Die Abtreibungspille Mifegyne®

Die Abtreibungspille Mifegyne®
Geschrieben von: Dr. med. Roswitha Henkel · zuletzt aktualisiert: 23.06.2021

Ablauf, Wirkung & weitere Informationen zum Schwangerschaftsabbruch mit Tabletten

  • Ein Schwangerschaftsabbruch mit Abtreibungspille ist im frĂĽhen Verlauf der Schwangerschaft (bis zur 9.SSW) möglich.
     
  • Die schwangere Frau nimmt dabei unter ärztlicher Aufsicht erst ein Medikament (Mifegyne®, Wirkstoff Mifepriston), das den Muttermund öffnet und die Gebärmutterschleimhaut löst. Dabei stirbt der Embryo ab.
     
  • Eine weitere Pille 2-3 Tage später löst dann Wehen und damit eine Fehlgeburt aus.

In diesem Artikel findest Du nähere Informationen zum Ablauf und der Wirkung einer Abtreibung durch Mifegyne® und über mögliche Nebenwirkungen und Risiken. 

Tipps für Dich: 

 

Abtreibung durch Tabletten

Neben den operativen Abtreibungsmethoden gibt es den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch mit Tabletten. Man spricht dabei auch von chemischer oder hormoneller Abtreibung. Bei dieser Methode wird ein Schwangerschaftsabbruch (Abgang des Embryos) durch das Einnehmen von Medikamenten herbeigeführt.

Die Abtreibungspille darf in Deutschland nur unter ärztlicher Aufsicht und Kontrolle eingenommen werden und zwar bis zur 9. SSW.

  • ⏳ Genauere Informationen zu den Fristen fĂĽr eine medikamentöse oder operative Abtreibung findest Du im Artikel Bis wann kann man abtreiben?. Lass Dir dort schnell und kostenfrei berechnen, wie lange Du noch Zeit fĂĽr Deine Entscheidung hast! 

Hingegen gibt es für den Zeitpunkt, ab wann man die Abtreibungspille einnehmen kann, keine untere Grenze. Jedoch muss eine Schwangerschaft zuvor ärztlich bestätigt worden sein.

 

Welche Tabletten werden zur Abtreibung benutzt?

Bei der Abtreibung durch Tabletten kommen neben Mifegyne® (Wirkstoff Mifepriston) auch Prostaglandin-Tabletten zum Einsatz. Häufig wird hier der synthetisch hergestellte Prostaglandin-Abkömmling Cytotec® (Wirkstoff Misoprostol) verwendet. 

Auch vor einer operativen Abtreibung durch Absaugung muss eine Frau oft ein Medikament einnehmen (Prostaglandine), das den Muttermund vorab weich macht.

 

Wie viel kostet die Abtreibungspille?

Ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch kostet in Deutschland zwischen 350 und 500€.

 

Abtreibung mit Pille?

Das Wort Pille ist in diesem Zusammenhang ein umgangssprachlicher Ausdruck fĂĽr Abtreibungspille.

Wichtig: Bei der Pille, die bei einem Schwangerschaftsabbruch zum Einsatz kommt, handelt es sich um einen anderen Wirkstoff als bei der Antibabypille oder der Pille Danach.


 

Was ist die Abtreibungspille Mifegyne® und wie wirkt sie?

Mifegyne® ist der Präparatename der Abtreibungspille. Insgesamt wurden im Jahr 2019 in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 25 Prozent aller Schwangerschaftsabbrüche mit Mifegyne® vorgenommen.

 

Wirkung der Mifegyne®

  • Das Medikament enthält den Wirkstoff Mifepriston. Mifepriston blockiert die Wirkung des Hormons Progesteron, das fĂĽr die Erhaltung der Schwangerschaft unentbehrlich ist.
     
  • Mifepriston täuscht dem Körper der schwangeren Frau vor, dass sie nicht mehr schwanger sei.
     
  • Innerhalb von ca. 48 Stunden öffnet sich in der Regel der Muttermund, und der dort verfestigte Schleimpfropf lockert sich.
     
  • Die Vorstufe der Plazenta (Mutterkuchen) mit den Chorionzotten bildet sich schon in den allerersten Wochen der Schwangerschaft. Sie sorgt fĂĽr den Hin- und Hertransport von Nährstoffen und Stoffwechselprodukten zwischen mĂĽtterlichem und kindlichem Kreislauf. Die Gebärmutterschleimhaut mit den Chorionzotten löst sich nun nach der Einnahme von Mifegyne® von der Gebärmutterwand ab, der Embryo verliert seine Versorgung und seinen Halt und stirbt ab.
     
  • In sehr wenigen Fällen (etwa drei Prozent) wirkt Mifegyne® schnell. Die Blutungen setzen dann zu diesem Zeitpunkt schon ein und Embryo und Plazentagewebe werden mit ausgestoĂźen.

Mifegyne® allein führt jedoch in den meisten Fällen nicht zu einer Ausstoßung des Embryos. Deshalb wird zwei bis drei Tage später vom Arzt noch ein sogenanntes Prostaglandin, ein Wehen auslösendes Hormon, verabreicht.

 

Nebenwirkungen von Mifegyne®

Eine Abtreibung mit Mifegyne® kann neben den einsetzenden Blutungen etwa folgende verschiedene Nebenwirkungen haben:

  • Unterleibsschmerzen, Krämpfe
  • stärkere Blutungen
  • Infektionen
  • Ăśbelkeit, Erbrechen und Durchfall
  • Kreislaufprobleme mit Zittern und Hitzeempfinden


Bei manchen Frauen wird wegen der starken Blutung eine Ausschabung zur Blutungs-Stillung oder auch eine Bluttransfusion nötig. Aus diesem Grund darf der medikamentöse Abbruch nur in Arztpraxen durchgeführt werden, die über eine notfallmedizinische Einrichtung verfügen.

