Abtreibung bei Behinderung?

Informationen zur Spätabtreibung

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Was kann ich tun, wenn ich vor der Frage stehe: Spätabtreibung ja – oder nein?

  • Eine Spätabtreibung ist ein Schwangerschaftsabbruch, der zu einem späteren Zeitpunkt geschieht als normalerweise zulässig. In Deutschland also nach der 12. Woche. Aus medizinischen Gründen werden andere Abtreibungsmethoden angewendet als innerhalb der ersten 12 Wochen.
  • Für eine Spätabtreibung müssen bestimmte Gründe vorliegen, zum Beispiel die medizinische Indikation. Dabei geht es aber nur um die Gesundheit der Frau. Wegen einer (möglichen) Behinderung des Kindes ist eine Abtreibung rechtlich eigentlich nicht möglich.
  • Häufig denken Frauen über einen späten Schwangerschaftsabbruch nach, wenn nach einer pränatalen Untersuchung ein auffälliger Befund oder eine Diagnose vorliegt. Oft ist diese Nachricht ein regelrechter Schock und kann zu verschiedensten Ängsten führen. Es ist ratsam, damit nicht alleine zu bleiben! 💚

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Spätabtreibung – Dein Selbsttest

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Was ist eine Spätabtreibung und wie lange ist sie möglich?

Als Spätabtreibung oder Spätabbruch bezeichnet man einen Schwangerschaftsabbruch, der zu einem späteren Zeitpunkt als normal zulässig durchgeführt wird. Theoretisch ist eine solche späte Abtreibung bis zur Geburt oder bis kurz vor der Geburt möglich.

🕰 Solltest Du selbst vor der Frage stehen, hättest Du demnach noch Zeit, um für Dich zu überlegen, wie Dein Weg aussehen könnte. Frauen berichten immer wieder, dass sie sich wie in einem Marathon befinden – im Wettlauf mit ihren Ängsten und Hoffnungen.
Auch kann im medizinischen Alltag der Eindruck entstehen, schnell entscheiden und handeln zu müssen. Aber Du darfst jeden einzelnen Schritt für Dich abwägen und Dir Zeit lassen: Was möchte ich? Wer kann jetzt für mich da sein? Was wünsche ich mir auf lange Sicht?

📘Lesetipp:
Auffälliger Befund/positive Diagnose – Wahrscheinlichkeiten und mögliche Folgeuntersuchungen: 
Wie kann es jetzt für mich weitergehen?

 

Gesetzliche Regelungen zur Spätabtreibung in Deutschland

Grundsätzlich gilt in Deutschland, dass ein Schwangerschaftsabbruch nach der Beratungsregelung bis zur 12. Woche nach der Befruchtung straffrei bleibt. Ausnahmen für straffreie Abtreibungen, die nicht der Beratungsregelung folgen, regelt das deutsche Gesetz durch den Paragraphen 218a des Strafgesetzbuches  (§ 218a Absatz 2f. StGB).

Demnach gibt es Gründe, die einen Spätabbruch nach der 12. Schwangerschaftswoche per Gesetz in Deutschland rechtfertigen können. Dafür muss eine von zwei Indikationen vorliegen und ärztlich dokumentiert sein:

medizinische Indikation
kriminologische Indikation

 

Ist eine späte Abtreibung wegen Behinderung möglich?

Für den Abbruch einer Schwangerschaft nach Ablauf der gesetzlichen Frist müssen in Deutschland besondere Gründe („Indikation“) vorliegen.

Wenn bei der Frau außergewöhnliche medizinische Beeinträchtigungen vorliegen, kann dies eine sogenannte medizinische Indikation begründen. Ein Arzt kann eine solche Indikation feststellen. In diesem Fall ist ein später Schwangerschaftsabbruch möglich.

🩺 Ein Problem dabei ist aber, dass solch ein Befund noch keine sichere Bestätigung ist und es häufig zu Fehl-Diagnosen kommt.
Daher ist es empfehlenswert, sich in Ruhe eine ärztliche Zweit-oder Dritt-Meinung oder eine weitere Abklärung bei spezialisierten Fachärzten einzuholen.
Erst im weiteren Verlauf der Schwangerschaft zeigt sich häufig, ob der Verdacht wirklich begründet ist. Immer wieder kommt es vor, dass ein Kind gesund zur Welt kommt, obwohl im Vorfeld ein Befund Auffälligkeiten gezeigt hat.

