, der Alltag – Du bist einfach kraftlos.
     
  • Du kannst kaum noch einschlafen oder wirst frĂŒh morgens wach und wĂ€lzt Dich nur noch schlaflos und unruhig im Bett.‹
     
  • Deine Gedanken kreisen wie ein Karussell und Du empfindest eine starke innere Unruhe.‹
     
  • Du siehst alles nur noch wie durch einen dunklen Schleier. Alles erscheint Dir zu viel und Du spĂŒrst gar keine LebenskrĂ€fte mehr in dir.‹
     
  • Du hast keinen oder kaum Appetit.

Wenn Du solche Symptome schon eine Weile an Dir wahrnimmst, könnte die Ursache dafĂŒr eine Schwangerschaftsdepression sein.

 

HĂ€ufigkeit und Ursachen

Eine Depression ist eine sehr hÀufige psychische Erkrankung. Im Laufe des Lebens leiden ca. 15-20 % der Menschen darunter.

Die Ursache fĂŒr eine Depression kann man oftmals nicht ganz sicher ausmachen. Man geht heute davon aus, dass es ein sogenanntes „multifaktorielles Geschehen" ist, d.h. viele UmstĂ€nde spielen mit hinein.

 

Biologische Ursachen (in der Schwangerschaft)

HĂ€ufig sind Menschen einfach von ihrer biologischen Konstitution schon etwas vorbelastet. Das kann eine familiĂ€re, genetische Bereitschaft fĂŒr Depressionen sein oder auch ein Ungleichgewicht bei den Botenstoffen im Gehirn, den sogenannten Neurotransmittern wie Serotonin und Noradrenalin.

In der Schwangerschaft spielt dann die hormonelle und körperliche VerÀnderung eine wichtige Rolle.

Oftmals ist es in der Schwangerschaft zunĂ€chst etwas schwierig, eine Depression zu erkennen. Denn viele Frauen fĂŒhlen sich wegen der hormonellen VerĂ€nderungen ohnehin besonders sensibel. Schon alleine die Hormone bewirken in der FrĂŒhschwangerschaft, dass die Frau sich mĂŒde und abgeschlagen fĂŒhlt und durch die Übelkeit auch belastet und manchmal freudlos ist.

Wenn diese Symptome aber sehr stark und lĂ€nger andauernd auftreten, und es keine Hoch- oder Entspannungsphasen dazwischen gibt, könnte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Schwangerschaftsdepression handeln.

 

Äußere Faktoren

Auch eine akute Belastungssituation im Leben kann dazu fĂŒhren, dass eine (vielleicht sonst eher schlummernde) Vorbelastung zum Tragen kommt und sich eine deutliche Depression, meist mit den oben genannten Symptomen, entwickelt.

Die Umstellung der LebensumstÀnde durch eine Schwangerschaft können das verstÀrken.

 

Behandlung – es gibt Hoffnung!

Es gibt Hoffnung, auch wenn Dir Deine Situation momentan ausweglos erscheint:

  • Eine (Schwangerschafts-)Depression kann in aller Regel gut behandelt werden.
    ‹
  • Unter Behandlung klingt sie in den meisten FĂ€llen nach einigen Wochen (bis wenigen Monaten) deutlich ab bzw. hört ganz auf.

Umso wichtiger ist es, baldmöglichst ganz offen mit Deinem Arzt zu sprechen, wenn Du vermutest, Du könntest unter einer schwangerschaftsbedingten Depression leiden. Du musst diese schwierige Situation nicht aushalten!

 

Medizinische Behandlung

Es gibt Medikamente, die bei Depressionen gut wirken und die Du auch in der Schwangerschaft bedenkenlos nehmen kannst. Sie haben keine negativen Auswirkungen auf die Schwangerschaft oder das Kind selbst. Hierzu gibt es mittlerweile umfangreiche Studien, durch die einige Antidepressiva als bedenkenlos eingestuft werden konnten.

Wenn der Arzt Dir zum ersten Mal ein Antidepressivum verschreibt, muss zunĂ€chst ein Wirkspiegel im Blut aufgebaut werden – das erfordert etwas Geduld. Aber in aller Regel spĂŒren Betroffene schon nach ca. zwei Wochen eine beginnende Besserung!

â„č Die Einnahme ist meist nur vorĂŒbergehend. Antidepressiva machen außerdem nicht abhĂ€ngig (im Gegensatz zu z.B. Benzodiazepinen). Du brauchst also keine Angst vor einer AbhĂ€ngigkeit zu haben.

Da bei depressiven Erkrankungen meist auch ein Ungleichgewicht bei den Neurotransmittern vorliegt, können die modernen Antidepressiva diesen Serotonin-, bzw. Noradrenalinmangel gut ausgleichen.

 

Psychotherapeutische Behandlung

Wie schon beschrieben, darfst Du optimistisch sein, dass es Dir bald besser gehen wird. Oftmals helfen auch psychotherapeutische GesprÀche deutlich weiter. Gegebenenfalls hilft Dir das zusÀtzlich zu Medikation.

Wenn Du nicht unter starkem Antriebsmangel oder ausgeprÀgten Schlafstörungen leidest, kann Dir unter UmstÀnden auch die alleinige Behandlung mit therapeutischen GesprÀchen helfen und Du benötigst vielleicht gar kein Medikament.

