Beschäftigungsverbot

Beschäftigungsverbot

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Arbeitsverbot wegen Schwangerschaft?

  • Nach dem Mutterschutzgesetz gilt ein absolutes Besch√§ftigungsverbot acht Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt. Das ist eine rechtlich geregelte Schutzfrist, die f√ľr jede (werdende) Mutter gilt.
  • Au√üerdem gibt es die im Sprachgebrauch verwendete ‚ÄěFr√ľhkarenz‚Äú. Dies ist ein Besch√§ftigungsverbot noch vor der Schutzfrist. Dieser vorzeitige Mutterschutz wird individuell festgelegt, wenn die Gesundheit von Mutter oder Kind gef√§hrdet ist.‚Ä®
  • Durch ein Besch√§ftigungsverbot entstehen der schwangeren Frau keine finanziellen Nachteile.

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Was ist ein Beschäftigungsverbot?

Das Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft ist ein Element des Mutterschutzgesetzes. Es dient grundsätzlich der Erhaltung Deiner Gesundheit und der des Kindes, falls diese durch das unveränderte Weiterarbeiten gefährdet wäre.

Wenn Du in einem öffentlich-rechtlichen oder in einem privaten Dienstverhältnis stehst, gibt es folgende Möglichkeiten:

  1. Deine Arbeit wird so angepasst, dass sie den gesetzlich festgelegten Standards entspricht (Beschäftigungseinschränkungen)
  2. Du wirst teilweise von der Arbeit befreit ‚Äď oder:
  3. Du wirst gänzlich von der Arbeit freigestellt.

ūüďć Wichtig: Du hast grunds√§tzlich weiterhin Anspruch auf Wochengeld.
Es gilt der Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen bzw. drei Monate vor einem Besch√§ftigungsverbot oder einer Besch√§ftigungsbeschr√§nkung. In der Fr√ľhkarenzzeit wird von der Krankenkasse ein erweitertes Wochengeld gezahlt. Finanzielle Nachteile entstehen Dir also nicht.

ūüďėLesetipp:
Mutterschutzgesetz in √Ėsterreich
K√ľndigungsschutz
Finanzielle Hilfen

 

In welchem Zeitraum gilt das Beschäftigungsverbot?

Grunds√§tzlich besteht f√ľr jede schwangere Frau in den acht Wochen vor und acht Wochen nach der voraussichtlichen Entbindung ein gesetzliches Besch√§ftigungsverbot ‚Äď dies sind die gesetzlich verankerten Mutterschutzfristen. Sie sollen Dich und Dein Kind sch√ľtzen und treffen f√ľr Dich auf jeden Fall zu.

Bei Mehrlingsgeburten, Fr√ľhgeburten oder Kaiserschnitten dauert das Besch√§ftigungsverbot nach der Geburt mindestens zw√∂lf Wochen.

Sollte sich die Achtwochen-Frist vor der Geburt verk√ľrzt haben, verl√§ngert sich die Schutzfrist nach der Geburt ‚Äď allerdings h√∂chstens auf 16 Wochen.

Es gibt auch F√§lle, in der ein weiterreichendes und l√§ngerfristiges Besch√§ftigungsverbot vor der Geburt n√∂tig ist, um Deine Gesundheit und die des Kindes zu sch√ľtzen. Gegebenenfalls kann es sich durch die gesamte Schwangerschaft ziehen.

 

Habe ich durch ein Beschäftigungsverbot Nachteile?

Nein, Dir entstehen keine Nachteile durch ein Beschäftigungsverbot!

  • Vielleicht bef√ľrchtest Du, Du k√∂nntest wegen des Arbeitsverbots weniger Gehalt bekommen. Aber keine Sorge: Du hast weiterhin Anspruch auf Wochengeld, eventuell sogar plus Sonderzahlungen. (‚ĄĻÔłŹ H√∂he des Wochengeldes)
  • Auch eine K√ľndigung beim Vorliegen eines Besch√§ftigungsverbots musst Du nicht bef√ľrchten ‚Äď durch Deine Schwangerschaft stehst Du automatisch unter K√ľndigungsschutz.
  • Deinem Chef entsteht √ľbrigens ebenfalls kein Schaden: Er bekommt f√ľr die Dauer des Besch√§ftigungsverbots Deine Gehaltszahlungen von der Gebietskrankenkasse erstattet und wird damit entlastet. So kann er z.B. einen notwendigen Ersatz Deiner Arbeitskraft organisieren, ohne ‚Äědraufzuzahlen‚Äú. Du brauchst also auch finanziell wegen eines Besch√§ftigungsverbots kein schlechtes Gewissen zu haben gegen√ľber Deinem Arbeitgeber!‚Ä®

‚ě°ÔłŹ Wann und wie informiere ich meinen Arbeitgeber √ľber meine Schwangerschaft?