Beachte:

  • Eine gesundheitliche Beeinträchtigung beim Kind (= sichere oder mögliche Behinderung) gilt in Deutschland nicht als Indikation für eine Spätabtreibung – in der Realität kommt es aber doch zu Spätabtreibungen, die de facto eine unmittelbare Folge der Behinderung des Ungeborenen sind.
  • Dasselbe gilt für die kriminologische Indikation (also wenn die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung entstanden ist). Ein Beratungsschein ist in diesem Fall zwar nicht notwendig, die Frau kann aber nur innerhalb der regulären Frist, also bis zur 12. Woche straffrei einen Schwangerschaftsabbruch machen lassen. Es sei denn, es liegt durch die Vergewaltigung auch eine medizinische Indikation vor.

Du bist schwanger nach einer Vergewaltigung? – 🙌 Schnelle Hilfe und mögliche Anlaufstellen für Dich

🤰Vielleicht liest Du diesen Artikel, weil bei Dir erst spät festgestellt wurde, dass Du schwanger bist – oder Du denkst aufgrund einer Diagnose bei Deinem Kind über eine Spätabreibung nach…? Du weißt nicht, wie Du die Wartezeit bis zu weiteren Untersuchungsergebnissen nervlich aushalten kannst?

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Häufige pränatale Diagnosen und was sie bedeuten
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Schwanger und das Kind ist (vielleicht) behindert

Wenn im Verlauf der Schwangerschaft ein auffälliger Befund vorliegt oder eine Behinderung / Erkrankung festgestellt wird, kann das den werdenden Eltern den Boden unter den Füßen wegreißen. So viele Träume und Pläne geraten ins Wanken, und die Situation kann zur enormen Belastung werden.
Natürlich wünscht sich jeder, dass sein Kind gesund ist.

🍷🚬 Tabak/Alkohol/Drogen konsumiert – zum Tox-Test: Ist mein Kind gesund?

Vielleicht liest Du diesen Artikel, weil Du nach einer pränatalen Untersuchung genau diese aufreibende Situation gerade durchlebst. Du hast kürzlich eine erschütternde Diagnose oder Vermutung vom Arzt erhalten und fragst Dich nun, wie Dein Weg aussehen soll?
Möglicherweise wurde auch die Option in den Raum geworfen, die Schwangerschaft abzubrechen. 

💭 Vielleicht setzt Du Dich dann mit solchen oder ähnlichen Fragen auseinander:

  • Kann ich sicher sein, ob mein Kind wirklich eine Behinderung hat und in welchem Ausmaß?
  • Wie wird das Umfeld reagieren? 
  • Keiner versteht meine Sorgen – wem kann ich mich anvertrauen?
  • Kann ich das überhaupt schaffen, einem besonderen Kind mit seinen Bedürfnissen gerecht zu werden?
  • Was kommt auf mich zu, wenn ich mich für dieses Kind entscheide?
  • Und welche Hilfe und Unterstützung gibt es?
  • Hat ein besonderes Kind nicht auch ein Recht auf Leben und möchte es leben? Darf und kann ich das entscheiden? Wäre eine Pflegschaft oder Adoption für mich eine Alternative?
  • Wie haben andere Eltern das nur gemacht? Wie ging es ihnen in dieser Zeit? Könnte mir ein Austausch helfen?

Alle diese Fragen und verschiedenen Gefühle darfst Du zulassen. Manchen Frauen hilft es auch, sich mit anderen betroffenen Eltern auszutauschen und auch einen Einblick in den familiären Alltag zu bekommen. Oder sich über praktische Hilfsangebote oder finanzielle Unterstützung zu informieren. 
So kann ein greifbareres Bild entstehen, wie ein Leben mit einem behindertem Kind aussehen könnte – ganz unverbindlich natürlich und offen für jede Art der Entscheidung.

🤝 Wenn Du möchtest, können wir Beraterinnen einen solchen Kontakt herstellen oder Du schaust in unserem Forum vorbei. Wir sind auch für Dich da, damit Du Deine Gedanken und Gefühle erst einmal sortieren kannst. 
In jedem Fall musst Du damit nicht alleine bleiben!

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Ablauf eines Spätabbruchs

Sollte eine entsprechende Indikation vorliegen und eine Frau den Weg einer Spätabtreibung wählen, geht es folgendermaßen weiter:

  • Zunächst muss der Arzt, der die medizinische Indikation ausstellt, die schwangere Frau umfassend beraten, was die Spätabtreibung aus medizinischer und psychischer Sicht bedeutet. Denn angesichts der in einem solchen Fall schon recht weit fortgeschrittenen Schwangerschaft kann sich dieser Eingriff sehr belastend und prägend auf die Psyche einer Frau auswirken. Der Arzt ist außerdem verpflichtet, auf weitere psychosoziale Beratungsangebote hinzuweisen, die die Frau wahrnehmen kann, wenn sie das möchte.

