Schwanger unter 18

Schwanger unter 18
Geschrieben von: Maria, Chefredakteurin · zuletzt aktualisiert: 28.06.2021

Wie kann das gehen, was muss ich beachten?

  • Als minderjährige Mutter wirst Du beim Sorgerecht für Dein Kind zumeist vom Jugendamt unterstützt. Allerdings hast Du eigene Entscheidungsrechte, die dabei berücksichtigt werden.

     
  • Abhängig von Deiner individuellen Situation gibt es eine ganze Reihe verschiedener Möglichkeiten, wie Du mit Deinem Baby wohnen kannst, um es optimal zu versorgen.

     
  • Dir stehen als minderjähriger Mutter außerdem viele staatliche Unterstützungs- und Hilfsangebote zu, z.B. im Alltag mit Deinem Kind, hinsichtlich der Kinderbetreuung und auch finanziell.

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Schwanger und minderjährig

Wahrscheinlich hattest Du nicht geplant, so früh schon Mama zu werden. In dieser neuen und ungewohnten Situation beschäftigt Dich sicher sehr vieles und vielleicht fragst Du Dich bei so Manchem, wie das alles eigentlich gehen kann?

  • Kann bzw. darf ich als Minderjährige überhaupt vollverantwortlich Mutter sein?
  • Wo soll ich mit meinem Baby wohnen? Muss ich jetzt von Zuhause ausziehen? 
  • Was wird aus meiner Schule oder Ausbildung?
  • Und: Inwieweit sind meine Eltern mit verantwortlich für das Kind?

Im Folgenden erfährst Du alles, was für Dich als minderjährige Mutter wichtig ist.

 

Sorgerecht als Mutter unter 18

Die elterliche Verantwortung für ein Kind ist im Sorgerecht geregelt.

Dabei gilt jedoch: Als minderjährige Mutter kannst Du in Deutschland kein volles Sorgerecht (Personen- und Vermögenssorge) für Dein Kind haben.

Als „alleinerziehende“ Mutter (die Du als vermutlich Unverheiratete genau genommen bist) ist es bis zu Deiner Volljährigkeit so, dass automatisch das Jugendamt die amtliche Vormundschaft für das Kind übernimmt.

Ein Vormund übernimmt in der Zeit bis zu Deiner Volljährigkeit Formalitäten wie die Klärung der Vaterschaft und die Klärung von Unterhalts- und Erbansprüchen für Dein Kind. Am Tag Deines 18. Geburtstags geht das vollständige Sorgerecht dann automatisch auf Dich über, und die Amtsvormundschaft für Dein Kind erlischt.

Durch einen Antrag beim Familiengericht kann vom Jugendamt auch eine bestimmte Person als amtlicher Vormund bestellt werden, die sich mit Dir das Sorgerecht teilt:

  • Ist der Vater des Kindes bereits volljährig, so kann er das Sorgerecht bekommen, allerdings nur, wenn Du und Deine Eltern einverstanden sind.
  • Auch eine volljährige Person aus Deiner Familie kommt in Frage, z.B. einer Deiner Elternteile oder eine volljährige Schwester.

ℹ️ Ein großer Teil des Sorgerechts, die sog. Personensorge, verbleibt allerdings von Anfang an bei Dir als Mutter. Das bedeutet, Du kannst weiterhin alle Fragen des Alltags bestimmen: Wie Du Dein Kind erziehen möchtest, wo es sich aufhalten darf, und anderes mehr.

 

Wohnen mit dem Baby: Welche Möglichkeiten gibt es?

Im täglichen Leben ist mit der Verantwortung für das Baby natürlich auch die Frage verbunden, wo Du und Dein Baby am besten wohnt. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.

 

1. Wohnen bei Deinen Eltern

Manche junge Mütter möchten mit Ihrem Baby gerne bei ihren Eltern wohnen bleiben. Das ist selbstverständlich möglich, wenn Du und Deine Eltern damit einverstanden sind.

 

2. Eigene Wohnung, alleine oder mit dem Vater des Kindes

Sollte das nicht in Frage kommen, zum Beispiel, weil der Platz in der Wohnung nicht ausreicht, kannst Du auch von zu Hause ausziehen; allerdings müssen dem Deine Eltern zustimmen. Als Minderjährige brauchst Du dafür die Unterschrift Deiner sorgenberechtigten Eltern. Dann kannst Du z.B. in eine eigene Wohnung oder auch mit Deinem Freund zusammenziehen.

Wenn Du befürchtest, dass Du Dir die Miete selbst nicht leisten kannst, kannst Du unter Umständen amtliche Zuschüsse wie z.B. Wohngeld oder einen Wohnberechtigungsschein für eine Sozialwohnung bekommen.

 

3. Vom Jugendamt vermitteltes Wohnen

Für den Fall, dass Du Dir mit Deinen Eltern über eine passende Wohnform für Dich und Dein Kind nicht einig wirst, kannst Du Dich auch ans Jugendamt wenden. Dort überlegt man dann gemeinsam mit Dir, was die beste Lösung für Dich und Dein Kind ist.

In Frage kommen z.B. ein Mutter-Kind Haus oder eine Wohnung des Jugendamts. Das ist eine eigne Wohnung, in der Du regelmäßig vom Jugendamt besucht und unterstützt wirst.