 

Wenn Du schon zuvor an Depressionen erkrankt warst

Wenn Du schon vor der Schwangerschaft unter Depressionen oder depressiven Verstimmungen gelitten hast, hast Du vielleicht bereits Erfahrungen mit einem Antidepressivum gemacht. Vielleicht sorgst Du Dich nun, wie die Medikation weitergehen soll, wenn Du schwanger bist. Es ist ratsam, dass Du Dich auch dann bald mit Deinem Arzt besprichst.

📍Wichtig: Bitte setze nicht eigenmĂ€chtig ein Medikament abrupt ab. Dies könnte nĂ€mlich eher zu einer Verschlechterung Deiner Symptome fĂŒhren. Mit großer Wahrscheinlichkeit könntest Du das Antidepressivum unbedenklich weiter einnehmen.

NĂ€here Informationen zu Medikamenten in der Schwangerschaft findest Du bei Embryotox – einem Institut der CharitĂš.

 

Erste-Hilfe-Tipps

Um in dieser schwierigen Situationen wieder Boden unter den FĂŒĂŸen zu gewinnen, haben wir einige Ideen fĂŒr Dich zusammengestellt. Vielleicht kannst Du nach und nach einiges davon umsetzen. Und so Schritt fĂŒr Schritt dem Lichtschein, der am Ende jedes Tunnels wartet, nĂ€her zu kommen.


1. UnterstĂŒtzung đŸ€

Gerade jetzt kann es helfen, wenn Du eine liebe Person an Deiner Seite hast, die Dich unterstĂŒtzt. Jemand, dem Du vertraust und der auch in der Dunkelheit neben Dir bleibt und den Blick nach vorne bewahrt, wenn es Dir gerade nicht gelingt.

Du musst es nicht alleine schaffen!

 

2. In der Depression keine Entscheidung treffen

Aus unserer medizinischen und beraterischen Erfahrung, geben wir grundsĂ€tzlich den Rat: Triff keine großen Entscheidungen, so lange Du im dunklen Tal bist. Falls Du gerade ĂŒberlegst, ob Du das Kind behalten oder abtreiben sollst, der Tipp: Gib Dir noch Zeit.

Denn in der depressiven Verstimmung sieht die Welt oft ganz anders und viel dunkler aus, als sie ist. Es ist also ratsam, dass Du mit Deiner Entscheidung zumindest so lange wartest, bis der dunkle Schleier sich etwas angehoben hat und Deine KrĂ€fte zurĂŒckkehren.

 

3. Entlastung durch Ă€rztliche Hilfe đŸ‘šâ€âš•ïž

Wie Du es weiter oben vielleicht schon gelesen hast, kann eine Schwangerschaftsdepression sehr gut und wirkungsvoll behandelt werden. Bereits innerhalb von zwei Wochen schlÀgt eine Behandlung in aller Regel an. 

Daher ist es ratsam, dass Du sehr zeitnah zu Deinem Arzt gehst und ihm die Situation schildert. So kannst Du hoffentlich sehr bald Entlastung finden.

 

4. Zeit in der Natur verbringen đŸŒłâ˜€ïž

Gut möglich, dass es Dir sehr schwerfĂ€llt, die Kraft aufzubringen, um nach draußen zu gehen. Wenn es Dir dennoch gelingt, wirst Du vielleicht bald merken, dass die frische Luft und ein wenig Bewegung sehr gut tun können.

Speziell Sonnenlicht hilft dabei, die Stimmung aufzuhellen – Lichttherapie wird sogar zur Depressionsbehandlung angewandt.

 

5. Gute ErnĂ€hrung 🌼

Vielleicht fĂŒhlst Du Dich gerade sehr appetitlos und kannst Dir nicht vorstellen, jemals wieder mit Freude zu essen? Dennoch wird es Deinem Körper gut tun, wenn Du Dich auch weiterhin ausgewogen ernĂ€hrst.

Ob es jemanden in Deinem Umfeld gibt, der Dir beim Kochen hilft oder es fĂŒr Dich ĂŒbernimmt? Wenn es aber „noch“ etwas gibt, auf dass Du trotz Deiner Verstimmungen Hunger hast, kannst Du es Dir ruhig gönnen. Auch Döner oder Pizza, wenn das Dein „Soulfood“ ist!

 

6. Nicht aufgeben, sondern durchhalten! đŸŒ„

Der vielleicht wichtigste Tipp am Schluss: Halte durch und gib nicht auf!

Es kann gut sein, dass Du die dunklen Wolken, die die Sonne verhĂ€ngen, noch einige Tage oder wenige Woche ertragen musst, bis es wieder heller wird. Doch denk dran: Über den Wolken scheint immer die Sonne – selbst wenn wir sie gerade nicht sehen. Und auch fĂŒr Dich wird sie bald wieder scheinen.

Sehr gerne kannst Du Dich jederzeit an uns Beraterinnen wenden. Wir begleiten Dich in dieser schwierigen Zeit, wenn Du das möchtest und helfen Dir dabei, einen guten Weg fĂŒr Dich zu finden:

 

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