Schwanger unter 18

Abtreibung unter 18

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Wie kann das gehen, was muss ich beachten?

  • Als minderjährige Mutter wirst Du beim Sorgerecht für Dein Kind zumeist von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) unterstützt. Allerdings hast Du eigene Entscheidungsrechte, die dabei berücksichtigt werden.

  • Abhängig von Deiner individuellen Situation gibt es eine ganze Reihe verschiedener Möglichkeiten, wie Du mit Deinem Baby wohnen kannst, um es optimal zu versorgen.

  • Dir stehen als minderjähriger Mutter außerdem staatliche und private Unterstützungs- und Hilfsangebote zu – im Alltag mit Deinem Kind, bei der Kinderbetreuung und auch finanziell.

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Schwanger und minderjährig

Vielleicht hattest Du nicht geplant, so früh schon Mama zu werden. In dieser neuen und ungewohnten Situation beschäftigt Dich wahrscheinlich vieles, und vielleicht fragst Du Dich bei so Manchem, wie das alles eigentlich gehen kann.

  • Kann und darf ich als Minderjährige überhaupt vollverantwortlich Mutter sein?
  • Wo soll ich mit meinem Baby wohnen? Muss ich jetzt von Zuhause ausziehen?
  • Was wird aus meiner Schule oder Ausbildung?
  • Und: Inwieweit sind meine Eltern mit verantwortlich für das Kind?

Im Folgenden erfährst Du alles, was für Dich als minderjährige Mutter wichtig ist.

 

Sorgerecht als Mutter unter 18

Die elterliche Verantwortung für ein Kind ist im Sorgerecht geregelt. Grundsätzlich gilt: Als minderjährige Mutter kannst Du in der Schweiz kein volles Sorgerecht für Dein Kind haben. Von der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde wird eine Vertretung eingerichtet: Die sogenannte umfassende Beistandschaft (Art. 296 ZGB).

Wenn jemand stellvertretend für Dich die elterliche Sorge übernimmt, bedeutet das, vor allem die rechtliche Vertretung für das Kind zu sein oder Formalitäten zu regeln. Zum Beispiel, wenn ein Reisepass für Dein Kind beantragt werden muss, oder es an einer Schule angemeldet wird. Der Beistand sorgt für die Unterbringung des Kindes und die finanzielle/materielle Absicherung.

Ein Beistand findet sich oftmals in der eigenen Familie (Eltern, Großeltern, eine Tante oder eine ältere Schwester). Letztlich kann eine geeignete volljährige Person im Umfeld das Sorgerecht übernehmen – so auch der Vater des Kindes, wenn er bereits volljährig ist. Meist werden zwei Personen als Beistand gewählt. Die Beistandschaft wird durch das Familiengericht geregelt.

👩🏻‍🍼Ein großer Teil des Sorgerechts verbleibt aber von Anfang an bei Dir als Mutter. Das bedeutet, Du kannst weiterhin viele Fragen des Alltags bestimmen, wie Du Dein Kind erziehen willst und anderes mehr.
👍🏼Natürlich wird Dir auch dabei Hilfe angeboten und zur Seite gestellt – je nach dem, wie Du es brauchst und wünschst.

Mit Deinem 18. Geburtstag wird dann automatisch das vollständige Sorgerecht auf Dich übertragen.

📘 Alle Infos zum Sorgerecht

ℹ️ Unter dem Begriff Beistandschaft fallen noch weitere Zuständigkeiten und Aufgaben. Ein Beistand kann zum Beispiel auch von Behörden freiwillig angefordert werden, um Alimente vom Vater des Kindes anzufordern oder bei einer Vaterschaftsanerkennung zu helfen. Zuständig ist hierbei das kantonale Jugendamt (KJA).

➡️ Hier alles Infos zum Kantonalen Jugendamt und wie es Dich unterstützen kann!

 

🏠 Wohnen mit dem Baby: Welche Möglichkeiten gibt es?

Im täglichen Leben ist mit der Verantwortung für das Baby natürlich auch die Frage verbunden, wo Du und Dein Baby am besten wohnen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.


1. Wohnen bei Deinen Eltern

Manche junge Mütter möchten mit Ihrem Baby gerne bei ihren Eltern wohnen bleiben. Das ist selbstverständlich möglich, wenn Du und Deine Eltern damit einverstanden sind.


2. Eigene Wohnung - alleine oder mit dem Vater des Kindes

Sollte das nicht in Frage kommen, zum Beispiel, weil der Platz in der Wohnung nicht ausreicht, kannst Du auch von zu Hause ausziehen; allerdings müssen Deine Eltern zustimmen. Als Minderjährige brauchst Du dafür die Unterschrift Deiner sorgeberechtigten Eltern. Dann kannst Du in eine eigene Wohnung oder auch mit Deinem Freund zusammenziehen.