Über alles Weitere klärt der Arzt beim jeweiligen Vorgespräch auf.


 

Wie funktioniert eine Abtreibung durch die Abtreibungspille Mifegyne®?

Im Artikel "Abtreibungsmethoden" findest Du eine Liste mit den 10 wichtigsten Schritten vor einer Abtreibung.

 

Vor dem Eingriff

Zu Beginn wird die Blutgruppe der Frau festgestellt. Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, falls es im Laufe der Abtreibung zu starken Blutungen kommen sollte und eine Bluttransfusion nötig werden sollte.

 

Ablauf des Schwangerschaftsabbruchs mit Abtreibungspille

  • Zunächst muss die schwangere Frau ein bis drei Tabletten Mifegyne® einnehmen, die je 200 Milligramm Mifepriston enthalten. Mindestens zwei Stunden nach Verabreichung des Mittels wird sie ärztlich ĂĽberwacht. Nach dieser Beobachtungsphase erfolgt die Entlassung nach Hause.
     
  • Zwei bis drei Tage später: Mifegyne® allein fĂĽhrt jedoch in den meisten Fällen nicht zu einer AusstoĂźung des Embryos. Die Abtreibung mit Mifegyne® schlieĂźt in der Regel auch die Gabe von einem weiteren, im Handel ĂĽblicherweise als Cytotec® bezeichneten, Medikament mit dem Wirkstoff Misoprostol ein. Dieses wird zwei bis drei Tage später vom Arzt verabreicht.
     
  • Misoprostol ist ein kĂĽnstlich hergestelltes Prostaglandin, das Wehen auslöst. Dieses Prostaglandin bewirkt bei einer Abtreibung, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und eine Blutung einsetzt. Eine Ăśberwachung bzw. Betreuung der Frau während der Austreibungsphase muss gewährleistet sein. 
     
  • Innerhalb von etwa zwei Stunden nach Verabreichung des Wehenmittels setzt meist eine Blutung ein, und der Embryo wird ausgestoĂźen. Sollten die Blutungen nach drei Stunden noch nicht begonnen haben, muss ein weiteres Mal Prostaglandin verabreicht werden.

 

Nach dem Eingriff 

Sieben bis einundzwanzig Tage nach Verabreichung des Wehenmittels ist eine Nachuntersuchung erforderlich. Mittels Ultraschall oder laborchemischer Methoden wird festgestellt, ob der Embryo und das Plazentagewebe mit den Chorionzotten tatsächlich vollständig ausgestoßen wurden.

Falls das nicht der Fall ist, kann eine zweite Medikamenteneinnahme oder eine Ausschabung notwendig werden, wodurch auch weitere Kosten entstehen.

 

Schonend oder belastend? – mögliche Risiken

Auf den ersten Blick erscheint eine Abtreibung mit Tabletten als schonender und weniger belastend für die Frau – immerhin wäre die Alternative eine kleine Operation. Dennoch gibt es eine Reihe von Faktoren, die beachtet werden sollten:

 

Mögliche körperliche belastende Faktoren

Ein Schwangerschasftabbruch mit der Abtreibungspille Mifegyne® und Prostaglandin ist körperlich herausfordernd – hormonell gesehen, aber etwa auch dadurch, dass sie sich über mehrere Tage hinzieht.

 

Mögliche psychische belastende Faktoren

Zudem berichten Frauen immer wieder von der hohen psychischen Belastung, die sie dabei durchlebt haben:

  • Die Frau muss die Tabletten selbst einnehmen und leitet damit den Vorgang der Abtreibung aktiv ein.
  • So manche Frau ist nach der Einnahme der ersten Tabletten immer noch hin- und hergerissen und ringt weiter, ob sie den Schritt der Abtreibung wirklich gehen will. Dann stellt sich die Frage, ob es schon zu spät ist, das Kind doch noch lebend zu bekommen. (Nach der Einnahme von Mifepriston ist der Schwangerschaftsabbruch in den meisten Fällen nicht mehr aufzuhalten.)
  • Viele Frauen empfinden es als eine besondere Belastung, dass sie sozusagen „live“ dabei sind und ganz bewusst erleben, wie ĂĽber mehrere Tage hinweg das Geschehen seinen Lauf nimmt.

Unter "Mögliche psychische Folgen einer Abtreibung" findest Du mehr Informationen zum Thema. Falls Dich genauere Erfahrungsberichte zum Thema interessieren, kannst Du in unserem Forum weiterlesen.  

 

Wie kann es fĂĽr mich weitergehen?

Womöglich bist Du selbst schwanger und empfindest die Situation momentan als sehr belastend – wie viele andere Frauen auch. Vielleicht kam die Schwangerschaft überraschend und zu einem für Dich ungünstigen Zeitpunkt. Womöglich spricht sich Dein Partner gegen dieses Kind aus. Vielleicht hast Du schon mehrere Kinder und weißt nicht, wie Du einem weiteren gerecht werden kannst?


Gerne kannst Du Dich mit all Deinen Fragen, Zweifeln und Ängsten bei uns Beraterinnen melden. Wir können – wenn Du das magst – gemeinsam mit Dir überlegen, welche verschiedenen Optionen es für Dich geben könnte und stehen Dir in dieser schweren Zeit sehr gerne mit Rat und Tat bei:

 

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Quellen: