Spätabtreibung

Spätabtreibung: Gesetzeslage shutterstock_156896636

Wenn die medizinische Indikation greift, sind Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland auch nach der 12. Schwangerschaftswoche straffrei. Die medizinische Indikation wird dann festgestellt, wenn durch das (weitere) Austragen der Schwangerschaft körperliche oder seelische Schäden für die Frau drohen. Zwischen ärztlicher Konsultation und Einleitung des Abbruchs ist bei der Spätabtreibung eine Bedenkzeit von 3 Tagen gesetzlich vorgeschrieben.

Nicht einfach für betroffene Frauen ist es, eine wirklich eigenständige Entscheidung zu treffen. Zu viel strömt auf die Schwangere ein. Dabei spielt auch oft die Angst eine große Rolle, ob das Leben mit einem behinderten Kind auch finanziell bewältigt werden kann und wie das Umfeld auf ein behindertes Kind reagieren würde.

Auch haben die Eltern vielleicht noch gar keine rechte Vorstellung, was es bedeuten könnte, ein behindertes Kind zu haben. In der Vorstellung der Eltern war das Ungeborene bisher immer ein vollkommen gesunder Mensch; die Wahrscheinlichkeit, dass es „uns treffen kann“, hat man nicht unbedingt mit allen Konsequenzen einberechnet…

Keine Schwangere sollte sich durch eine entsprechende Diagnose dazu gedrängt fühlen, ein behindertes Kind abzutreiben, da kein anderer außer sie selbst wirklich beurteilen kann, was ein solcher Eingriff für die Frau bedeutet.

Wurde bei Ihrem ungeborenen Kind eine Behinderung diagnostiziert? Haben Sie Gesprächsbedarf und wissen nicht, wie es jetzt weitergehen soll? Gerne dürfen Sie sich an die Beratung von Pro Femina wenden!

 

Spätabtreibung: Ablauf

Bei einer Spätabtreibung wird das Kind nach Verabreichung von Wehenmitteln (Prostaglandine) als Totgeburt zur Welt gebracht. Dieser künstlich herbeigeführte Geburtsvorgang dauert erfahrungsgemäß 10-24 Stunden.

Bis ca. zur 20. Schwangerschaftswoche stirbt das Kind während des künstlich begonnenen Geburtsvorgangs. Ist das Kind außerhalb des Mutterleibs überlebensfähig (ca. ab der 22. Schwangerschaftswoche), wird das Kind zuerst im Mutterleib getötet und dann geboren. Die Tötung erfolgt in der Regel durch eine Kaliuminjektion in das Herz des Kindes, welches dadurch zu schlagen aufhört.

Wenn eine Krankheit beim Kind nach der 12. Schwangerschaftswoche diagnostiziert wird, kann der Arzt feststellen, dass es für die Schwangere ein lebensgefährliches Risiko gibt, wenn sie die Schwangerschaft nicht beendet – z.B. schwerwiegende psychische Probleme. Zwischen ärztlicher Konsultation und Einleitung des Abbruchs ist bei der Spätabtreibung eine Bedenkzeit von 3 Tagen gesetzlich vorgeschrieben.

Eine Spätabtreibung birgt für die Schwangeren besondere psychische Risiken:

  1. Die emotionale Bindung zum heranwachsenden Kind steigt in der Regel im Laufe der Schwangerschaft. Dementsprechend wahrscheinlich ist es, dass sich im Anschluss an eine Spätabtreibung Trauer- und Verlustgefühle bei der Schwangeren einstellen.
  2. Bei der Spätabtreibung wird das Kind im Mutterleib getötet und anschließend auf natürlichem Wege tot geboren. Die Mutter muss aktiv an der Geburt des toten Kindes mitwirken. Die physische und psychische Belastung, die mit diesem Vorgang verbunden ist, kann für die Frau zum Trauma werden.
Besonders bekannt ist im deutschsprachigen Raum der Fall von Tim, einem Jungen mit Down-Syndrom, der seine eigene Spätabtreibung überlebte und jetzt bei einer Pflegefamilie wohnt:

 

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