Die Zustimmung der Eltern braucht es nicht, wenn Du in wenigen Wochen 18 wirst und somit keine Erziehungsmaßnahmen mehr benötigst, oder wenn Dein Wohl gefährdet ist (z.B. aufgrund von Gewalt).

❗️Solltest Du Dich bedroht fühlen und Dich Deine Eltern gar zur Abtreibung zwingen wollen, melde Dich bei uns Beraterinnen. Dein kantonales Jugendamt bzw. die KESB sind ebenfalls Ansprechpartner in solch einer Situation. Bleib mit Deiner Sorge nicht allein!

Bis zum Abschluss Deiner Erstausbildung müssen Dich Deine Eltern finanziell unterstützen. Wenn Du noch nicht selbständig für Dich finanziell sorgen kannst (Dir zum Beispiel das Geld für die Miete fehlt), hilft Dir der Unterhalt Deiner Eltern. Sie müssen allerdings nicht direkt eine Wohnung für Dich zahlen. Auch eine direkte staatliche Hilfe steht Dir wegen einer Wohnung nicht zu. Allerdings können Dir unter Umständen amtliche Behörden eine Unterkunft vermitteln oder (mit)finanzieren. ⬇️

Oftmals bieten die einzelnen Kantone Wohnungs- und Förderangebote für junge Menschen an. Du kannst Dich auch nach Jugendwohnheimen in Deiner Nähe erkundigen.

Eine Wohnbaugenossenschaft könnte für Dich ebenfalls eine Anlaufstelle sein. Meist braucht es da einen gewissen finanziellen Beitrag am Anfang. Dann ist die laufende Miete aber geringer im Vergleich zu anderen Mietwohnungen.


3. Vermitteltes Wohnen

Für den Fall, dass Du Dir mit Deinen Eltern über eine passende Wohnform für Dich und Dein Kind nicht einig wirst, kannst Du Dich auch an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde wenden. Dort kann mit Dir gemeinsam überlegt werden, was die beste Lösung für Dich und Dein Kind sein könnte.
Infrage kann zum Beispiel ein Mutter-Kind Haus kommen.

Welche genaue Wohnform für Dich und Dein Kind am besten passt, wird zusammen geschaut. Mit berücksichtigt wird zum Beispiel, wie lange diese Unterbringung für Dich hilfreich ist, und ab wann Du als Volljährige mit Deinem Kind auf eigenen Beinen stehen kannst.

 

Und die Schule bzw. Ausbildung?

Vielleicht überlegst Du auch schon, was die Schwangerschaft für Deinen normalen Alltag bedeutet – ob Du wohl Deinen Abschluss wie geplant machen kannst? Und vielleicht stellst Du Dir auch bereits vor, was Du nur in der Schule oder bei Deiner Ausbildungsstelle sagen kannst.

👍🏼Alles Infos und Tipps dazu findest Du hier: Schwanger in der Lehre/Ausbildung

 

Nach der Geburt: Hilfen im Alltag und Kinderbetreuung

Ein Baby bringt für jede Frau ganz neue Herausforderungen mit sich. Vielleicht ist Dir Deine Familie oder der Vater des Kindes eine große Hilfe und unterstützt Dich. Nicht jede junge Mutter kann allerdings auf eine solche Unterstützung zurückgreifen, z.B. weil die eigenen Eltern berufstätig sind.

💪🏼 Alle Infos zu Unterstützung in deiner Nähe

 

Kinderbetreuung

Eine der größten Fragen, die Du Dir gerade stellst, ist vielleicht die nach der Kinderbetreuung, wenn Du nach Ende des Mutterschutzes die Schule wieder besuchen oder Deine Ausbildung fortsetzen willst. Denn auch mit einem Baby ist Dir Dein Abschluss wahrscheinlich wichtig.

Hinsichtlich der Kinderbetreuung gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten, je nach Deiner individuellen Situation:

  • Deine Eltern oder die Eltern des Kindesvaters können sich in Deiner Abwesenheit um Dein Baby kümmern.
  • Wenn Du in einer Mutter-Kind-Einrichtung lebst, wird Dein Kind im Allgemeinen dort betreut, während Du in der Schule bist oder Deine Ausbildung machst. 

