K├╝ndigung in der Schwangerschaft

K├╝ndigung in der Schwangerschaft
zuletzt aktualisiert: 30.06.2021

Darf man eine schwangere Frau kündigen? 

  • Schwangere Frauen sind in besonderer Weise gesch├╝tzt und d├╝rfen bis auf wenige Ausnahmef├Ąlle nicht gek├╝ndigt werden (K├╝ndigungsschutz).ÔÇĘ
     
  • Der K├╝ndigungsschutz gilt von Beginn der Schwangerschaft bis vier Monate nach der Geburt.ÔÇĘ
     
  • Wenn Du gek├╝ndigt worden bist und bei Deiner K├╝ndigung schon schwanger warst, es aber nicht gewusst hast, gilt der K├╝ndigungsschutz trotzdem.

 

Besonderer K├╝ndigungsschutz in der Schwangerschaft

Es gibt eine gute Nachricht: In fast allen F├Ąllen bist Du durch das Mutterschutzgesetz ┬ž 17 vor einer K├╝ndigung gesch├╝tzt, wenn Du schwanger bist. Es besteht ein K├╝ndigungsverbot f├╝r Deinen Arbeitgeber.

Dieser K├╝ndigungsschutz bei Schwangerschaft gilt auchÔÇŽ

Das Mutterschutzgesetz soll Dich vor dem psychischen Druck einer K├╝ndigung bewahren und sicherstellen, dass Du nach der Entbindung finanziell versorgt bist.

 

Dauer des K├╝ndigungsschutzes

Der Schutz vor K├╝ndigung beginnt mit dem Eintritt der Schwangerschaft und endet 4 Monate nach der Geburt Deines Babys. Mit dem Ende dieser Frist kann Dir dann wieder nach den vertraglich geregelten oder gesetzlichen K├╝ndigungsfristen gek├╝ndigt werden.

Wenn Du nach der Geburt in Elternzeit gehen m├Âchtest, verl├Ąngert sich der K├╝ndigungsschutz bis zum Ende der Elternzeit.

├ťbrigens: Auch f├╝r den traurigen Fall einer Fehlgeburt nach der 12. Schwangerschaftswoche besteht der K├╝ndigungsschutz noch vier Monate fort. Damit wird die psychische Belastung durch eine Fehlgeburt ber├╝cksichtigt.

 

Gek├╝ndigt und jetzt schwanger ÔÇô was tun?

Auch wenn Du erst nach der K├╝ndigung erfahren hast, dass Du bei der K├╝ndigung bereits schwanger warst, oder wann Dein Chef Dir gek├╝ndigt hat, weil er es nicht wusste, kannst Du den K├╝ndigungsschutz geltend machen. Folgende Schritte kannst Du dann gehen:

 

1. Arbeitgeber informieren

Wenn Dein Chef zum Zeitpunkt der K├╝ndigung noch nichts von Deiner Schwangerschaft wusste, so solltest Du ihm innerhalb von 14 Tagen mitteilen, dass Du schwanger bist. Am besten machst Du das (auch) schriftlich. Es ist au├čerdem sinnvoll, ein ├Ąrztliches Attest beizuf├╝gen.

Dadurch wird die bereits ausgesprochene K├╝ndigung unwirksam.

 

2. Der K├╝ndigung widersprechen

Spricht Dein Arbeitgeber ohne Zustimmung der Aufsichtsbeh├Ârde trotz Deiner Schwangerschaft eine K├╝ndigung aus, dann ist diese K├╝ndigung unwirksam.

Du solltest der K├╝ndigung schriftlich widersprechen und dabei auch den Arbeitgeber zur R├╝cknahme der K├╝ndigung auffordern. So signalisierst Du, dass Du gerne weiter in diesem Betrieb arbeiten m├Âchtest.

 

3. Klage beim Arbeitsgericht erheben

Au├čerdem solltest Du innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen K├╝ndigung Klage vor dem Arbeitsgericht erheben. F├╝r Dich zust├Ąndig ist das Gericht in dem Bezirk, in dem Du arbeitest.

Wird die K├╝ndigung infolge Deiner Klage f├╝r nichtig erkl├Ąrt, muss der Arbeitgeber Dich weiter bezahlen und w├Ąhrend der Mutterschutzfristen auch den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld zahlen.

ÔŁŚ´ŞĆWichtig: Bei all dem Du musst zum Zeitpunkt der K├╝ndigung bereits schwanger gewesen sein. Ob Du selbst schon von der Schwangerschaft wusstest oder nicht, spielt dagegen keine Rolle.

