Abtreibung bei Behinderung

Informationen zur Spätabtreibung

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Informationen zur Spätabtreibung

 

  • Eine Spätabtreibung ist ein Schwangerschaftsabbruch, der zu einem späteren Zeitpunkt geschieht als normal zulässig. In Deutschland also nach der 12. Woche.
  • Dafür müssen besondere Gründe vorliegen, zum Beispiel die medizinische Indikation. Dabei geht es jedoch nur um die Gesundheit der Frau. Wegen einer (möglichen) Behinderung des Kindes ist eine Abtreibung rechtlich eigentlich nicht möglich.
  • Für einen späten Schwangerschaftsabbruch gibt es andere Methoden, als für eine Abtreibung innerhalb der ersten 12 Wochen.

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Was ist eine Spätabtreibung und wie lange ist sie möglich?

Als Spätabtreibung oder Spätabbruch bezeichnet man einen Schwangerschaftsabbruch, der zu einem späteren Zeitpunkt als normal zulässig durchgeführt wird. Theoretisch ist eine solche späte Abtreibung bis zur Geburt/bis kurz vor der Geburt möglich.

 

Gesetzliche Regelungen zur Spätabtreibung in Deutschland

Grundsätzlich gilt in Deutschland, dass ein Schwangerschaftsabbruch nach der Beratungsregelung bis zur 12. Woche nach der Befruchtung straffrei bleibt. Ausnahmen für straffreie Abtreibungen, die nicht der Beratungsregelung folgen, regelt das deutsche Gesetz durch den Paragraphen 218 a Abs. 2 StGB.

Demnach gibt es Gründe, die einen Spätabbruch nach der 12. Schwangerschaftswoche per Gesetz in Deutschland rechtfertigen können. Dafür muss eine von zwei Indikationen vorliegen und ärztlich dokumentiert sein:

medizinische Indikation
kriminologische Indikation

 

Ist eine späte Abtreibung wegen Behinderung möglich?

Für den Abbruch einer Schwangerschaft nach Ablauf der gesetzlichen Frist müssen in Deutschland besondere Gründe („Indikation“) vorliegen.

Wenn bei der Frau außergewöhnliche medizinische Beeinträchtigungen vorliegen, kann dies eine sogenannte medizinische Indikation begründen. Ein Arzt kann eine solche Indikation feststellen. In diesem Fall ist ein später Schwangerschaftsabbruch möglich.

Beachte:

  • Eine gesundheitliche Beeinträchtigung beim Kind (= sichere oder mögliche Behinderung) gilt in Deutschland nicht als Indikation für eine Spätabtreibung – in der Realität kommt es aber doch zu Spätabtreibungen, die de facto eine unmittelbare Folge der Behinderung des Ungeborenen sind.
  • Dasselbe gilt für die kriminologische Indikation (also wenn die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung entstanden ist). Ein Beratungsschein ist in diesem Fall zwar nicht notwendig, die Frau kann aber nur innerhalb der regulären Frist, also bis zur 12. Woche straffrei einen Schwangerschaftsabbruch machen lassen. Es sei denn, es liegt durch die Vergewaltigung auch eine medizinische Indikation vor.

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Ablauf eines Spätabbruchs

Sollte eine entsprechende Indikation vorliegen und eine Frau den Weg einer Spätabtreibung wählen, geht es folgendermaßen weiter:

  • Zunächst muss der Arzt, der die medizinische Indikation ausstellt, die schwangere Frau umfassend beraten, was die Spätabtreibung aus medizinischer und psychischer Sicht bedeutet. Denn angesichts der in einem solchen Fall schon recht weit fortgeschrittenen Schwangerschaft kann sich dieser Eingriff sehr belastend und prägend auf die Psyche einer Frau auswirken. Der Arzt ist außerdem verpflichtet, auf weitere psychosoziale Beratungsangebote hinzuweisen, die die Frau wahrnehmen kann, wenn sie das möchte.

  • Zwischen ärztlicher Konsultation und Einleitung des Abbruchs ist bei der Spätabtreibung eine Bedenkzeit von 3 Tagen gesetzlich vorgeschrieben.
  • Außerdem tritt in einem solchen Fall meist der sogenannte Ethikrat der Klinik zusammen, in der die Spätabtreibung durchgeführt werden soll. Dieser entscheidet gemeinsam, ob der Spätabbruch durchgeführt wird. Auch für das medizinische Personal ist ein Spätabbruch keine Alltags-Routine.

 

Methoden eines späten Schwangerschaftsabbruchs

Wenn eine Schwangerschaft durch einen Spätabbruch, also nach der gesetzlich erlaubten Frist beendet wird, werden andere Methoden angewandt als gewöhnlich. Denn in diesem Stadium der Schwangerschaft ist in der Regel weder eine medikamentöse Abtreibung mit Mifegyne noch eine Ausschabung oder Absaugung möglich.

Bei einem späten Schwangerschaftsabbruch wird deshalb eine Geburt durch Medikamente eingeleitet. Wenn diese Medikation ihre Wirkung zeigt, beginnt der Geburtsvorgang, der von Ärzten und Hebammen begleitet wird. Je nach Stadium der Schwangerschaft gibt es folgende zwei Methoden der Spätabtreibung:

Stadium der Schwangerschaft

Methode

Kind außerhalb des Mutterleibs noch nicht lebensfähig

Einleitung der Geburt als Abtreibung. In diesem Fall stirbt das Kind in aller Regel während des Geburtsvorgangs.

Kind außerhalb des Mutterleibes lebensfähig

Fetozid: Dem Kind wird durch eine Spritze eine Kaliumchlorid-Lösung injiziert. Dadurch kommt es zum Herzstillstand und Tod. Danach wir die Geburt eingeleitet.

  • Solange das Kind außerhalb des Mutterleibs noch nicht lebensfähig ist, genügt die Einleitung der Geburt als Abtreibung. Denn in diesem Fall stirbt das Kind in aller Regel während des Geburtsvorgangs.
  • Sobald das Kind jedoch außerhalb des Mutterleibes lebensfähig wäre, müssten die Ärzte direkt nach der Geburt alles tun, um das Leben des Kindes zu erhalten, sollte es lebend zur Welt kommen. Daher kann in diesem Fall das Kind vor der Einleitung der Geburt im Mutterleib getötet werden (Fetozid). Bei dieser Methode des Schwangerschaftsabbruchs wird dem Kind durch eine Spritze eine Kaliumchlorid-Lösung injiziert. Dadurch kommt es zum Herzstillstand und Tod.

 

Schwanger und das Kind ist (vielleicht) behindert

Wenn im Verlauf der Schwangerschaft ein auffälliger Befund vorliegt oder eine Behinderung festgestellt wird, kann das den werdenden Eltern den Boden unter den Füßen wegreißen. So viele Träume und Pläne geraten ins Wanken, und die Situation kann zur enormen Belastung werden.

Vielleicht liest Du diesen Artikel, weil Du nach einer pränatalen Untersuchung genau diese aufreibende Situation gerade durchlebst. Womöglich hast Du kürzlich eine erschütternde Diagnose oder Vermutung vom Arzt erhalten und fragst Dich nun, wie Du entscheiden sollst?

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Spätabtreibung? Wenn Du selbst vor der Frage stehst…

Neben einem auffälligen pränatalen Befund könnten auch andere Gründe Dich bewegen, Dir die Frage zu stellen: Spätabtreibung – ja oder nein? Möglicherweise hast Du gerade erfahren, dass sich in Deiner Schwangerschaft unerwartete Schwierigkeiten auftun, die Du vorher gar nicht absehen konntest.

Viele betroffene Frauen machen in dieser Situation zudem die Erfahrung, dass auch ihr Umfeld völlig überfordert ist und nicht weiß, wie es sich verhalten soll. Womöglich wurde Dir mit Ratlosigkeit oder eher verletzenden Pauschalurteilen begegnet. Du triffst vielleicht auf gar kein Verständnis und weißt nicht, mit wem Du über alles einmal sprechen kannst?

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Die Fakten: Häufigkeit von Spätabtreibungen in Deutschland

Im Jahr 2019 wurden in Deutschland insgesamt 2919 Spätabtreibungen durchgeführt.

Anzahl der SpätabtreibungEN in Deutschland im Jahr 2019

12. - 21. Schwangerschaftswoche

2.271

ab der 22. Schwangerschaftswoche

648

gesamt

2.919

 

Mit besonderer Indikation wurden im Jahr 2019 insgesamt 3.892 Abtreibungen vorgenommen.

Anzahl der Abtreibungen mit besonderer Indikation
in Deutschland im Jahr 2019

Nach medizinischer Indikation

3.875

Nach kriminologischer Indikation

17

Gesamt

3.892

 

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Quellen:

Bundesstelle zur gesundheitlichen Aufklärung (BzgA) (Stand Juli 2019)
Statistisches Bundesamt (Stand August 2019)

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