Schwanger im Studium

Schwanger im Studium
zuletzt aktualisiert: 02.07.2021

Unmöglich oder der perfekte Zeitpunkt?

  • Durch eine Schwangerschaft während des Studiums dĂĽrfen Dir keine rechtlichen Nachteile entstehen.

     
  • Universitäten und Hochschulen bieten deswegen UnterstĂĽtzung fĂĽr schwangere Frauen und MĂĽtter an.
     
  • AuĂźerdem stehen Dir als schwangerer Studentin verschiedene finanzielle Leistungen zu.

In diesem Artikel findest Du mehr Infos darĂĽber und Tipps, worauf Du nun achten solltest.




Schwanger als Studentin – habe ich Nachteile?

Rechtlich gilt: Einer Schwangeren, die sich im Studium befindet, dĂĽrfen durch die Schwangerschaft keine Nachteile entstehen!


Die verschiedenen Bildungsträger bieten meistens Möglichkeiten, um Frauen, die während des Studiums schwanger sind oder werden, einen möglichst reibungslosen Ablauf des Studiums zu ermöglichen.

Um herauszufinden, wie das an Deiner Hochschule oder Universität ist, kannst Du Dich an die studentische Beratung Deiner Hochschule wenden. Dort erfährst Du mehr über die Regelungen und gegebenenfalls notwendigen Anträge.

 

Was muss ich beachten?

An folgende Dinge denkst Du vielleicht gerade, wenn Du im Studium schwanger bist:

  1. Zeitliche Planung (Urlaubssemester oder ohne Unterbrechung weiter studieren?)
  2. PrĂĽfungen und sonstige Leistungsnachweise
  3. Duales Studium – welche Möglichkeiten gibt es?
  4. Praktika
  5. Kinderbetreuung

 

1. Zeitliche Planung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Du Dein Studium während der Schwangerschaft und Geburt organisieren kannst.

 

Urlaubssemester


Nach der Geburt eines Kindes wollen viele Eltern erst einmal eine Auszeit haben, um Zeit mit dem Kind zu verbringen und sich aneinander und an die neue Situation zu gewöhnen. Deshalb gibt es die Möglichkeit, ein Urlaubssemester zu nehmen.  

Da dadurch aber der Studierenden-Status wegfällt, solltest Du die Änderungen in Bezug auf BAföG und Versicherung beachten.


 

Studieren ohne Unterbrechung

Vielleicht ist es Dir auch lieber, direkt weiter zu studieren. Auch das ist möglich! Denn im Gegensatz zu Berufstätigen ist die Mutterschutzfrist vor und nach der Entbindung für eine Studentin nicht verbindlich. Deine Hochschule darf Dich Deine Ausbildung fortsetzen lassen, wenn Du das ihr gegenüber ausdrücklich wünschst. Diese Erklärung kannst Du jedoch jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen.

An so mancher Universität oder Hochschule funktioniert das ganz reibungslos. Viele Mütter nehmen das Baby in der ersten Zeit sogar mit in die Vorlesung und können so beides verbinden: Zeit mit dem Kind und Studium.

 

2. Prüfungen und Leistungsnachweise


Viele Prüfungsordnungen sehen Sonderregelungen für Studierende mit Kind vor. Beispielsweise können nach Rücksprache mit den Dozenten Prüfungen nachgeschrieben und die Abgabefristen von Hausarbeiten verlängert werden.

Gemäß § 1 Absatz 2 Satz 2 Nr. 8 MuSchG können Mütter während einer mehrstündigen Prüfungsleistung sogar für eine Stillpause freigestellt werden. 

 

3. Schwanger im dualen Studium

Mit einem dualen Studium erlangt man einen Hochschulabschluss mit einer Berufsausbildung. Deswegen gilt bei einer Schwangerschaft während eines dualen Studiums in Bezug auf die Arbeitsstelle das Mutterschutzgesetz (Beschäftigungsverbot sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt). Auch die Regelungen zum Mutterschaftsgeld, Elterngeld, Kindergeld, Kinderzuschlag etc. gelten genauso wie für andere Arbeitnehmerinnen.


Auch ein Kündigungsschutz für schwangere duale Studentinnen besteht. Aber nur, wenn der Arbeitgeber bzw. die Hochschule über die Schwangerschaft Bescheid wissen.


 

4. Praktikums-Leistungen als schwangere Frau


Viele Studiengänge erfordern verpflichtende Praktika über mehrere Wochen oder gar Monate. Falls Du während oder im Zeitraum eines verpflichtenden Praktikums schwanger bist, so gilt für Dich ebenfalls das Mutterschutzgesetz.

Sonderregelung: An Sonn- und Feiertagen sowie zwischen 20 und 22 Uhr dürfen Studentinnen tätig werden, wenn dies für die Ausbildungszwecke erforderlich ist und sie einwilligen. 

 

5. Kinderbetreuung

So manches Studium ist recht zeitintensiv und deswegen kann die Mutter sich nicht rund um die Uhr um das Kind kümmern. Oder aber es muss nebenbei Geld verdient werden. Um das den studierenden Eltern zu ermöglichen, bieten viele Hochschulen oder Universitäten Kinderbetreuung an.