  • Zwischen ärztlicher Konsultation und Einleitung des Abbruchs ist bei der Spätabtreibung eine Bedenkzeit von 3 Tagen gesetzlich vorgeschrieben.
  • Außerdem tritt in einem solchen Fall meist der sogenannte Ethikrat der Klinik zusammen, in der die Spätabtreibung durchgeführt werden soll. Dieser entscheidet gemeinsam, ob der Spätabbruch durchgeführt wird. Auch für das medizinische Personal ist ein Spätabbruch keine Routine.

 

Methoden eines späten Schwangerschaftsabbruchs

Wenn eine Schwangerschaft durch einen Spätabbruch – also nach der gesetzlich erlaubten Frist beendet wird, werden andere Methoden angewendet als gewöhnlich. Denn in diesem Stadium der Schwangerschaft ist in der Regel weder eine medikamentöse Abtreibung mit Mifegyne noch eine Ausschabung oder Absaugung möglich.

Bei einem späten Schwangerschaftsabbruch wird deshalb eine Geburt durch Medikamente eingeleitet. Wenn diese Medikation ihre Wirkung zeigt, beginnt der Geburtsvorgang, der von Ärzten und Hebammen begleitet wird. Je nach Stadium der Schwangerschaft gibt es folgende zwei Methoden der Spätabtreibung:

Stadium der Schwangerschaft

Methode

Kind außerhalb des Mutterleibs noch nicht lebensfähig (bis zur ca. 20 SSW)

Einleitung der Geburt als Abtreibung. In diesem Fall stirbt das Kind in aller Regel während des Geburtsvorgangs.

Kind außerhalb des Mutterleibes lebensfähig (ab der ca. 20. SSW)

Fetozid: Dem Kind wird durch eine Spritze eine Kaliumchlorid-Lösung injiziert. Dadurch kommt es zum Herzstillstand und Tod. Danach wir die Geburt eingeleitet.

  • Solange das Kind außerhalb des Mutterleibs noch nicht lebensfähig ist, wird die Geburt eingeleitet. Denn in diesem Fall stirbt das Kind in aller Regel während des Geburtsvorgangs.
  • Sobald das Kind jedoch außerhalb des Mutterleibes lebensfähig wäre, müssten die Ärzte direkt nach der Geburt alles tun, um das Leben des Kindes zu erhalten, sollte es lebend zur Welt kommen. Daher kann in diesem Fall das Kind vor der Einleitung der Geburt im Mutterleib getötet werden (Fetozid). Bei dieser Methode des Schwangerschaftsabbruchs wird dem Kind durch eine Spritze eine Kaliumchlorid-Lösung injiziert. Dadurch kommt es zum Herzstillstand und Tod.

 

Spätabtreibung? Wenn Du selbst vor der Frage stehst…

Neben einem auffälligen pränatalen Befund, könntest Du Dir auch aus einem ganz anderen Grund die Frage stellen: Spätabtreibung – ja oder nein? Möglicherweise hast Du gerade erfahren, dass sich in Deiner Schwangerschaft unerwartete Schwierigkeiten auftun, die Du vorher gar nicht absehen konntest.

Viele betroffene Frauen machen in dieser Situation zudem die Erfahrung, dass auch ihr Umfeld völlig überfordert ist und nicht weiß, wie es sich verhalten soll. Oder auch Dein Partner erlebt sich als hilflos und kann nicht so für Dich da sein, wie Du es erhoffst? 

Womöglich wurde Dir mit Ratlosigkeit oder eher verletzenden Pauschalurteilen begegnet. Du triffst vielleicht auf gar kein Verständnis und weißt nicht, mit wem Du über alles einmal sprechen kannst? 

💬 Gerade in diesem Fall kann der persönliche Austausch mit einer erfahrenen Beraterin große Entlastung bieten. Wenn Du Dir auch jemanden wünschst, der Dir einfach zuhört, ohne Dich zu verurteilen, dann wende Dich gerne an unsere Beratung! Wir nehmen uns gerne Zeit für Dich, um Dich auf der Suche nach einer guten Entscheidung zu begleiten.

💌 Erzähle uns gerne von Deiner persönlichen Situation – per Mail, WhatsApp oder über unsere Hotline

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Quellen:

Bundesstelle zur gesundheitlichen Aufklärung (BzgA) (Stand Juli 2019)
Statistisches Bundesamt (Stand August 2019)

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