Erf├Ąhrst Du selbst erst sp├Ąter von Deiner Schwangerschaft, so solltest Du Deinen Arbeitgeber schnellstm├Âglich in Kenntnis setzen. Ist die dreiw├Âchige Klagefrist schon verstrichen, kannst Du trotzdem beim Amtsgericht eine versp├Ątete Klage beantragen.

 

Ausnahmef├Ąlle: Gr├╝nde f├╝r eine K├╝ndigung in der Schwangerschaft

Im Allgemeinen hat der Arbeitgeber also fast keine M├Âglichkeit, Dein Arbeitsverh├Ąltnis zu beenden, sobald Du schwanger bist. Die einzigen Ausnahmen sindÔÇŽ

  • wenn Dein Arbeitgeber Insolvenz anmeldet oder der Betrieb stillgelegt wird (Betriebsschlie├čung),
  • wenn Du in einem Kleinbetrieb arbeitest, der ohne Deine Arbeitskraft nicht fortbestehen kann, oder
  • wenn Du eine besonders schwere Pflichtverletzung begehst.

Eine solche K├╝ndigung in der Schwangerschaft darf aber nichts mit der Schwangerschaft zu tun haben und muss erst noch von der zust├Ąndigen Aufsichtsbeh├Ârde genehmigt werden. Gegen diese Zustimmung der Aufsichtsbeh├Ârde kannst Du Widerspruch einlegen.

 

Sonderfall: Befristeter Vertrag

Auch wenn Du in einem befristeten Arbeitsverh├Ąltnis arbeitest, stehst Du als unter K├╝ndigungsschutz, wenn Du schwanger bist. Allerdings l├Ąuft Dein Arbeitsvertrag w├Ąhrend der Schwangerschaft ganz normal weiter und endet zum vorgesehenen Zeitpunkt. Ein K├╝ndigung ist deswegen f├╝r die Beendigung des Arbeitsverh├Ąltnisses gar nicht n├Âtig.

 

Selbst k├╝ndigen in der Schwangerschaft

Du darfst in der Schwangerschaft ohne Weiteres von Dir selbst aus k├╝ndigen. Denn das K├╝ndigungsverbot in der Schwangerschaft gilt nur f├╝r den Arbeitgeber. Allerdings bist Du verpflichtet, die f├╝r Dich geltenden gesetzlichen oder vereinbarten K├╝ndigungsfristen einzuhalten.

Eine solche Eigenk├╝ndigung solltest Du aber gut abw├Ągen ÔÇô denn mit der Beendigung des Besch├Ąftigungsverh├Ąltnisses hast Du auch keine Anspr├╝che mehr gegen├╝ber Deinem Arbeitgeber. Dies betrifft nat├╝rlich das Arbeitsentgelt (Gehalt), aber auch den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld, die Berechnung des Elterngeldes, und anderes mehr.

Somit ist es in den seltensten F├Ąllen sinnvoll, selbst zu k├╝ndigen. Wichtig ist es, sich vor einer K├╝ndigung unbedingt gut zu informieren, weil diese nicht r├╝ckg├Ąngig gemacht werden kann.

 

Wie werden die anderen reagieren?

Auch wenn Dir nicht gek├╝ndigt werden kann und Dein Arbeitsplatz somit sicher ist, macht es Dir m├Âglicherweise Sorgen, dass Kollegen oder Vorgesetzte Deine Schwangerschaft nicht gut aufnehmen k├Ânnten.

Vielleicht war das Verh├Ąltnis schon zuvor nicht ganz einfach. Oder Dein Arbeitgeber setzt gro├če Hoffnungen auf Dich, die mit einer Schwangerschaft dann erst einmal nicht wie geplant erf├╝llt werden k├Ânnen. Auch andere F├Ąlle sind denkbar, in denen ein Chef nicht so positiv auf die gro├če Neuigkeit reagiert.

Allerdings darfst Du Dir bewusst machen: Dein Arbeitgeber hat Dich eingestellt in dem Bewusstsein, dass Du schwanger werden kannst. Du brauchst also kein schlechtes Gewissen zu haben und darfst Dich gegen unfaire Behandlung zur Wehr setzen!

Solltest Du wegen Deiner Schwangerschaft bereits mit Problemen am Arbeitsplatz k├Ąmpfen, ├╝berlegen wir gerne mit Dir, wie Du nun vorgehen kannst. Auch wenn du schon im Vorfeld alles einmal durchspielen oder verschiedene M├Âglichkeiten ├╝berlegen m├Âchtest, darfst Du Dich bei uns melden:

Wenn Du m├Âchtest, kannst Du Dich auch mit allen anderen Fragen und Sorgen, die Dich rund um die Schwangerschaft momentan besch├Ąftigen, an uns Beraterinnen wenden. Wir sind gern f├╝r Dich da!

 

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