Die Studienwerke sind gute Ansprechpartner, um genaueres über Deine Uni herauszufinden. Darüber hinaus haben einige Hochschulen/Universitäten besondere Maßnahmen getroffen, um für ein kinderfreundliches Klima zu sorgen und Studenten in ihrer Elternschaft zu unterstützen. So gibt es zum Beispiel die kostenfreie Nutzung der Hochschul-Kita, die kostenlose Verköstigung der Studi-Kinder in der Mensa und vieles mehr.


Auch eine Kindertagesstätte könnte eine machbare Option sein. Denn Kitas in öffentlicher Trägerschaft erheben in der Regel einkommensabhängige Beiträge – so müssen Gering-Verdiener auch nur wenig bezahlen.


Eine weitere Möglichkeit ist der sogenannte „Betreuungskostenzuschuss“ für eine Tagesmutter. Bei weiteren Fragen zum Thema Kinderbetreuung kannst Du Dich an das örtliche Jugendamt wenden.

 

Finanzielle UnterstĂĽtzung fĂĽr Schwangere im Studium

Glücklicherweise gibt es verschiedene finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten für schwangere Studentinnen, die von Sorgen ums Geld geplagt sind.
Im Folgenden findest Du verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten, die Du beantragen kannst.

 

BAföG für Schwangere und Mütter im Studium

BAföG-Empfängerinnen erhalten zwar während der Schwangerschaft keinen höheren BAföG-Satz, haben jedoch Anspruch auf verschiedenen Leistungen vom Jobcenter. Dazu zählt etwa der Mehrbedarf für Schwangere, Erstausstattung für das Kind und ein Zuschuss für Schwangerenbekleidung.

AuĂźerdem gilt folgendes:

  • Zuschuss zur Kinderbetreuung: Nach der Geburt bekommen Studierende mit Kindern unter dem 10. Lebensjahr einen Kinderbetreuungszuschlag in Höhe von 130 Euro im Monat zum regulären BAföG dazu. Dieser Zuschlag muss nicht anteilig zurĂĽckgezahlt werden.

     
  • Wenn Du aufgrund der Schwangerschaft nicht an Deiner Ausbildung teilnehmen kannst, erhältst Du drei Monate lang trotzdem BAföG. Ab drei Monaten Fehlzeit musst Du Dich beurlauben lassen und bekommst kein BAföG mehr. Stattdessen kannst Du jedoch Arbeitslosengeld II beziehen, sofern die entsprechenden Voraussetzungen erfĂĽllt sind.
     
  • Die Förderungshöchstdauer wird um ein Semester verlängert; vorausgesetzt, Du hast Dich während der Schwangerschaft nicht beurlauben lassen. Die Förderung fĂĽr diese zusätzliche Semester muss nicht zurĂĽckgezahlt werden.

 

Elterngeld, Kindergeld, und mehr

Auch als Studentin kannst Du sowohl Elterngeld als auch Kindergeld, einen Kinderzuschlag, Mutterschaftsgeld und Unterhaltsvorschuss beantragen.

 

Studium: Die beste Zeit fĂĽr Schwangerschaft und Kinder!?!

Während des Studiums schwanger zu werden, kann auch seine Vorteile haben.
Interessanterweise erzählen viele studierende Eltern sogar, dass Kinder im Studium nicht nur keine Katastrophe, sondern sogar ein Glücksfall seien. 

Aus Erfahrung berichten viele Frauen, die im Studium schwangere waren, u.a. so: 

  • Ich hatte nie wieder so viel Zeit fĂĽr mein Kind wie im Studium und war nie mehr so flexibel in meiner Zeiteinteilung!
     
  • Elternschaft schärft die Personal Skills: Verantwortung ĂĽbernehmen, ein sinnvolles Zeitmanagement, ein angemessener Umgang mit Geld. All das ist auch fĂĽr das zukĂĽnftige (Berufs)-Leben wichtig und hat mir später viel weiter geholfen.

     
  • Jung Eltern werden heiĂźt, mehr von seinen Kindern zu haben – ich war näher an ihnen dran und bin dankbar fĂĽr jeden Tag… 


Dennoch ist es völlig normal, wenn Du Dich vom Gedanken an den Spagat Studium – Kindererziehung zunächst überfordert fühlst. Gerne kannst Du Dich mit Deinen Sorgen und Fragen an uns Beraterinnen wenden!

 

Ungeplant schwanger im Studium und viele Sorgen

Vielleicht hast Du bis hierher gelesen und so manche Idee bekommen, wie Studium und Schwangerschaft vielleicht möglich werden könnten… Womöglich bist Du trotzdem unsicher und es bewegen Dich ganz unterschiedliche Gedanken und Gefühle beim Gedanken daran, wie es weitergehen kann.

Erfahrungsgemäß tut es vielen Frauen gut, sich in einer solchen Situation mit einer außenstehenden Person auszutauschen. Wir Beraterinnen von Pro Femina sind gerne für Dich da, wenn auch Du so ein vertrauliches Gespräch suchst – um die Gedanken zu sortieren, die Gefühle in Worte zu fassen und vielleicht erste Lösungen zu finden:

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