  • Du kannst Dein Kind auch einer Kinderkrippe, einem Hort oder einer Tagesmutter anvertrauen, während Du in der Schule oder bei der Arbeit bist. Zeichnet sich diese Option ab, ist es auf jeden Fall ratsam, möglichst bald einen Betreuungsplatz zu suchen.
  • Babysitter, Nachbarschaftshilfen und (regionale) Netzwerke/Projekte wie „Wellcome“ können ebenfalls eine Anlaufstelle für Dich sein.

👩‍💻Gerne schauen wir Beraterinnern auch mit Dir, welche Möglichkeiten es für Dich vor Ort gibt. Nimm einfach Kontakt zu uns auf.

💰 Übrigens: Die Betreuungskosten sind in der Regel einkommensabhängig. Das heißt, bei einem niedrigen Einkommen fallen entsprechend niedrige Beitrage an. Oftmals gibt es Vergünstigungsangebote. Unter welchen Voraussetzungen Du finanziell unterstützt werden kannst, erfährst Du in Deinem Kanton.

 

Das Finanzielle: Wovon sollen wir leben?

Als Minderjährige bist Du möglicherweise noch in der Schul- oder Berufsausbildung und hast deswegen gar kein oder nur ein eher kleines Einkommen.

Wie allen anderen Müttern stehen Dir ab der Geburt Deines Kindes staatliche Leistungen wie die Familienzulagen zu.

Neben der Kinderzulage (mit mindestens 200 Franken pro Kind) gibt es weitere Leistungen, die von Deinem Kanton abhängig sind. Das können Betreuungsgutscheine oder Steuerentlastungen sein, die Unterstützung sozialer Härtefälle oder Vergünstigungen, welche für die Kinderbetreuung verwendet werden können.

💰Du kannst Dich an die Ausgleichskasse (bzw. AHV) Deines Wohnortes wenden, um genaue Informationen und die Anträge zu erhalten.

Sollte es trotzdem finanziell eng werden, hier eine kleine Auswahl der Stellen, an die Du Dich zur Unterstützung wenden kannst:

  • an Dein kantonales Jugendamt (KJA)
  • an die Familienberatungsstelle Deiner Gemeinde
  • an die Mütter- und Väterberatung
  • an Wohlfahrtsverbände wie Caritas und Diakonie (Schwangerenzuschüsse, Babyerstausstattung und einiges mehr)
  • an unsere Pro Femina-Beraterinnen ⬇️

 

Wie kann es weitergehen?

Womöglich schwirrt Dir nun der Kopf von all den genannten Ideen, und Du kannst gerade noch gar nicht abschätzen, was jetzt das Beste in Deiner Situation wäre.

Vielleicht fehlen Dir auch gerade vertrauensvolle Menschen, mit denen Du über alles genauer sprechen kannst,; möglicherweise, weil Du unsicher bist, wie sie reagieren könnten. Du fragst Dich, was Deine Eltern sagen würden und wie Du ihnen von Deiner Schwangerschaft erzählen kannst?

Die Erfahrung zeigt, dass Eltern meist positiver reagieren als erwartet. Vielleicht helfen Dir aber diese Tipps im Vorfeld eines Gespräches weiter:

  • 👥 Suche Dir jemanden zur Unterstützung: Vielleicht eine erwachsene Person, welche Deine Eltern kennt oder mit ihnen befreundet ist. Eine Tante oder Patin vielleicht, die ganz hinter Dir steht.
  • 🤔 Überlege Dir, was Du sagen möchtest und wie. Um den Faden nicht zu verlieren und bei dem zu bleiben, was Dir wichtig ist, können Dir Notizen in der Situation helfen.
  • 💚 Trau Dich zu sagen, was Du fühlst und was Du Dir wünschst. Du darfst auch ehrlich sagen, wenn Dir das Gespräch nicht leicht fällt, es Dir aber wichtig ist.
  • 🤝 Du kannst Deine Eltern um Unterstützung bitten. Sie können Dir mit ihrer Lebenserfahrung zur Seite stehen.
  • 👩🏽‍🦰/👨🏽 Wenn es Dir leichter fällt, kannst Du auch erst mit einem Elternteil sprechen. 
  • 🕰 Gib Deinen Eltern Zeit, die Nachricht aufzunehmen und zu überlegen, wie gute Lösungen aussehen könnten.

Gerne sind wir für Dich da, tragen alle Informationen für Deine individuelle Situation zusammen und unterstützen Dich dabei, Schritt für Schritt Deine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Melde Dich in diesem Fall einfach direkt bei uns!
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Dürfen mich meine Eltern zur Abtreibung zwingen?

 

Quellen:


Schweizerische Eidgenossenschaft: Familienzulagen (Stand September 2021)
Stadt Bern: Familie und Finanzen (Stand September 2021)

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