 

Trotz Beschäftigungsverbot weiterarbeiten?

Wom√∂glich sorgst Du Dich, dass Dein Arbeitgeber nicht gut auf ein Besch√§ftigungsverbot reagiert, weil er Dich braucht. Oder dass er sogar erwartet, dass Du freiwillig trotzdem weiterarbeitest. Vielleicht w√ľrdest Du auch ganz einfach gerne weiterarbeiten‚Ķ

Das Beschäftigungsverbot während der Schwangerschaft muss allerdings eingehalten werden, wenn es ausgesprochen wurde. Deinem Arbeitgeber droht sogar eine Geldstrafe, wenn er die Beschäftigungsbeschränkungen oder -verbote nicht einhält.

 

Gr√ľnde f√ľr ein Besch√§ftigungsverbot

Die Gr√ľnde f√ľr ein Besch√§ftigungsverbot in der Schwangerschaft k√∂nnen entweder in der Art der Arbeit liegen, die Du normalerweise zu erledigen hast, wenn diese f√ľr Deine Gesundheit oder die des Kindes sch√§dlich ist ‚Äď oder aber in Deinem individuellen Gesundheitszustand.


1. Die Art der Arbeit

Es gibt T√§tigkeiten, die laut Mutterschutzgesetz eine Gef√§hrdung f√ľr Dich oder das Kind darstellen k√∂nnten. Beispiele daf√ľr sind:

  • Arbeiten mit gef√§hrlichen Stoffen oder Strahlen‚Ä®
  • T√§tigkeiten mit gro√üer k√∂rperlicher Belastung (Tragen oder Heben schwerer Lasten, st√§ndiges Sitzen,‚Ķ‚Ä®
  • Arbeiten mit h√∂herer Unfallgef√§hrdung

Hier geht also nicht darum, wie es Dir gerade gesundheitlich geht. Auch wenn Du Dich eigentlich topfit f√ľhlst, kann Dir ein sofortiges Besch√§ftigungsverbot ausgesprochen werden, sobald Du Deine Schwangerschaft bekannt gibst.

‚ĄĻÔłŹ Das zust√§ndige Arbeitsinspektorat entscheidet dabei, ob die Arbeiten noch zumutbar sind, oder ob ein Besch√§ftigungsverbot vorliegt. ‚Ä®Der Arbeitgeber ist zun√§chst dazu verpflichtet, Alternativen f√ľr sch√§dliche T√§tigkeiten zu finden. Gibt es diese nicht, wird ein Besch√§ftigungsverbot ausgesprochen.

‚ě°ÔłŹ Eine √úbersicht, welche Arbeiten verboten sind, findest Du auch hier


2. Individueller Gesundheitszustand (medizinische Indikationen)

Ein individuelles Freistellungszeugnis in der Schwangerschaft kann von einem Arzt ausgestellt werden. Das passiert, wenn Dein Arzt Deinen Gesundheitszustand so einsch√§tzt, dass Dir oder dem Kind das Weiterarbeiten schaden k√∂nnte. Folgende Gr√ľnde k√∂nnen beispielsweise dazu beitragen:

  • eine drohende Fr√ľhgeburt
  • schwereinstellbare (Schwangerschafts-)Diabetes
  • vorzeitige Wehen

Das individuelle Besch√§ftigungsverbot darf ein Amtsarzt, Arbeitsinspektor, aber auch Fach√§rzte f√ľr Gyn√§kologie oder innere Medizin bescheinigen.

‚ĄĻÔłŹ Achtung ‚Äď Verwechslungsgefahr: Ein Besch√§ftigungsverbot ist keine Krankschreibung. Wenn Du in der Schwangerschaft krank bist oder sich bestehende Krankheiten verschlimmern, ben√∂tigst Du eine Krankschreibung bzw. Arbeitsunf√§higkeitsbescheinigung.