Welche genaue Wohnform für Dich und Dein Kind am besten passt, wird in der Regel vom Jugendamt ausgewählt und dann auch finanziert. Auch wird hier geschaut, wie lange diese Unterbringung für Dich hilfreich bist, und ab wann Du als Volljährige mit Deinem Kind auf eigenen Beinen stehen kannst (längstenfalls bis zum sechsten Lebensjahr Deines Kindes).

 

Und die Schule bzw. Ausbildung?

Vielleicht überlegst Du auch schon, was die Schwangerschaft für Deinen normalen Alltag bedeutet – ob Du wohl Deinen Abschluss wie geplant machen kannst? Und vielleicht stellst Du Dir auch bereits vor, was Du nur in der Schule oder bei Deiner Ausbildungsstelle sagen kannst.

Alles Infos und Tipps dazu findest Du hier:

 

Nach der Geburt: Hilfe im Alltag mit dem Baby

Ein Baby bringt für jede Frau ganz neue Herausforderungen mit sich. Vielleicht ist Dir Deine Familie oder der Vater des Kindes eine große Hilfe und unterstützt Dich. Nicht jede junge Mutter kann allerdings auf eine solche Unterstützung zurückgreifen, z.B. weil die eigenen Eltern berufstätig sind.

 

Kinderbetreuung

Eine der größten Fragen, die Du Dir vermutlich gerade stellst, ist vermutlich die nach der Kinderbetreuung, wenn Du nach Ende des Mutterschutzes die Schule wieder besuchen oder Deine Ausbildung fortsetzen willst. Denn auch mit einem Baby ist Dein Abschluss natürlich wichtig.

Hinsichtlich der Kinderbetreuung gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten, je nach Deiner individuellen Situation:

  • Deine Eltern oder die Eltern des Kindesvaters können stellvertretend Elternzeit, als sogenannte „Großelternzeit“nehmen und sich in Deiner Abwesenheit um Dein Baby kümmern. Sie erhalten dafür auch Elterngeld.
  • Ist der Vater Deines Kindes schon berufstätig oder macht gerade eine Berufsausbildung, dann kann auch er sich Elternzeit nehmen und Euer Kind betreuen.
  • Wenn Du in einer Mutter-Kind-Einrichtung lebst, wird Dein Kind im Allgemeinen dort betreut, während Du in der Schule bist.
  • Du kannst Dein Kind auch einer Kita oder einer Tagesmutter anvertrauen, während Du in der Schule oder bei der Arbeit bist. Zeichnet sich diese Option ab, ist es auf jeden Fall ratsam, möglichst bald einen Betreuungsplatz zu suchen.

ℹ️ Wichtig: Einen gesetzlichen Anspruch auf einen Platz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter hast Du eigentlich erst ab dem 1. Geburtstag des Kindes. Jedoch kann das Jugendamt hier vermitteln, dass Du schneller eine Möglichkeit für eine stundenweise Betreuung des Kindes findest. Auch übernimmt das Jugendamt unter Umständen die Kosten für die Betreuung.

 

Das Finanzielle: wovon sollen wir leben?

Als Minderjährige bist Du möglicherweise noch in der Schul- oder Berufsausbildung und hast deswegen gar kein oder nur ein eher kleines Einkommen.

Wie jeder anderen Mutter stehen dir ab der Geburt Deines Kindes staatliche Leistungen zu, so z.B.

  • das Elterngeld (300 Euro pro Monat im ersten Lebensjahr)
  • das Kindergeld (219 Euro) - als minderjährige Mutter wird also sowohl für Dich wie auch für Dein Kind Kindergeld ausgezahlt
  • wenn Du Dein Baby alleine erziehst und der Kindesvater keinen Kindesunterhalt zahlen kann, der Unterhaltsvorschuss (174 Euro im Monat)

ℹ️ Alle weiteren Infos dazu findest Du auch im Artikel: Schwanger – was steht mir zu?

Sollte es trotzdem finanziell eng werden, hier eine kleine Auswahl der Stellen, an die Du Dich zur Unterstützung wenden kannst:

  • Beim zuständigen Jugendamt bekommst Du Hilfe und Informationen.
  • Bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter vor Ort erfährst Du alles über finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten wie z.B. Arbeitslosengeld II bzw. Sozialgeld.
  • Befindest Du Dich in einer finanziellen Notlage, so kannst Du bei Schwangeren-Beratungsstellen wie der Caritas z.B. den Schwangerenzuschuss zur Babyerstausstattung über die Bundesstiftung für Mutter und Kind beantragen.
  • Außerdem kommt für Dich möglicherweise Wohngeld oder ein Wohnberechtigungsschein in Frage, so dass für einen Mietzuschuss gesorgt ist. Hierfür müsstest Du Dich an die für Dich zuständige Wohngeldbehörde wenden.

 

Wie kann es weitergehen?

Womöglich schwirrt Dir nun der Kopf von all den genannten Ideen, und Du kannst gerade noch gar nicht abschätzen, was jetzt das Beste in Deiner Situation wäre.

Vielleicht fehlen Dir auch gerade vertrauensvolle Menschen, mit denen Du über alles genauer sprechen kannst, z.B. um Dich auf ein Gespräch mit Deinen Eltern vorzubereiten; möglicherweise, weil Du unsicher bist, wie sie reagieren könnten.

Gerne sind wir für Dich da, tragen alle Informationen für Deine individuelle Situation zusammen und unterstützen Dich dabei, Schritt für Schritt Deine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Melde Dich in diesem Fall einfach direkt bei uns!

 

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