 

Formen des Beschäftigungsverbotes

Nicht immer bedeutet ein Beschäftigungsverbot die komplette Freistellung von der Arbeit. Es gibt Abstufungen. Oftmals können dabei in Absprache mit dem Arzt und dem Arbeitgeber individuelle Regelungen entstehen, die zu Deiner Situation passen.


Beschäftigungseinschränkung

M√∂glicherweise kann Dein Arbeitgeber Dich von den gef√§hrlichen T√§tigkeiten befreien und Dir stattdessen f√ľr die Dauer der Schwangerschaft andere Aufgaben √ľbertragen. So bist Du nach dem Mutterschutzgesetz ausreichend gesch√ľtzt. In diesem Fall ist kein Arbeitsverbot notwendig.

Manchmal ist es auch ausreichend, Deine Arbeitszeit zu reduzieren, wenn dadurch die Gefährdung beseitigt werden kann.

Zu einem vorzeitigen Mutterschutz kommt es, wenn das Arbeitsinspektorat oder der Arzt die Weiterarbeit untersagt, bis der Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen an das Mutterschutzgesetz anpassen konnte.


Vollständiges Beschäftigungsverbot

Stellt sich heraus, dass eine interne Umorganisation im Rahmen des Mutterschutzgesetzes nicht möglich ist, muss der Betrieb Dich ganz von Deiner Arbeitstätigkeit freistellen.

In der Folge bist Du also gänzlich von Deiner Arbeit befreit und sollst wegen der Schwangerschaft gar nicht mehr arbeiten.

ūü¶†Besch√§ftigungsverbot aufgrund von Corona?
Unter Umst√§nden kann es f√ľr Dich explizite Regelungen geben, aufgrund der Corona-Pandemie von Deiner Arbeit freigestellt zu werden. Dein Arbeitgeber wird dies genau wissen. Mehr Informationen findest Du auch hier: ‚Ä®Bundesministerium f√ľr Arbeit: Freistellung von Schwangeren (Stand August 2021)

 

M√∂gliche Sonderf√§lle ‚Äď wie gehe ich mit ihnen um?

Möglicherweise ist Deine Situation auch besonders, z.B. weil Du Dich gerade noch in der Ausbildung oder in der Probezeit befindest und durch Deine Schwangerschaft plötzlich ein Beschäftigungsverbot im Raum steht. Vielleicht hast Du auch einen befristeten Arbeitsvertrag oder arbeitest derzeit nicht, sondern befindest Dich gerade in Elternkarenz.

Gerne stellen wir Dir weiterf√ľhrende Informationen zu Deiner Situation zusammen und √ľberlegen mit Dir gemeinsam, wie es nun am besten weitergehen kann. Falls n√∂tig, holen wir auch gerne juristischen Rat f√ľr Dich ein. Melde Dich in diesem Fall einfach gerne direkt bei uns!

ūüď© Schreib uns Deine Frage schnell und einfach √ľbers Kontaktformular.

 

Noch Fragen oder Sorgen?

Dich besch√§ftigen vielleicht auch noch ganz andere Fragen und Sorgen rund um die Schwangerschaft? Dann wende Dich gerne an uns Beraterinnern. Wir sind gern f√ľr Dich da!

Auf diesen Wegen kannst Du uns zum Beispiel erreichen:
ūüď≤ Schnell und unkompliziert: Zur WhatsApp-Beratung
‚öĖÔłŹ ‚ÄěAbtreiben: ja oder nein?‚Äú ‚Äď zum Abtreibungstest. Mit Sofort-Auswertung und der M√∂glichkeit, mit einer Beraterin in Kontakt zu kommen.
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Auch interessant:

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Checkliste: Inhalt einer Babyerstausstattung

 

Quellen:

Wirtschaftskammer √Ėsterreich: Schwangerschaft - rechtliche Informationen (Stand August 2021)
Gesundheitskasse √Ėsterreich: Mutterschutz (Besch√§ftigungsverbot) (Stand August 2021)
Arbeiterkammer √Ėsterreich: Besch√§ftigungsverbot (Stand August 2021)
Arbeitsinspektion: Kommentierte Mutterschutzverordnung (Stand August 2021)

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